26. Januar 2020

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Neujahrsempfang für Schloss Horneck: Gedenken an Deportation und Einladung zu Neueröffnung

Burg Guttenberg/Haßmersheim. Der Neujahrsempfang 2020, zu dem der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat e.V. und das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ für den 11. Januar 2020 eingeladen haben, nimmt eine besondere Stellung in der langen Tradition der Begegnungen ein, bei denen sich Freunde, Förderer, Ehrenamtliche und Hauptberufliche treffen, um den Zusammenhalt zu pflegen und Schwerpunkte für das neue Jahr festzulegen.
Erstmals fand der Empfang nämlich nicht auf Schloss Horneck statt, weil die große Baustelle auf der Burg den Festsaal für eine Feier unzugänglich machte. Die Gastgeber, zu denen auch das Siebenbürgische Museum, der Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. und das Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg gehörten, wollten die Tradition weiterführen und keinesfalls auf ein Treffen verzichten, vor allem, weil es schon im vergangenen Jahr ausgefallen war.

So fand man eine wunderbare Lösung: Man lud in die benachbarte Burg Guttenberg ein. Diese bot sich umso mehr an, weil die Familie Pietralla, die das Begegnungszentrum auf Schloss Horneck gepachtet hat, dort die gesamte Restauration betreibt. Das Schöne daran ist, dass Schloss Horneck aus den Fenstern wunderbar sichtbar ist. Daher fand der 20. siebenbürgisch-sächsische Neujahrsempfang mit räumlicher Distanz und gefühlter Nähe zu Schloss Horneck statt. Blick aus dem Fenster von Schloss Guttenberg über ...Blick aus dem Fenster von Schloss Guttenberg über den Neckar auf Schloss Horneck. Dr. Harald Roth begrüßte die Gäste im Namen des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrats und seiner Mitgliedsvereine und lenkte als Historiker seinen Blick zuerst kurz in die Vergangenheit der beiden Burgen. Beide wurden im 13. Jahrhundert gebaut und liegen in Sichtweite voneinander – jeweils auf einem Bergsporn rechts und links vom Neckar. Sie haben sich aber dank der Zugehörigkeit zu verschiedenen Reichskreisen im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich entwickelt.

Während die Burg Guttenberg schon seit dem Jahr 1449 bis heute im Besitz der Familie von Gemmingen ist, nie zerstört wurde und in ihrer „Burgkapelle schon früh evangelisch gepredigt wurde“, waren Gundelsheim und Schloss Horneck als Besitzung des Deutschen Ordens katholisch, wechselten ihre Eigentümer und ihre Nutzung wiederholte Male und die Burg wurde im Bauernkrieg von 1525 fast vollständig zerstört.

Selbst nach der Säkularisation 1806 nach den Napoleonischen Kriegen nahmen sie unterschiedliche Entwicklungen, weil Guttenberg danach zum Großherzogtum Baden gehörte, Horneck aber zum Königreich Württemberg. Erst 1935 wurden beide Seiten durch den Bau der Gundelsheimer Staustufe verbunden und seit 1952 gehören die beiden Burgen zum Bundesland Baden-Württemberg.

Familie Pietralla spendet eine Zimmereinrichtung für Burg Horneck

Michel Pietralla, der zukünftige Geschäftsführer des Hotels auf Schloss Horneck, nutzte das Forum, um sich und seine Familie kurz vorzustellen. Sein Vater betreibe Burg Auerbach, 2015 habe die Familie die Gastronomie auf der Guttenberg übernommen. Der große Vorteil von Burg Guttenberg sei, dass sie sich früh mit einem Museum und der berühmten Greifenwarte dem Tourismus geöffnet habe, und so Mittel generieren konnte, um das große Anwesen zu erhalten. Es sei schon immer sein Traum gewesen, ein Hotel zu betreiben, deswegen sehe er die Übernachtungsmöglichkeiten auf Schloss Horneck als gute Ergänzung zum touristischen Angebot und zum Gastronomiebetrieb auf Burg Guttenberg. Großen Applaus erntete er, als er bekannt gab, dass seine Familie auch 10.000 Euro für die Möblierung eines Übernachtungszimmers auf Schloss Horneck spendet. Michael Pietralla gibt bekannt, dass seine ...Michael Pietralla gibt bekannt, dass seine Familie 10.000 Euro für die Möblierung eines Übernachtungszimmers auf Schloss Horneck spendet. Rainer Lehni, der neue Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, war zum ersten Mal in seiner neuen Funktion dabei. Er berichtete kurz über das 70. Jubiläum des Verbandes in München und der Landesgruppe Baden-Württemberg in Heilbronn und sicherte dem Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ die volle Unterstützung des Verbandes zu.

Schwerpunktthema 75 Jahre Deportation

Harald Roth lenkte danach den Fokus der Veranstaltung auf den Schwerpunkt der kulturellen Gemeinschaftsarbeit in diesem Jahr: 75 Jahre seit dem Beginn der Deportation zur Zwangsarbeit in der Sowjetunion. Zu diesem Thema werde gegenwärtig eine Ausstellung erarbeitet, die zu Pfingsten in Dinkelsbühl und anschließend im Siebenbürgischen Museum gezeigt werden soll. Rund 70 000 Deutsche aus Rumänien, 30 000 davon Siebenbürger Sachsen wurden damals deportiert. Rund 15 Prozent der Deportierten waren den Strapazen nicht gewachsen und kamen dabei ums Leben, viele erlitten dauerhafte Schäden an Leib und Seele. Im Laufe des ganzen Jahres sind Veranstaltungen geplant in Fürth, Drabenderhöhe, Nürnberg, Traunreut, Karlsruhe und Ulm sowie in Reschitza, dort organisiert vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien.

Anschließend wurden Ausschnitte aus dem Film „Heimkehr aus der Sklaverei“ von Günter Czernetzky aus dem Jahr 2011 gezeigt. Der aus Schäßburg gebürtige Filmemacher hatte nach der Wende Interviews mit Zeitzeuginnen geführt und sie als Zeitdokumente zusammengefasst. Das Thema habe auch in die Belletristik Eingang gefunden, so Roth. Am bekanntesten sei wohl der Roman „Atemschaukel“ von Herta Müller, der auch auf Informationen von und dem Gedankenaustausch mit dem Hermannstädter Oskar Pastior beruht. Dagmar Seck, die neue Bundeskulturreferentin des Verbands der Siebenbürger Sachsen, trug das Gedicht „Jahre“ von Oskar Pastior vor.

Eröffnung von Schloss Horneck am 10. Juli 2020

„Am Wochenende 10.-12. Juli wird Schloss Horneck wieder eröffnet“, gab Dr. Konrad Gündisch, der Vorsitzende des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“, bekannt. Ziel aller Bestrebungen sei es, dass das Museum und das Institut ihre Fläche ausweiten können, für die Zukunft eine sichere Bleibe haben sowie dass der Erhalt des geschichtsträchtigen Bauwerks auf Dauer finanziell gesichert werden kann.

Das Siebenbürgische Museum werde eine „Schatzkammer“ für besondere Exponate, einen museumspädagogischen Raum, ein Gemäldedepot und einen großzügigeren Eingangsbereich erhalten. Für die Bibliothek und das Siebenbürgen-Institut werden neue Büros, ein neuer Lesesaal und ein Archivbüro eingerichtet. Eine besondere bauliche Herausforderung sei die Stärkung der Statik in den Räumen für die Roll-Regale gewesen. Im restlichen Teil des Schlosses werden die ehemaligen Seniorenräume zu Hotelzimmern umgebaut. Die Rohbauarbeiten seien abgeschlossen und die Schloss Horneck GmbH werde das Begegnungszentrum betreiben.

Dr. Gündisch dankte an dieser Stelle Dr. Axel Froese, der die gesamten Bauarbeiten für das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ ehrenamtlich leite und überwache, und warb auch bei dieser Gelegenheit um Mittel für die Möblierung der 30 Hotelzimmer. Als besondere Reverenz an Siebenbürgen und an die Spender erhalten die Zimmer den vom Spender gewünschten Ortsnamen aus Siebenbürgen. Ein guter Teil der Zimmernamen sei bereits von Spendern vergeben worden. Jürgen Binder (rechts) überreicht Dr. Konrad ...Jürgen Binder (rechts) überreicht Dr. Konrad Gündisch, dem Vorsitzenden des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“, eine Spende der Kreisgruppe Heilbronn für Schloss Horneck. Fotos: Anneliese Vater Mit herzlichem Dank nahm er von Jürgen Binder eine Spende der Kreisgruppe Heilbronn des Verbandes entgegen, welche die große Spende der Landesgruppe Baden-Württemberg ergänzt, zu der auch die Heilbronner schon beigetragen haben.

Für eine ansprechende musikalische Einstimmung sorgten Theresa und Maximilian Braisch als „Duo Marmor“ mit der eigens für diese Veranstaltung zusammengestellten Suite siebenbürgischer Volksweisen von Béla Bartók sowie der Rumänischen Rhapsodie Nr. 1 von George Enescu.

Margrit Csiky

Schlagwörter: Neujahrsempfang, Kulturrat, Kulturzentrum Schloss Horneck, Schloss Horneck

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