28. Juli 2016

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21. Carl-Filtsch-Wettbewerbs-Festival in Hermannstadt

Wie in Folge 12 dieser Zeitung vom 25. Juli 2016, Seite 9, gemeldet, fand zwischen dem 4. und 10. Juli die 21. Auflage des Carl-Filtsch-Wettbewerbs-Festivals in Hermannstadt unter veränderten Vorzeichen statt. Überschattet war die diesjährige Auflage vom Tod Peter Szaunigs, des langjährigen Präsidenten und eines der Initiatoren des Wettbewerbes, der im Vorjahr am 28. August nach kurzer schwerer Krankheit verstarb, sowie vom Tod einer langjährigen Mitarbeiterin der Philharmonie während des Wettbewerbes, die bei der Organisation von Anfang an dabei war. Gesundheitlich angeschlagen nahm Walter Krafft, Szaunigs langjähriger Mitstreiter und Weggefährte, den Weg aus München auf sich und meisterte mit bewundernswerter Disziplin die Teilnahme als Ehrenpräsident der Veranstaltung.
Den Juryvorsitz hatte in diesem Jahr Boldiszár Cziky inne, der die Bedeutung des Wettbewerbes als zweitgrößten seiner Art in Rumänien nach dem Enescu-Wettbewerb hervorhob. Daniela Andonova, langjähriges Jurymitglied aus Bulgarien, betonte, dass das Carl-Filtsch-Wettbewerbs-Festival in Hermannstadt mit dem Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau verglichen werden könne. Das Stattfinden dieses Festivals wird erst möglich durch die großzügige Unterstützung langjähriger Sponsoren, wie: Kreisrat Hermannstadt, Bürgermeisteramt Hermannstadt, Generalkonsulat der BRD in Hermannstadt, Haus des Deutschen Ostens München, Münchener Musikseminar, Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien, Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung München, Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, Verband der Siebenbürger Sachsen, Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Martin Müller von der Firma SOBIS. Nach der Preisverleihung: Szczepan Konczal (links ...Nach der Preisverleihung: Szczepan Konczal (links im Bild) mit Frank Filtsch, Lebensgefährtin Ingrid Henzler (2. und 3. von rechts nach links, beide Schriftsteller) und Dagmar Zink Dusil, Vorsitzende der HDH (rechts im Bild). Foto: Fred Nuss 2014 von Peter Szaunig angedacht, wurde der Wettbewerb erstmals seit seinem 21-jährigen Bestehen bei dieser Auflage live übertragen, und es konnte über die einzelnen Teilnehmer abgestimmt werden. Die 32 000 Besucher im Internet beweisen, wie richtig es war, Szaunigs Vorhaben umzusetzen. Die Übertragung kann jederzeit unter: https://livestream.com/Romania-Live-Events/CarlFiltsch abgerufen werden. Nach dem Tod Peter Szaunigs wurde ein Fonds gegründet, aus dem erstmalig bei dieser Auflage der „Peter Szaunig“-Preis von Dagmar Zink Dusil an Szczepan Konczal überreicht wurde. Im Anschluss an den Wettbewerb schickte Szczepan Konczal folgende Mail: „Ich bin sehr froh, dass mir der ‚Peter Szaunig‘-Preis zugesprochen wurde. Es war ein berührender Augenblick, als ich den Preis entgegennahm, den ich als etwas Besonders empfunden habe. (…) Leider hatte ich nie die Gelegenheit, Peter Szaunig persönlich zu begegnen, doch viele Personen erzählten über ihn während des Wettbewerbes, so dass ich mich ihm geistig und seinen musikalischen Ansichten verbunden fühle. Ich hoffe, dass in den nächsten Jahren der ‚Peter Szaunig‘-Preis einen ähnlichen Einfluss auf die Empfänger haben wird und dass das Andenken an seine Person zur Förderung der wichtigsten musikalischen und ethischen Qualitäten beitragen wird“.

Nach einer einjährigen Pause fand erneut am Samstagabend in der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Mühlbach der traditionelle Klavierabend mit Wettbewerbsteilnehmern statt. Neben einigen Preisträgern (Shafran Tetiana, Szczepan Konczal, Petrova Ilinka, Edgar Cardoso und Kozma Istvan Levente) konnten auch einige der Teilnehmer, die keine Preise erhielten, trotzdem ihr Können vor dem Publikum unter Beweis stellen. So begeisterten das Publikum Yau Kit Pun aus Hong Kong mit der Interpretation von Bachs Präludium und Fuge in d Moll und Yeon-Kyung Kim aus Südkorea mit Debussy.

Das Preisträgerkonzert fand am Sonntag vor einem vollen Saal statt. Kontrastreich und sehr sicher interpretierte der zweite Preisträger der Kategorie A, der zehnjährige Kristian Emilov Angelov, sechs rumänische Tänze von Béla Bartók. Die erste Preisträgerin, Ilinka Petrova, ebenfalls zehn Jahre alt, begeisterte die Zuhörer mit der Sonate Nr. 21 in F-Dur von J. Haydn und der „Romanze ohne Worte“ von Filtsch. Ilinka Petrova, 1. Preis, Kategorie A. Foto: Fred ...Ilinka Petrova, 1. Preis, Kategorie A. Foto: Fred Nuss Der zweite Preisträger der Kategorie B, Dominik Ilisz, interpretierte energisch, brillant und vital die Ungarische Rapsodie Nr. 6 von Franz Liszt und erntete viel Applaus. Maria Izabela Voropciuc interpretierte emotional berührend das Adieu von Carl Filtsch und bewies mit der Interpretation der Abegg-Variationen von R. Schumann, dass sie das Stück als Struktur verstand. Edgar Cardoso, 3. Preisträger der Kategorie C, bestach mit G. Faurès Präludien und punktete mit einem gepflegten Klang und Sinn fürs Detail.

Tetjana Shafran und Szczepan Konczal, 1. bzw. 2. Preisträger der Gruppe C, ernteten großen Applaus für ihr Spiel und begeisterten die Zuhörer mit Chopins Einleitung und Rondo Op. 16 bzw. Scherzo Nr. 1 Op. 20 in h-Moll. Szczepan Konczal, 2. Preis, Kategorie C und ...Szczepan Konczal, 2. Preis, Kategorie C und "Peter Szaunig" Preis. Foto: Dagmar Dusil Unter den Zuhörern befand sich auch ein Abkömmling der Familie Filtsch, Frank Filtsch, der eigens für diesen Wettbewerb aus den USA angereist war und mit großer Begeisterung das Geschehen verfolgte. Er reiste auch mit nach Mühlbach und erzählte in der Kirche mit Stolz über den kleinen Carl Filtsch, der in dieser Kirche seinerzeit als Dreijähriger den Organisten auf falsche Töne aufmerksam gemacht hatte. Doch nicht nur die Musik des siebenbürgischen Wunderkindes beeindruckte Frank Filtsch, sondern auch Land und Leute. Ferdinand Gajewski, der in den USA lebende amerikanische Pianist und Musikwissenschaftler, der die letzten Werke Carl Filtschs entdeckte und der Öffentlichkeit zugänglich machte, verfolgte den Wettbewerb via Internet.

Nicht unerwähnt bleiben sollten die von Ion Bojin, Direktor der Philharmonie, organisierten, doch leider sehr spärlich besuchten Abendveranstaltungen. Erwähnenswert sind das Konzert am Freitag im Thalia-Saal und die Darbietung des Bass-Baritons Matthew Baker und des Pianisten Johann Markel aus den Niederlanden. Markel glänzte mit der Sonate Nr. 5, Op. 54 von A. Scrjabin und konnte das (leider spärliche) Publikum überzeugen, dass er die musikalisch komplexe Sprache des Komponisten erfasst hat. Einfühlsam, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, begleitete er Matthew Baker (Gerald Finzi: „Let us Garlands bring“, Op. 18 und Robert Schumanns „Dichterliebe“ Op. 48). Der nächste Carl-Filtsch-Wettbewerb findet vom 2.-10. Juli 2017 statt. Über weitere Sponsoren, Förderer und Unterstützer würden sich die Organisatoren freuen.

Dagmar Dusil

Schlagwörter: Carl Filtsch, Wettbewerb, Hermannstadt, Szaunig

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