15. Dezember 2002

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Hans Bergel auf Schloss Horneck

Hans Bergel, einer der bekanntesten, produktivsten und streitbarsten deutschen Schriftsteller und Publizisten aus Südosteuropa, las am 20. November im Rahmen der Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage 2002 in Gundelsheim aus dem noch unveröffentlichten Roman „Die Rückkehr der Wölfe“.
Logo der Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage 2002
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Es war der Überzeugungskunst des Bundesvorsitzenden Volker Dürr zu verdanken, dass der Schriftsteller Hans Bergel letztendlich doch über seinen Schatten gesprungen war. Ursprünglich wollte er nicht „mit einem Mann in einer Veranstaltungsreihe auftreten, der mich und weitere Leute ins Gefängnis gebracht hat“, wie er der Heilbronner Stimme im Interview erklärte.
Der Schriftsteller und Publizist Hans Bergel bei einer Veranstaltung in München. Foto: Robert Sonnleitner
Der Schriftsteller und Publizist Hans Bergel bei einer Veranstaltung in München. Foto: Robert Sonnleitner

Gustav Binder, Mitarbeiter des Siebenbürgen-Institutes, stellte den 1925 in Rosenau geborenen Autor vor, als Zeugen der Zeitgeschichte und Opfer eines totalitären politischen Systems, der sich wie kaum ein anderer Deutscher aus Südosteuropa für die Wahrung der Menschenrechte hinter dem Eisernen Vorhang eingesetzt und Missstände thematisiert hat. Binder führte auch kurz in das umfangreiche und vielfältige Werk Bergels ein. Neben dem schriftstellerischen Werk: Romane, Novellen, Erzählungen, Lyrik, Essays, Sach- und Jugendbücher, sprach er auch das publizistische an – nicht nur als Redakteur der Volkszeitung und der Siebenbürgischen Zeitung, als Herausgeber der Südostdeutschen Vierteljahresblätter und als Mitarbeiter bei Rundfunk und Fernsehen – und würdigte Bergel als begnadeten Erzähler. Diesem sei es nicht nur durch seine Publikationen, sondern auch als Redner und Vortragenden gelungen, einer breiten Öffentlichkeit siebenbürgische Themen nahe zu bringen.

Diese Erzählkunst bannte auch diesmal das Publikum, das leider wegen der späten Zusage und des ungünstigen Termins nicht so zahlreich erschienen war. Bergel las aus dem im Entstehen begriffenen zweiten Teil seines Trilogieprojektes, das im Urteil der Heilbronner Stimme „durch das Prisma einer osteuropäischen Familie die Geschichte des [20.] Jahrhunderts Revue passieren lässt“. Es waren Auszüge aus dem fünften Kapitel, in dem ein Bild Siebenbürgens in der Zeit des Nationalsozialismus entsteht, und zwar so ein Bild Siebenbürgens, wie es sich aus der Perspektive von Jugendlichen ergibt. Die Wirkung dieser Passagen war allerdings nicht nur der Bildmächtigkeit der Bergel’schen Sprache zu verdanken, sondern auch dem, was Autor und Zuhörer zu einem gewissen Grade verband, was man als Authentizität bezeichnen könnte, und was Binder nach Lesung und Diskussion zu der Feststellung bewog: „Wir wissen nicht, wo die Tatsachen enden und die Fiktion beginnt“.

Der zweite Teil der Trilogie mit dem Arbeitstitel „Die Rückkehr der Wölfe“ hatte eine für Bergel untypisch lange Entstehungszeit. Nun soll er im nächsten Jahr endlich erscheinen. Zu wünschen ist ihm ein ähnlicher Erfolg wie dem ersten Teil: „Wenn die Adler kommen“. Diesem waren neben der Originalausgabe von 1996 bei Langen Müller zwei weitere Ausgaben und eine rumänische Übersetzung beschieden.

H-W


(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 20 vom 15. Dezember 2002, Seite 4)

Schlagwörter: Bergel

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