12. Dezember 2016

Kulturleben in Ebersberg maßgeblich bereichert

Sie gehört zu den profiliertesten Persönlichkeiten des kulturellen und öffentlichen Lebens des Landkreises Ebersberg, ohne Frage. Zum Dank wurde Antje Krauss-Berberich, Archivarin und Galeristin der Stadt Ebersberg, am 24. November im Ebersberger Landratsamt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Als die Kronstädterin Antje Krauss-Berberich 1994 als Leiterin des Stadtarchivs im Ebersberger Rathaus angestellt wurde, fand sie auf dem Speicher eine Fülle von verstaubten Schachteln und Kisten mit Tausenden von ungeordneten historischen Dokumenten. Während sie daran ging, den Bestand in Sisyphusarbeit zu sichten, zu sortieren und zu katalogisieren, begann sie auch mit der regelmäßigen Sammlung von Werken aus dem Bereich der schönen Künste – Gemälden, Skulpturen, Literatur – sowie von Gebrauchsgegenständen, sofern sie sich mit der reichen Historie Ebersberg in Verbindung bringen lassen. Der geneigte Besucher trifft heute auf ein sehr gut geordnetes Archiv, bestehend aus Urkunden, Fotos, Luftaufnahmen, Post- und Ansichtskarten, Sterbebildern und Chroniken – kurzum: eine beeindruckende, ständig sich erweiternde Sammlung. Rechnet man die rund 4000 Kunstwerke von EbersbergerInnen hinzu, ergibt sich eine Kollektion, die die Kulturgüter selbst erheblich größerer Kommunen des Landkreises weit in den Schatten stellt.

1998 gründete Antje Krauss-Berberich zusammen mit zwei Kunsthistorikerinnen aus der Region den „Historischen Verein für den Landkreis Ebersberg“, in dessen jährlich erscheinender Zeitschrift sie – ebenso wie regelmäßig in der lokalen Presse – über ihre umfangreichen Forschungen zu Land und Leuten informiert. Sehr aufschlussreich und informativ sind die Straßen-Zusatzschilder („Legenden“) mit Informationen zu Leben und Werk der Namensgeber, die Krauss-Berberich seit Jahren realisiert. Stets geht es ihr im besten Sinne um Aufklärung der Bürger, darum, sie mit der Kunst und der Historie vor Ort bekannt und vertraut zu machen, mehr noch: sie zur aktiven Mitwirkung anzuregen, um ihr kulturelles Potential selbst zu erproben und zu erfahren.
Nachdem Landrat Robert Niedergesäß (links) Antje ...
Nachdem Landrat Robert Niedergesäß (links) Antje-Krauss Berberich – seiner Mitkämpferin in Sachen Kunst – mit lobenden Worten den Orden überreicht hat, gratuliert herzlich „ihr“ 1. Bürgermeister Walter Brilmayer mit den Worten: „Ich bin stolz auf dich“. Foto: Norbert Neugebauer
Nur vor dem Hintergrund dieser Maxime ist es möglich, Antje Krauss-Berberich auch in ihrer Eigenschaft als Galeristin der Stadt Ebersberg angemessen zu würdigen. 300 Ausstellungen mit Werken regionaler und international renommierter Künstler aus allen Bereichen der Kunst kuratierte sie in den vergangenen 20 Jahren, eine beeindruckende Bilanz. Und auch hier schimmert der demokratische Gedanke durch. Denn hätte sie andernfalls 2001 die Bürger der Kreisstadt im Rahmen ihrer legendären „1000 Stühle-Ausstellung“ zur Mitwirkung aufgefordert, zu einer Form von Kooperation, zu der sich zahlreiche Vereine und Betreuungseinrichtungen bereitfanden? Kein Wunder, dass sie im Jahr darauf für den „Tassilo-Kulturpreis“ vorgeschlagen und schließlich zur „Frau des Jahres“ im Landkreis Ebersberg gekürt wurde – gegen gewichtige Konkurrentinnen aus den Bereichen Kultur, Sport und Politik. Gewichtig war Krauss-Berberichs Ausstellung im Frühsommer – geradezu ein Coup war die Kuratie einer Retrospektive des Ende September verstorbenen Auschwitz-Überlebenden Max Mannheimer im Rathaus. Es war des Künstlers ben jakov letzte persönliche Anwesenheit bei der Präsentation über sein langjähriges malerisches Schaffen „und die heiterste und schönste Eröffnungsfeier und Ausstellung meines Lebens“, wie er seiner Kuratorin und guten Bekannten ins Gästebuch schrieb. Es sollte seine letzte eigenhändige Signatur in ein Goldenes Buch sein. Seine Letzte überhaupt.

Auch im karitativen Bereich ist Krauss-Berberich in Ebersberg aktiv – trotz der zusätzlichen zeitlichen Belastung im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Betätigung als Kultur- und Pressereferentin der Kreisgruppe Ebersberg des Verbandes der Siebenbürger Sachsen. Sie besitzt ein ausgeprägtes Gespür für die Nöte und Bedürfnisse der Menschen auf der Schattenseite des Lebens: Sie beschäftigt dankbare Mitarbeiter im Archiv, gleichgültig, ob es sich um Rentner, Arbeitslose oder um Asylbewerber – bisher 20 junge Männer aus verschiedenen Ländern – handelt, denen sie zu einer Struktur in ihrem Alltagsleben und zu einer sinnvollen Tätigkeit den Räumen des Stadtarchivs verhilft und sie in sprachlicher Hinsicht fördert. Erst kürzlich richtete sie einem jungen senegalesischen Akademiker – einem Maler, der Waise ist und der sie Mutter nennt – beherzt unter dem Dach des Rathauses ein Atelier ein, kuratierte seine Ausstellungen und half ihm beim Finden einer Wohnung und einer bezahlten Anstellung.

Es ist vor diesem Hintergrund nur zu verständlich, dass auch Ebersbergs 1. Bürgermeister Walter Brilmayer die Siebenbürger Sächsin als einen unverzichtbaren Teil des kulturellen und sozialen Lebens in Ebersberg bezeichnet und sie alle Jahre bittet, ihre Aktivitäten bis zum Ende seiner Amtszeit 2020 fortzusetzen. Wer die sportliche, dynamisch wirkende Krauss-Berberich kennt, weiß, dass sie dieser Aufforderung gerne nachkommen wird.

Nun wurde Antje Krauss-Berberich mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – von Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsident Horst Seehofer signiert – geehrt. Dieses freudige Ereignis fällt zeitlich zusammen mit der herausragenden Wanderausstellung „Bilder von Luther“, einem ganz besonderen Erfolg der Galeristin, gelang es ihr doch, die sehenswerte Exposition sogar der Landeshauptstadt München vor der Nase wegzuschnappen. Entsprechend groß war das Interesse der Besucher zu Ausstellungsbeginn, darunter hohe politische und kirchliche Würdenträger aller Konfessionen.

Wir beglückwünschen unsere Siebenbürger Sächsin zu dieser verdienten Auszeichnung, danken für ihren steten Einsatz, unsere Tradition im Landkreis durch Ausstellungen mit siebenbürgischen Hintergrund und ständige Präsenz bekannt zu machen, und freuen uns mit ihr über die große Anerkennung, die ihr ein Ansporn für ihr weiteres kulturelles und soziales Engagement sein wird. Sie wird aktiv bleiben – lautlos, wie selbstverständlich. Aber nie wirkungslos.

Michael Schwarz

Schlagwörter: Ehrung, Krauss-Berberich, Ebersberg, Verdienstmedaille

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