16. April 2019

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Lesung mit Format

Zum fünften Mal wurde 2017 der „Katzendorfer Dorfschreiberpreis“ verliehen. Erstmals wurde er einer siebenbürgischen Autorin, der in Bamberg lebenden Dagmar Dusil, zuerkannt. Ein Jahr lang in der Katzendorfer Dichterklause leben, schreiben, recherchieren und Siebenbürgen neu entdecken, hieß es für die freie Autorin Dusil.
Herausgekommen ist ein Buch der besonderen Art mit vielen Geschichten aus Katzendorf, rund um Katzendorf, über Menschen verschiedener Ethnien, von Gegenwärtigem und Vergangenem. Abenteuerlust paart sich mit Heimatverbundenheit, Lebensträume und Entdeckernaturen erscheinen vor dem geistigen Auge des Lesers. Das Buch trägt den Titel „Auf leisen Sohlen. Annäherungen an Katzendorf“ und erschien im Pop-Verlag im März 2019 gerade rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse, wo es viele Menschen erfreute.

Auf Einladung des Nürnberger Kulturbeirats zugewanderter Deutscher kam die freie Autorin Dagmar Dusil am 28. März ins Zeitungscafé Hermann Kesten, um „Auf leisen Sohlen“ im Rahmen einer Lesung vorzustellen. Nach der Begrüßung und kurzen Vorstellung der Autorin und des Moderators durch Susanne Schneehorst, Leiterin der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, übernahm Moderator Josef Balazs das Mikrofon. Was folgte, war eine Lesung der besonderen Art mit einem Konzept, das das Publikum unterhält, ohne abgehackt zu klingen oder dass „scharfe“ Unterbrechungen entstehen, die Zuhörer und Vorleser aus dem Takt bringen. Es war eine Lesung mit Format, bei der Moderator und Autorin Hand in Hand arbeiteten und aufeinander abgestimmt waren, eine Lesung, die noch lange in Erinnerung bleibt. Der Moderator saß mit am Tisch, stellte gezielte Fragen zum Inhalt des Buches und die Autorin antwortete mit dem Vorlesen des passenden Kapitels: beste Unterhaltung mit Information und humorvoll dazu.Dagmar Dusil und Josef Balazs in Nürnberg. ...Dagmar Dusil und Josef Balazs in Nürnberg. Mit ihrer klaren, warmen Stimme entführte Dagmar Dusil die zahlreichen Zuhörer in das Katzendorf, das sie mit offenen Augen und freiem Herzen wahrgenommen hat. Zur Frage des Moderators Balazs, wie man sich die Zeit in der Dichterklause vorstellen könne, las Dusil die Zahlen der Tage, Stunden, Minuten und Sekunden vor, die sie dort verbracht hat. Der Autorin wurden viele Fragen zu diesem Preis und vor allem zu Katzendorf gestellt. Diese Fragen hat sie aufgeschrieben und vorgelesen. „Die Antworten dazu findet der Leser auf Seite 273“, sagte sie. Katzendorf hat einen Bahnhof, der inzwischen stillgelegt ist. Es heißt aber, dass hier einst der berühmte Orient Express durchgefahren ist; ob das stimme, fragte Balazs. Auch dazu gibt es eine Geschichte im Buch, die vorgelesen wurde. Dagmar Dusil nennt den Ort Katzendorf „ein kleines Europa“, weil hier so viele verschiedene Nationalitäten zusammenleben. Es gibt neben wenigen Siebenbürger Sachsen einen Inder, eine Dänin, deren Mann Belgier ist, Szekler, Ungarn, rumänische Zigeuner und Roma. Dusil habe in ihrem Buch ohne zu werten über die Roma und die anderen Ethnien geschrieben, so Balazs. Dusil hat sich mit einem zwölfjährigen Mädchen namens Maria angefreundet, das die deutsche Sprache lernen will. Wie das passiert, liest man in der Geschichte „Die Eule“, aber auch in vielen anderen Geschichten kommt Maria vor. Auch die Kirchenburgen finden ihren Platz. Zum Schluss las Dusil ein Fragment aus der Geschichte über Anna Simonis vor, eine Geschichte, die zum Teil wahr ist, denn Simonis war eine siebenbürgische Komponistin, die 1914 in Paris starb. Dagmar Dusil hat das jetzige lebendige Geschehen rund um Katzendorf festgehalten, aber die Vergangenheit dieses siebenbürgischen Eckchens nicht außer Acht gelassen. Lang anhaltender Applaus erfüllte das Zeitungscafé Hermann Kesten. Nach Abschlussworten von Frau Schneehorst begann die Signierstunde für die „Katzendorfer Dorfschreiberin“ Dagmar Dusil.

Malwine Markel

Schlagwörter: Dusil, Katzendorf, Dorfschreiber, Lesung, Nürnberg

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