16. November 2020

Schloss Horneck – ein Phönix aus der Asche: Impressionen vom Spendertreffen beim KulturWochenende in Gundelsheim

Natürlich handelt es sich in diesem Bericht nicht um den Aschenhaufen, den die marodierenden, vom Hornberger Ritter Götz von Berlichingen angeführten Bauernhaufen zurückließen, als sie nach der Erstürmung der durch die Flucht des Deutschmeisters und der Mehrzahl seiner Mannen wehrlosen Burg diese gnadenlos brandschatzten. Nein, er handelt von der Restrukturierung des Schlosses im Zuge des Ankaufs 2015 durch das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V. Es geht also nicht um die Errettung der Burg 1525 aus den Klauen des wilden Ritters „mit der eisernen Hand“, sondern, fast 500 Jahre später, um die Etablierung eines neuen Nutzungskonzeptes, das dank einer beispiellosen Spendenaktion der Siebenbürger Sachsen in die Wege geleitet wurde.
Ines Handel als Pimpolino mit Puppen: Omama und ...
Ines Handel als Pimpolino mit Puppen: Omama und Otata. Foto: Jürgen Binder
Nun aber verschickten der Vorsitzende des 2015 gegründeten Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck e.V.“, Honorarprofessor Dr. Konrad Gündisch, der neuartige Deutschordensmeister sozusagen, und seine beiden gar nicht so grauen, vielmehr sympathisch-eloquenten Eminenzen Dr. Axel Froese und Heidrun Negura, beide in hunderten ehrenamtlichen Stunden sich diesem umfassenden Vorhaben des Umbaus, der Finanzierung und der Vermarktung mit viel Herzblut widmend, Einladungen in alle Himmelsrichtungen. Diese Einladung zum KulturWochenende vom 9. bis 11. Oktober (siehe Bericht in der Siebenbürgischen Zeitung Online vom 21. Oktober 2020) erhielten jene Einzelpersonen oder Familien, die nicht gezögert hatten, beachtliche Summen für die Ausstattung und Einrichtung der zahlreichen Räumlichkeiten des Schlosses zur Verfügung zu stellen. Die Verbände, Gruppen- bzw. HOG-Spender und einige Großspender werden im November eingeladen.

Die Geladenen folgten gern diesem Ruf aus allen Teilen Deutschlands, ja sogar – so der Unterzeichner dieser Zeilen – aus dem fernen Niederösterreich, um am Freitagnachmittag in der hübsch restaurierten Veranda, bei Kaffee und Kuchen, erste Begrüßungen zu tätigen und neue Bekanntschaften zu schließen – natürlich unter Wahrung aller, von dem bösen Gespenst Corona diktierten Sicherheitskautelen.

Konrad Gündisch hieß alle willkommen, bat dann in den beeindruckend in Weiß gehaltenen Festsaal mit seinen von vergoldeten korinthischen Kapitellen gekrönten Säulenrisaliten, den vier Jahreszeiten-Lünetten der Stuckdecke und dem Prachtkandelaber und übergab nach einleitenden Worten an den „Macher“ und (ehrenamtlichen) Umbauleiter Dr. Axel Froese. Dessen Powerpoint-Präsentation hatte es in sich. In souveräner Weise stellte er bisher Erreichtes und zukünftig Angestrebtes vor. Mit der, auch von lokalen und Bundesbehörden bewunderten und wirklich einzigartigen Spendenaktion von 1450 Siebenbürger Sachsen begann er, bei der innerhalb von drei Monaten 2015 ganze 1,4 Millionen Euro an Spendengeldern eingegangen waren. Dazu kamen zwei umfangreiche Förderanträge, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien genehmigt wurden, und eine Förderung seitens des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Die Kennzahlen des Umbauumfanges sind gewaltig: 4 600 qm Fläche, 100 Tonnen Bauschutt, 40 km Elektrokabel, 185 Fenster, 160 Türen etc. galt es zu sanieren, wegzuschaffen, zu verlegen, anzustreichen und neu hinzuzufügen, um das Kultur- und Begegnungszentrum „Schloss Horneck“ mit seinen 32 Übernachtungszimmern, drei Seminarräumen, Speisesaal und Veranda, mit dem prächtigen Festsaal, Jugendstilsaal und weitläufigen Fluren in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Ebenso das Siebenbürgische Institut mit seinen 90.000 Medieneinheiten in der Bibliothek und dem 1500 Regalmeter umfassenden Archiv, so wie das 22.000 Sammelstücke beherbergende Siebenbürgische Museum. Auch unsere Hermannstädter Freunde legten nicht die Hände tatenlos in den Schoß. Während Dipl.-Ing. Werner Zacharides die Planung und Durchführung der Gasleitungsarbeiten übernahm, hatte die Bauleitung bei der Renovierung des Pförtnerhauses Dipl.-Ing. Hartmut Gündisch inne, beide auch sonst intensiv und selbstverständlich ehrenamtlich beratend.

Seinen aufrichtigen Dank sprach Konrad Gündisch der Zuhörerschaft aus, die durch ihre Spenden in der Höhe von knapp 400.000 Euro die Zimmereinrichtungen, die Wiederherstellung der Gänge und Aufenthaltsräume erst ermöglicht hatte. Durch entsprechende Namenstafeln wurden diese gekennzeichnet, die außer dem Namen des Spenders auch dessen siebenbürgischen Ursprungsort, von Agnetheln bis Zeiden, enthalten. Noch ist nicht alles fertiggestellt, einige Namenstafeln fehlen noch, zwei bis drei Räumlichkeiten, das weißgetünchte, mit soliden Holztreppen versehene Treppenhaus (die Maßarbeit eines Szekler Tischlermeisters), die Ausstattung der Seminarräume warten noch auf Spender. Das Museum erhält einen in Bau befindlichen neuen Eingang.

Heidrun Negura steuerte immer wieder Ergänzungen bei. Sie hatte, ebenso wie die Ehrenvorsitzende des Sachsenvereins in Deutschland und Präsidentin der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen, Herta Daniel, wie Dr. Hans Kremer und der Ex-Neithausener Landesvorsitzende Michael Konnerth, wie die Vorstandsmitglieder Alfred Deptner und Werner Gohn-Kreuz oder Honorarprofessorin Dr. Evelyn Rusdea u. a. mit ungebrochenem Mut all die Jahre des Umbaus mitgearbeitet. Mit einem Ausblick auf die Zukunftsprojekte und die Herausforderungen materieller, aber auch kultureller Art beschloss Dr. Froese seine interessanten Ausführungen.

Es folgte ein entzückender Programmpunkt: Ines Handel, Tochter des bekannten Hermannstädter Bildhauers Kurtfritz Handel, präsentierte, als rotnasiger Clown verkleidet, das von ihr verfasste und illustrierte Kinderbuch über des kleinen Clowns Pimpolino Abenteuer auf Schloss Horneck derart berührend, dass danach viele der Zuhörer sich am Verkaufspult drängten, wo neben diesem Werk auch das Buch über die Hornecksche Schlossgeschichte des Historikers Konrad Gündisch käuflich erworben werden konnte.

Anschließend gab es ein uriges Rittermahl im eleganten Jugendstilsaal, garniert mit deftigen Sprüchen des Gastwirtes Andreas Pietralla, der als mediäval schlosserprobter Lieferant ergötzlicher Intermezzi, von Prangerschaustellung bis Ritterschlag, die beisitzenden Rittersleut` und Maiden zu unterhalten wusste. Nach Brotsuppe und vor aller Augen flambiertem Braten, begossen mit schäumendem Gerstensaft und süffigem Met regionaler Provenienz, forderte er die erlauchte Gesellschaft des Öfteren in der frech-landsknechthaften Art eines Simplizissimus auf, ihre „Afterballen“ zu heben und mit ihrem Humpen in der Faust lauthals dem jeweiligen gepanzerten Ritter oder der flinken Küchenmaid zu huldigen. Der Abend klang dementsprechend in bester Laune aus.

Am nächsten Morgen begann mit Dr. Axel Froese eine „bauliche Führung“ durchs Schloss, wobei der Experte uns fachkundig in natura präsentierte, worüber er am Vortag referiert hatte. Zum Vergleich mit den fertiggestellten Räumlichkeiten ließ er uns auch einen Blick auf eine Baustelle werfen, um uns bewusst zu machen, welch ein Aufwand notwendig war und ist, um z. B. ein Fürstenzimmer daraus entstehen zu lassen.

Konrad Gündisch wiederum führte uns eine Stunde später in die so mäanderreiche, vom dunklen Mittelalter bis in die heutige Zeit reichende Geschichte der zum Schloss umgewandelten Burg kundig ein. Er erzählte von der Stiftung der Ritterburg 1254 an den Deutschen Ritterorden durch Konrad von Horneck. Die Deutschordensritter nahmen nach ihrem Abgang aus dem siebenbürgischen Burzenland 1225 und nach dem Scheitern einer Niederlassung im Severiner Banat dieses Geschenk nur allzu gern in Anspruch, die Burg und zugehörige Ländereien wurden eine Kommende des Deutsch-Rittersordens, dessen Hauptsitz 1309 von Venedig in den neugebauten, imposanten Backsteinbau der Marienburg an der Nogat, im heutigen Polen verlegt wurde – eine dieser eigenartigen geschichtlichen Verflechtungen zwischen der auf unser siebenbürgisch-sächsisches Siedlungsgebiet hinweisenden Marienburg im Burzenland und der gewaltigen Marienburg im polnischen Weichsel-Mündungsgebiet. Gündisch streifte die Verwüstung der Burg während der Gewaltexzesse des deutschen Bauernkrieges 1525, den Umbau zu einem Renaissanceschloss, das später barockisiert, von Napoleon säkularisiert wurde und danach den verschiedensten Destinationen diente: als Brauerei ebenso wie als Lungenheilstätte, als Kaserne wie als Lazarett zu Kriegszeiten. Bemerkenswert für die Schlossgeschichte war die fast 40 Jahre lang andauernde Funktion als renommierte Kuranstalt unter der straffen Leitung des unter Medizinern wegen der Entdeckung des seinen Namen tragenden gastro-kardialen Syndroms bekannten Dr. Ludwig Roemheld. Ob gekrönte Häupter, Künstler wie Gustaf Gründgens, Marianne Hoppe oder Sportler wie Max Schmeling – alle behandelte der Chef mit gleicher Respekt einflößender Strenge, man fühlt sich bei Geheimrat Dr. Roemheld unwillkürlich an den brummigen Hofrat Dr. Behrens aus Thomas Manns „Zauberberg“ erinnert.

Schließlich gelangte das Schloss 1960 durch den heroischen Entschluss einiger siebenbürgischer Intellektueller und Unternehmer in den Besitz des als karitativer Alterssitz für durch Flucht und Vertreibung entwurzelte Siebenbürger Sachsen gedachten „Hilfsvereins Johannes Honterus“ – und konnte nun, nach diversen Turbulenzen, 2015 wieder erworben und bis heute renoviert, seinen neuen Bestimmungen zugeführt werden.

Nach dem Mittagessen konnte man einen Blick ins Besucherzentrum oder ins Museum werfen oder auf der Terrasse sitzen, mit Blick auf den gemächlich dahinfließenden Neckar und auf die über herbstlichen Rebenhängen stolz sich erhebende Burg Guttenberg. Manche der wenigen, die kein Hotelzimmer gebucht hatten, konnten in der sauber renovierten Gründgens-Lounge mit ihrem goldgerahmten Spiegel, den kleinen Marmortischen und den gemütlichen, satinbezogenen Fauteuils einfach dösen, Kaffee schlürfen oder intime Gespräche führen. Am Nachmittag wurde dann, wiederum im Festsaal, über Zukunftsprojekte gesprochen, es folgten Anregungen und Vorschläge, auch zwei durch die großartig realisierte Gestaltung animierte Spontanspenden. Nach mehreren Wortmeldungen einiger Teilnehmer kristallisierte sich heraus, dass Spenden und Vereinsmitgliedschaften (ab 49 Euro ist man dabei) für den Fortbestand des Kulturzentrums lebenswichtig seien. Es gilt, weiterhin Sponsoren zu akquirieren und die reichliche Nutzung als Seminarort, für Familienfeste, Hochzeiten, Konzerte und sonstige Zusammenkünfte voranzutreiben. Zwischenzeitlich fanden in einem der Fürstenzimmer gefilmte Interviews statt. Die Kulturreferentin Dagmar Seck befragte einige der Teilnehmer nach dem Grund der Spende, dem Bezug zum Ortsnamen, den hier gewonnenen Eindrücken und nach der Meinung des Gesprächspartners, ob weitere Unterstützung notwendig sei.

Nach der Präsentation des Gündisch-Buches durch den Autor selbst, nach der Vorführung von Lucian Binder-Catanas gelungenem Imagefilm „Schloss Horneck“ und nach dem Abendessen folgten am nächsten Morgen noch Abschiedsgespräche. Man verließ nach diesem denkwürdigen Wochenende diesen geschichtsträchtigen Ort einerseits tief beeindruckt von der Leistung der Bauarbeiter, der Architekten und der Koordinatoren des immensen Renovierungswerkes; andererseits ist einem die Tatsache bewusst, dass das Erreichte durch weitere Spendentätigkeiten, durch Anwerben von neuen Mitgliedern des Kulturzentrums, durch Mobilisierung neuer Sponsoren und Förderung von gesellschaftlichen Ereignissen aller Art bis hin zum Adventmarkt gehalten und potenziert werden muss. All das, um das Schloss Horneck als Hort des materiellen und immateriellen siebenbürgisch-sächsischen Erbes, gleichzeitig aber auch als Zufluchtspunkt sächsischen Selbstverständnisses und als Traumdestination geselligen Beisammenseins auch für unsere Nachfahren erhalten zu können.

Auch, um bei aller Integration in die deutsche Wirklichkeit klarzustellen, dass unsere 875 jährige eigene Geschichte, die sich jenseits der Wälder, in Transsilvanien, in Siebenbürgen also, abgespielt hat, es verdient, in unserem Geiste, aber auch greifbar hier auf Schloss Horneck, gestützt durch die vielen daselbst vorhandenen Memorabilien, lebendig zu bleiben. Kurt Thomas Ziegler

Schlagwörter: Gundelsheim, Schloss Horneck, KulturWochenende, Spender, Veranstaltung, Corona, Froese, Konrad Gündisch, Schlossverein

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