19. Juli 2017

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22. Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival in Hermannstadt

Mit einem Klavierrezital der jungen Pianistin Adela Liculescu, Preisträgerin in allen drei Kategorien dieses Wettbewerbes (2009, 2006 und 2002), startete am 3. Juli das diesjährige Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival. Es war ein gelungener Auftakt mit Mozarts Phantasie in d-moll, Beethovens „Waldstein-Sonate“, Chopins Ballade Nr. 1 in g-moll, op. 23, Liszts Rigoletto-Paraphrase und nicht zuletzt mit dem verinnerlicht vorgetragenem „Adieu“ von Carl Filtsch. Von den Zugaben, die der jungen Pianistin vom Publikum abverlangt wurden, entsprach Beethovens „Rondo vom verlorenen Groschen“ am meisten ihrer psychischen Struktur.
Der Weg Adela Liculescus, so stellte auch Ioan Bojin, Generaldirektor der Hermannstädter Philharmonie, bei der Pressekonferenz fest, ist ein lebendiges Beispiel, dass dieser Wettbewerb ein Sprungbrett für eine zukünftige pianistische Karriere sein kann. Liculescu hat seit ihrem 1. Preis, den sie 2002 als Neunjährige in Hermannstadt erspielte, zahlreiche andere Preise gewonnen. Zurzeit ist sie Studentin in Wien in der Klasse von Professor Martin Hughes und studiert zusätzlich seit 2016 auch Komposition. Am 15. August 2017 wird sie in Hermannstadt auf dem Großen Ring mit Beethovens 2. Klavierkonzert zu hören sein.

Im Vergleich zu den vorherigen Ausgaben ist die Teilnehmerzahl zurückgegangen, was jedoch der Qualität keinen Abbruch tat. Von links: Ioan Bojin, Generaldirektor der ...Von links: Ioan Bojin, Generaldirektor der Hermannstädter Philharmonie, mit den Preisträgern der Kategorie B: Bianca Stanescu (1. Preis), Carla Usberti (2. Preis, „Carl Filtsch“ Preis und „Peter Szaunig“ Preis), Iedida Condria (3. Preis und Publikumspreis), Nikolay Dimitrov (2. Preis) und Dominik Augustin Ilisz (1. Preis). Foto: Beatrice Ungar Von den 28 aus zwölf Ländern eingeschriebenen Kandidaten stellten sich tatsächlich 23 der Herausforderung. In der 1. Kategorie (bis 12 Jahre) erhielt die 11-jährige Ildiko Rozsonits aus Ungarn den 1. Preis. Sie überzeugte mit ihrem farbigen Klangspiel und agogisch vorgetragener Flexibilität. Davon konnte sich auch das Publikum beim Preisträgerkonzert überzeugen, wo sie das „Andante“ von Carl Filtsch Op. 1 Nr. 1 vortrug. Sie versuchte sich auch als Komponistin mit „Streams of living water“. Den 2. Preis teilten sich die jüngste Teilnehmerin, die achtjährige Inya Maria Cutova mit einem für ihr Alter schwierigem Programm, das sie leicht überforderte, und der elfjährige Alexandru Simirad, der gewissenhaft sein Programm abspielte und mit seiner Komposition „Melancholie“ das Vorspiel beendete. Den 3. Preis teilten sich Felicia Boico aus Moldawien und Radeva Adelina Delyynova aus Bulgarien.

Die Teilnehmer der Gruppe B (bis 16 Jahre), ebenfalls sieben an der Zahl, stellten die Jury, bestehend aus dem Ehrenpräsidenten Walter Krafft (Deutschland), Boldizsár Csiky, Präsident der Jury (Rumänien), Dan Grigore (Rumänien), Tatiana Levitina (Russland), Daniela Andonova (Bulgarien), Heidemarie Wiesner (Deutschland) und Mihai Ungureanu (Rumänien) vor keine leichten Entscheidungen. Mit einem braven Vortrag und einem zögerlich interpretierten Bach erspielten Bianca Stanescu sowie Dominik Augustin Ilisz, beide aus Rumänien, Letzterer mit einem technisch einwandfrei rasanten Spiel einen ersten Preis. Beim Preisträgerkonzert erntete er mit der Polonaise Op. 53, der „Heroique“ langanhaltenden Beifall. Den zweiten Preis teilte sich Nikolay Dimitrov, ein kleiner 15-jähriger Exzentriker mit einer recht ausgeprägten Persönlichkeit, der durch sein originelles Spiel mit spontanen Klangwechseln die Jury überzeugte, mit Carla Usberti aus Deutschland, die kürzlich beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Paderborn einen ersten Preis gewann. Leider konnte sie die Jury des Carl Filtsch Wettbewerbes nicht überzeugen, obwohl sie im wahrsten Sinne des Wortes das Klavier „singen“ ließ und mit ihrer Musikalität, einer perfekt ausgeglichenen Mozartinterpretation (II. und III. Teil der Sonate in c-moll), einem Spiel mit Sinn fürs Detail und warmen Klang die Zuhörer in ihren Bann zog. Von den obligaten Filtsch-Stücken spielte sie einwandfrei das Präludium und die Fuge in c-moll und erhielt dafür den Carl Filtsch Sonderpreis vom Präsidenten der Jury zugesprochen. Der 3. Preis ging in dieser Kategorie an Iedida Condria aus Rumänien/Irland.

In der 3. Kategorie erreichten acht von neun Kandidaten nach der ersten Etappe und dem Vortrag der Pflichtstücke die zweite Etappe. Musik vom Feinsten kam zu Gehör. Es wurden drei Preise vergeben und ein 3. Kompositionspreis, der an Norbert Kaszta aus Rumänien ging. Belobigungen erhielten Floring Mantale, Rumänien, Anna Leyerer (Russland/ Österreich) und der 16-jährige Bogdan Draganescu, von dessen Vortrag das lebendig und frisch gespielte Allegro der Es-Dur-Sonate Nr. 62 von Haydn in Erinnerung blieb. Der 3. Preis ging an Lizaveta Bormotova (Weißrussland/ Österreich), der zweite an die zwanzigjährige Lin Pin-Chun (Taiwan/ Russland). Den ersten Preis erhielt Alexandru Cadmiel Botac, kein Unbekannter für die Besucher des Filtsch-Festivals. 2007 erhielt er schon einmal den ersten Preis, damals als Zehnjähriger in der Kategorie der Kleinsten. Schon damals überzeugte er neben der Jury auch das Publikum beim Preisträgerkonzert mit einem virtuos gespielten 3. Teil einer Chatschaturjan-Sonatine. In diesem Jahr steht der Ausnahmepianist, der als einer der größten zukünftigen Pianisten Rumäniens gehandelt wird, wieder auf der Bühne des Filtsch-Wettbewerbes. Mittlerweile zwanzig Jahre alt, hat er gehalten, was vor zehn Jahren zu erahnen war: ein großes Talent, der Pianist mit dem biblischen Namen „Cadmiel“. Wenn er zu spielen beginnt, gerät der Zuhörer in seinen Bann. Cadmiel Botac, 1. Preis der Kategorie C und ...Cadmiel Botac, 1. Preis der Kategorie C und „Peter Szaunig“-Preis. Foto: Beatrice Ungar Mozart (1. Teil der Sonate KV 311 in D-Dur), Chopin (Sonate Nr. 2 Op. 35) und Ravels „Alborada del gracioso“, die er auch in einer individuellen Interpretation, wo die Ruhe im Klang spür- und hörbar war, beim Preisträgerkonzert spielte. Neben dem Preisgeld vergibt die Philharmonie an den 1. Preisträger der Kategorie C einen Gastauftritt als Solist in der nächsten Konzertsaison. Zwei Sonderpreise wurden ebenfalls vergeben: der Publikumspreis nach Anzahl der Abstimmungen im Internet ging an Iedida Condria, und der seit dem Vorjahr ins Leben gerufene „Peter Szaunig“-Preis wurde an Carla Usberti und Cadmiel Botac vergeben für ein außergewöhnlich musikalisches Spiel, für einen originellen und empathischen Vortrag, für die Gabe des Pianisten, Emotionen auf den Zuhörer zu übertragen, und für die Fähigkeit, das Körnchen göttlicher Wahrheit zu finden, das in der Musik Ausdruck findet. Dagmar Dusil (2. v. rechts) überreicht die ...Dagmar Dusil (2. v. rechts) überreicht die Sonderpreise (von links): Iedida Condria (Publikumspreis) sowie die beiden „Peter Szaunig"-Preisträger: Cadmiel Botac und Carla Usberti. Foto: Beatrice Ungar Dank großzügiger Sponsoren konnte eine Neuauflage der dreisprachigen Monographie über Carl Filtsch von Peter Szaunig sichergestellt werden. Das Buch kann über die Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt oder über das Büchercafé in Hermannstadt bezogen werden. Neben den lokalen Behörden in Hermannstadt, die diesen Wettbewerb unterstützen, muss auch ein großes Dankeschön an all jene gerichtet werden, die durch ihre finanzielle Hilfe eine Fortführung des Festivals möglich machen, allen voran der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung München, der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, dem Haus des Deutschen Ostens München, dem in den USA lebenden Nachfahren von Carl Filtsch Frank Filtsch, der zu seinem Bedauern aus gesundheitlichen Gründen nicht als Zuhörer dabei sein konnte, und Dr. Fischer Kunstauktionen. Ebenfalls herzlichen Dank an Martin Müller von der Firma SOBIS, der durch seine großzügige Spende erst die Live-Übertragung des Wettbewerbes möglich gemacht hat. Dieser Wettbewerb, ist nicht mehr aus der Musikwelt Hermannstadts wegzudenken. Er liegt nicht nur Ioan Bojin, dem Generaldirektor der Philharmonie, am Herzen, sondern auch zahlreichen Unterstützern. Unter dem Applaus des Publikums, das erfreulicherweise zahlreich bei der Preisträgergala anwesend war, wird der 23. Auflage Anfang Juli 2018 gespannt entgegengesehen.

Dagmar Zink

Schlagwörter: Carl Filtsch, Wettbewerb, Musik, Musiker

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