21. Mai 2018

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Neue Perspektiven für die Familienforschung: Sektion Genealogie tagte auf Schloss Horneck

Die Sektion Genealogie des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e.V. (AKSL) lud am 4./5. Mai 2018 zu ihrer Jahrestagung unter dem Thema „Metamorphosis Transylvaniae“ in das Siebenbürgische Kultur- und Begegnungszentrum auf Schloss Horneck in Gundelsheim/Neckar ein. Die Referenten kamen aus Rumänien, den USA und Deutschland. Es gab Vorträge, einen Ausstellungsbesuch, Sektionsberichte und zukunftsweisendes Organisatorisches.
Rüdiger von Kraus M.A. (Boston) erläuterte den siebenbürgisch-sächsischen Kleinadel im Barockzeitalter am Beispiel der Familie von Kraus. Aus Hermannstadt kam der Theologe und Archivar Dr. András Bándi (Zentralarchiv der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien), um die wiederentdeckten evangelischen Kirchenbücher von Baumgarten (Bungard/Bongárd) und die dort dokumentierten ethnischen Umwandlungen vorzustellen. Passend zum Thema konnte der Besuch der aktuellen Kunstausstellung „50 Jahre & 50 Gemälde“ im Siebenbürgischen Museum mit Exponaten, die die Metamorphosen des 20. Jahrhunderts präsentieren, eingefügt werden. Rüdiger von Kraus (Boston) während seines ...Rüdiger von Kraus (Boston) während seines Vortrags in Gundelsheim. Fotos: Dr. Robert Offner Dr. Emőke Gálfi (Klausenburg) stellte den Ort Groß-Enyed/Straßburg am Mieresch (Nagyenyed/Aiud) im 16. Jahrhundert als einen Ort des Zusammenlebens zwischen Siebenbürger Sachsen und Ungarn vor und skizzierte den Stammbaum einer der prominentesten siebenbürgisch-sächsischen Familien aus jener Zeit (Szász/Sachs). Ihr Kollege Dr. Zsolt Bogdándi (Klausenburg) steuerte „Genealogische Daten des siebenbürgisch-sächsischen Patriziats von Klausenburg im 16.-17. Jahrhundert“ bei und berichtete über die Kurzbiographien zweier Sachsen als Stadt- und Staatsbeamten: Martin Klausenburger (1638-1642 Bürgermeister von Mediasch) und Johann Jacobinus (1582 Notar in Klausenburg). Die beiden Siebenbürger Ungarn sind wissenschaftliche Mitarbeiter der Forschungseinrichtung des Siebenbürgischen Museums-Vereins in Klausenburg. Weiter teilte der Sektionsleiter, Dr. med. Robert Offner (Regensburg /Speichersdorf), Forschungsergebnisse von Dr. Werner Klemm (Detmold) und Fabien Fischer (Straßburg) mit, die im Rahmen der Arbeiten zum siebenbürgisch-sächsischen Pfarrerbuch (dazu weiter unten mehr) junge siebenbürgisch-sächsische Akademiker als Exulanten im Elsass des 17. Jahrhunderts ermittelt haben.

In einem zweiten Block referierte Dr. Lupold von Lehsten (Bensheim) über die Karriere des siebenbürgischen Gubernators Samuel Freiherr von Brukenthal und die Genealogie seiner Familie. Dabei wurde bei der Einordnung der Familie Brekner von Brukenthal in die vielschichtige siebenbürgische Adelslandschaft deutlich, dass hier noch weitere Forschungen ungemein wünschenswert wären. Robert Offner stellte die „Apothekerdynastie“ Mauksch-Hintz als Ausgangspunkt seiner eigenen genealogischen Forschung vor. Die Familie von Georg Gottlieb Hintz erbte die Klausenburger Apotheke der Familie Johann Martin Mauksch und führte sie bis zur staatlichen Enteignung 1949 weiter. Nach intensiven juristischen Auseinandersetzungen mit dem rumänischen Staat konnte die längst in Deutschland lebende Familie Hintz die Apotheke zurückerwerben. Auf diese Weise ist das einzigartige Apothekenmuseum – mit dem in die Frühe Neuzeit zurückreichenden Gebäude mit exquisiter Gewölbemalerei und authentischen Einrichtungsgegenständen – erhalten geblieben. Klar wurde allerdings auch, dass verschiedene Namensträger Tobias/Martin/Johann Mauksch/Maugsch/Maucksch, die in Klausenburg, Neumarkt am Mieresch, Bistritz und Mühlbach Apotheken betrieben, noch einer genaueren Einordnung in die Familie(n) in der Zipser Käsmark (Késmárk, Kemarok) harren. Dr. Zsolt Bogdándi (Klausenburg) steuerte in ...Dr. Zsolt Bogdándi (Klausenburg) steuerte in seinem Vortrag „Genealogische Daten des siebenbürgisch-sächsischen Patriziats von Klausenburg im 16.-17. Jahrhundert“ bei. Jutta Tontsch (Hamburg) als Leiterin des Vereins für Genealogie der Siebenbürger Sachsen e.V. (VGSS) und Dr. Dietmar Gärtner (Darmstadt/Traisa) haben das Großprojekt, die genealogischen Daten der Siebenbürger Sachsen online zu präsentieren, inzwischen in einem neu mit TNG konzipierten Portal realisiert. Dieses Projekt korrespondiert der großartigen „Matrikelsicherung der evangelischen Kirche in Rumänien“ durch Dr. Christian Weiss (Tübingen). Der 87-jährige Altmeister der Matrikel-/Kirchenbuchforschung Siebenbürgens plant im Sommer eine weitere Verfilmungsexkursion nach Transsylvanien, um letzte Lücken zu schließen. Allerdings sucht er wieder Mitstreiter. Auch sind die Erträge der letzten Forschungsreisen noch nicht zufriedenstellend aufgearbeitet. Daher zögert Christian Weiss noch immer, diese zentrale Arbeit in jüngere Hände zu legen. Sein Bericht über die Quellensituation und seine persönlichen Erfahrungen aus den Umbruchjahren in Rumänien im 20. Jahrhundert waren erneut ein Höhepunkt der Tagung. Ingrid Schiel, Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts im Schloss Horneck, berichtete über Dr. Werner Klemms Projekt eines Pfarrer- und Lehrerbuchs der evangelischen Kirche A.B. in Siebenbürgen 1701-1900. Auch hier werden Mitstreiter für die umfangreiche Arbeit dringend benötigt und gesucht.

Einen motivierenden Ausblick in die Zukunft bot die Projektvorstellung „Siebenbürgisches Kultur- und Begegnungszentrum Schloss Horneck“ durch Dr. Axel Froese und Heidrun Negura (München). Der Verein Siebenbürgisches Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V. ist seit 2015 Eigentümer des Schlosses. Im Sommer 2018 wird ein durch Bund und Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg maßgeblich getragener Um- und Ausbau des Schlosses zu einem Kultur- und Begegnungszentrum beginnen. Teilnehmer der Sektionstagung am zweiten Tag. ...Teilnehmer der Sektionstagung am zweiten Tag. Abschließend konnten Ingrid Schiel, Jutta Tontsch, Dr. Robert Offner und Dr. Dietmar Gärtner auch der Beginn einer Metamorphose für die Siebenbürgische Genealogie präsentieren: Zwischen der Sektion Genealogie des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e.V. (AKSL) und dem VGSS wurde ein Kooperationsvertrag entworfen, der auch die Zustimmung des Landeskonsistoriums in Hermannstadt fand. Während der Tagung wurde sie feierlich unterzeichnet. Durch die enge Zusammenarbeit beider Einrichtungen werden die wissenschaftliche Forschung, die Archivierung und Erschließung der Matrikeln für die genealogische Forschung und alle Serviceleistungen zu genealogischen und familiengeschichtlichen Anfragen gewährleistet. Hierzu kann man den beiden „Säulen“ siebenbürgisch-sächsischer Genealogie nur gratulieren.

Auf diese Weise wurden zahlreiche Metamorphosen aus verschiedenen Jahrhunderten bis in die jüngste Gegenwart vor dem Hintergrund genealogischer Fragestellungen deutlich. Hierbei ist auch ein exemplarischer Beitrag von Daniel Schobel zu nennen. Seine detaillierten Forschungen zu Martinsdorf u.a. über die Deportationen müssen noch in die generellen Untersuchungen integriert werden. Und wie sich die großartige Weiss‘sche Sicherungsarbeit fortsetzen lässt, ist auch noch zu klären. Das Siebenbürgische Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V. beabsichtigt, auch die jüngeren Generationen einzubinden: So werden reichlich Perspektiven geboten, die auf Schloss Horneck durch Seminare, Tagungen für Wissenschaftler und Laienforscher, durch Feste und Kulturereignisse realisiert werden können. Damit könnte das Haus an eine besondere Zeit anknüpfen, als es unter dem seinerzeit bekannten Internisten Dr. Ludwig Roemheld (1871-1938, GND 1012297683), 1899-1938 ärztlicher Leiter des Sanatoriums auf Schloss Horneck, prominente Gäste wie Königin Charlotte, Gustav Gründgens, Marianne Hoppe, Max Schmeling, Louis Trenker oder Cäsar Flaischlen in seinen Mauern sah und sich unter den Sanatorien seiner Zeit einen besonderen Namen gemacht hatte.

Lupold v. Lehsten

Schlagwörter: Genealogie, Familienforschung, AKSL, Schloss Horneck

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