7. Januar 2017

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1916 – Schlacht bei Hermannstadt und Kämpfe am Roten-Turm-Pass

Im Rahmen der Stuttgarter Vortragsreihe fand am 18. November 2016 im Haus der Heimat ein historischer Vortrag statt. Das Kriegsgeschehen um Hermannstadt jährte sich zum hundertsten Mal. Was lag da näher, als darüber zu referieren? Zumal Helmut Wolff, der die Vortragsreihe betreut und diesen Vortrag hielt, seine Informationen aus erster Hand bezogen hat – von Zeitzeugen wie Emil Sigerus und Albert Reich. Mit Texten und Zeichnungen hatten beide das sinnlose Töten und Kämpfen, die großen Opfer und Verluste des ereignisreichen Kriegsjahres 1916 dokumentiert.
Mit einer Postkarte von 1914 „Wir halten fest zusammen. Gruß aus Nagyszeben“ stieg Helmut Wolff in das schwierige Thema ein. Er berichtete detailliert über die Ereignisse beginnend mit dem 29. Juni 1914 – der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand in Sarajevo, in deren Folge es zur Mobilisierung in Hermannstadt kam. Eine Postkarte zeigt den Aufbruch des Militärs – des k.u.k. Infanterieregiments Nr. 31 vom Hermannstädter Bahnhof und die bereits einsetzende Medienpropaganda für den Krieg: „Mit Gott für König und Vaterland“. Im darauffolgenden Jahr wurde der Wehrmann in Eisen auf dem Großen Ring in Hermannstadt aufgestellt.

Obwohl die rumänische Regierung zunächst ihre Neutralität erklärt hatte – trotz des Bündnisvertrags mit den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn – trat Rumänien am 27. August 1916 mit einer Kriegserklärung an Österreich-Ungarn auf die Seite der Entente ein. In derselben Nacht drangen drei rumänische Armeen in Siebenbürgen ein.

Die Kriegserklärungen Deutschlands und der Verbündeten der Mittelmächte am 28. August hatten zur Folge, dass ein Teil der sächsischen Bevölkerung aus Südsiebenbürgen die Flucht ergriff. Zu Beginn der Kämpfe bei Hermannstadt und der Schlacht im Roten-Turm-Pass standen dem rumänischen Heer, bestehend aus über 564 000 Soldaten, zunächst nur 34 000 Mann der k.u.k.-Streitkräfte gegenüber. Von überall wurden deutsche und österreich-ungarische Truppenteile abgezogen und die 9. Deutsche Armee aufgestellt. Sie unterstand dem Kommando des Generals Erich von Falkenhayn. Das riesige rumänische Heer verfügte zwar über 1 300 Geschütze, aber nur die Hälfte davon waren tatsächlich einsatzfähig. Die Soldaten kennzeichneten eine große Kriegsunerfahrenheit und ein niedriger Ausbildungsstand. Mangelnde Logistik und eine für sie ungünstige geografische Lage erschwerten ebenfalls ihre Situation. Es begannen die Gegenangriffe. Dem deutschen Alpenkorps unter Generalleutnant Krafft von Delmensingen gelang die Sprengung der Brücke über den Alt. Die Absicht der Offensive war es, einen Umgehungsmarsch über die Kämme des Zibinsgebirges zu starten, dem Feind in den Rücken zu fallen und die Straße durch den Roten-Turm-Pass zu sperren. Am 26. September wurde die rumänische erste Armee unter General Manolescu eingekesselt. Es kam zu blutigen Kämpfen, bei denen Tausende von Soldaten in den Fluten des Alt ihren Tod fanden. Mit dieser Schlacht begann die Befreiung Siebenbürgens. Deutschen und österreich-ungarischen Militäreinheiten gelang es, das rumänische Heer, das in Siebenbürgen einmarschiert war, zurückzuschlagen.

Am 9. Dezember 1917 musste Rumänien einen Waffenstillstand und am 7. Mai 1918 einen Separatfrieden mit den Mittelmächten abschließen. Aber nachdem ein halbes Jahr später die Mittelmächte den Krieg verloren, gehörte Rumänien mit einem Mal zu den großen Gewinnern: Nicht nur die Bukowina und Bessarabien, sondern auch Siebenbürgen wurden ihm zugesprochen (Dezember 1918).

Den interessierten Zuhörern in Stuttgart wurde lebendiger Geschichtsunterricht geboten, den einige mit weiteren Informationen zu den Ereignissen ergänzten. Für das leibliche Wohl wurde auch diesmal liebevoll gesorgt. Mit einem Glas Wein und angeregten Gesprächen klang der Abend aus.

Die Stuttgarter Vortragsreihe 2017 eröffnet Dr. Ulrich A. Wien, Vorsitzender des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde, am 24. Februar mit dem Vortrag „Reformation in Siebenbürgen“.

Waltraut Stirner-Lohrmann

Schlagwörter: Stuttgarter Vortragsreihe, Erster Weltkrieg

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