5. Juni 2016

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Dr. Irmgard Sedler spricht in Stuttgart über Glaubensvorstellungen der Landler

Die bekannte Volkskundlerin und Museumsleiterin Dr. Irmgard Sedler befasst sich in ihrem bebilderten Vortrag am 24. Juni um 19 Uhr im Haus der Heimat in Stuttgart (Schloßstraße 92) mit den Glaubensvorstellungen der Landler, deren Geschichte in Siebenbürgen sich fast dreihundert Jahre zurückverfolgen lässt.
Als Landler bezeichnet man seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert die Nachkommen jener unter Kaiser Karl VI. und Kaiserin Maria Theresia in der Zeit von 1734 bis 1756 aus den habsburgischen Erbländern Salzkammergut, Steiermark und Kärnten an den Rand der Donaumonarchie nach Siebenbürgen in die Nähe Hermannstadts deportierten Protestanten. Siebenbürgen war damals das einzige Gebiet der Habsburgermonarchie, in dem der Protestantismus geduldet wurde. Die Deportation der Landler unter Karl VI. wurde beschönigend als „Transmigration“ bezeichnet. Es waren Anhänger der Lehre Martin Luthers, die keine freiwilligen Auswanderer („Emigranten“), auch keine nur aus ihrer Heimat Vertriebene („Exulanten“) waren, sondern Opfer einer politisch und religiös motivierten Verschleppung in eine Gegend innerhalb der Habsburgermonarchie, wohin sie nicht gewollt hatten. Siebenbürgen war durch die Türkenkriege und die Pest wirtschaftlich schwer geschädigt, weite Landstriche waren verwüstet, ganze Dörfer entvölkert. Die Ansiedlung in den entvölkerten Dörfern der Siebenbürger Sachsen Großpold, Großau und Neppendorf stieß zuerst auf wenig Gegenliebe bei der ansässigen Bevölkerung, stellte sich jedoch bald als eine sehr vorteilhafte Entscheidung heraus. Zur Abwicklung der Transmigration entstand 1754 in der Burgertor-Vorstadt Hermannstadts im „Theresianum“ ein großer Gebäude-Komplex mit Reihenhäusern für die Landler. Etwas später kam die der Heiligen Elisabeth geweihte katholische Kirche und daneben das katholische Waisenhaus dazu. Vor dem Waisenhaus wurde ein Denkmal an seine Gründerin Maria Theresia errichtet, während in der evangelischen Stadtpfarrkirche von Hermannstadt ein „Landlerfenster“ an die Deportation der „Geheimprotestanten“ erinnert.

Zur Referentin: Die Germanistin und Volkskundlerin Irmgard Sedler wurde 1951 in Alzen geboren, bis 1991 war sie Oberkonservator und Abteilungsleiterin am Brukenthalmuseum in Hermannstadt. Seit 1992 leitet Dr. Sedler die Museen der Stadt Kornwestheim, ebendort ist sie seit 2003 auch Direktorin des vom Berliner Stararchitekten Josef Paul Kleihues gebauten Kunstmuseums. Sie promovierte im gleichen Jahr in Hermannstadt an der Lucian-Blaga-Universität zum Thema „Die Landler in Siebenbürgen mit Ausrichtung auf deren Gruppenidentität im Spiegel der Kleidung“. Für die Konzeption des Landlermuseums in Bad Goisern erhielt sie 1995 den Österreichischen Museumspreis. Irmgard Sedler ist Kuratorin von Ausstellungen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Russland, Rumänien und Vorsitzende des Trägervereins des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim. In zahlreichen Publikationen, Büchern und Katalogen hat sie die siebenbürgische Kulturgeschichte erforscht und dabei die Identitätsmechanismen im vielkulturellen Raum am Beispiel der Siebenbürger Sachsen hervorragend herausgestellt.

Helmut Wolff

Schlagwörter: Vortrag, Stuttgart, Haus der Heimat, Sedler, Landler, Glauben

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