4. Juni 2021

Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen e.V. fördert Digitalen Heimattag 2021

„Kultur, Werte und Traditionen“ – das aktive Leben dieser Maximen zeichnet für Dr. Markus Söder die „großartige Gemeinschaft“ der Siebenbürger Sachsen aus. In seinem Grußwort zum digitalen Heimattag betonte der Bayerische Ministerpräsident seine jahrzehntelange Verbundenheit mit den Siebenbürger Sachsen.
Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, zeigte sich in ihrer Grußbotschaft ebenfalls beeindruckt von dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinschaft.

Überaus wertschätzenden und wertvollen Ausdruck hat die Verbundenheit des Freistaates Bayern mit den Siebenbürger Sachsen in der Gründung des Kulturwerks der Siebenbürger Sachsen e.V. gefunden. Eine der ersten großen Förderungen des Kulturwerks kommt dem Heimattag zugute. Exemplarisch stellen wir hier drei der geförderten Veranstaltungen aus dem beeindruckend vielfältigen Programm vor.

„Beziehungspause nach 70 Jahren – Siebenbürger Sachsen bleiben auch heuer auf Abstand“

Untrennbar ist die Stadt Dinkelsbühl mit dem Heimattag der Siebenbürger Sachsen verbunden. Umso schmerzlicher ist nun das zweite Jahr „Beziehungspause“, wie es der pointierte Titel des Films von Dagmar Seck, Bundeskulturreferentin des Verbands, und Bernd Breit beschreibt.
Daniel Rotter vor dem Panorama der Stadt ...
Daniel Rotter vor dem Panorama der Stadt Dinkelsbühl.
In einem ebenso interessanten wie gelungenen Perspektivwechsel geht der Film der Frage nach, ob den Menschen in Dinkelsbühl der Besuch der Festgäste fehle, und wie sie mit dieser „Beziehungspause“ umgehen. Mittels toller Gesprächspartner, teils Vertreter der Stadt und teils Passanten auf Dinkelsbühls Straßen, und gut gestellter Fragen fängt der rund 15-minütige Beitrag ein buntes und positives Stimmungsbild ein. So ist die erste Antwort einer Dinkelsbühlerin auf die Frage „Welche drei Begriffe fallen Ihnen ein, wenn Sie „Siebenbürger Sachsen“ hören?“, ebenso spontan wie begeistert: „Auf jeden Fall wunderschöne Trachten.“ Bei Altbürgermeister Prof. Dr. Walchshöfer ist es – man bemerkt den geübten Heimattagsgänger sogleich – „Holzfleisch“. Hinzu kommen natürlich noch der eindrucksvolle Festzug am Pfingstsonntag sowie die Köstlichkeiten im Spitalhof. Für Günther Schürlein, ehemaliger Leiter des Touristik Service Dinkelsbühl, sind Heimattag und Siebenbürger Sachsen gar gleichbedeutend mit Pfingsten und eben mit zahlreichern Besuchern der Stadt. Auf großes Verständnis stößt bei den Interviewten auch, dass sich die Gemeinschaft alljährlich an einem festen Ort trifft. Anekdoten von sympathisch-freudvollen Wiedersehensszenen unter den Teilnehmern werden erzählt. Da ist der allgemeine Tenor denn auch, dass es halt so ist an Pfingsten, man überlässt die Stadt den Siebenbürgen und dies größtenteils auch gerne. Aber die Gäste können sich auch benehmen. Das kann Daniel Rotter, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei in Dinkelsbühl, nur bestätigen. So zeigt der Film einmal ein anderes Dinkelsbühl an Pfingsten, eines allerdings, in dem der Heimattag doch recht fehlt – eben nicht nur den Siebenbürger Sachsen.

Singen vor dem Bildschirm

Einer der zahl- und ideenreichen Beiträge der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) war das „Singen vor dem Bildschirm“. Anhand der zwar erst kurzen, aber dennoch sehr erfolgreich etablierten Tradition dieses Programmpunktes am Heimattag lässt sich der kreative Umgang mit wechselvollen Gegebenheiten gut veranschaulichen. Premiere hatte das Format im Jahr 2018 als „Singen vor der Schranne“. Zehn junge Musikerinnen und Musiker spielten am Pfingstsonntag vor der Schranne auf, die Festbesucher sangen die bekannten Lieder schwungvoll mit. Im Folgejahr musste die Combo zwar noch nicht pandemie-, jedoch quasi „petrusbedingt“, aufgrund von Regen, umdisponieren, zu einem „Singen in der Schranne“. Letztes Jahr stellte sich die Gruppe dann in der Kürze der Zeit der Umwandlung des Heimattages in ein digitales Format der nicht zu unterschätzenden, jedoch gekonnt gemeisterten Herausforderung, in jeweils zuhause aufgenommenen und dann zusammengeschnittenen Videos, ohne gemeinsames Einspielen, trotzdem einen musikalischen Beitrag zu leisten.
„Endlich wieder einmal gemeinsam auf der Bühne. ...
„Endlich wieder einmal gemeinsam auf der Bühne. Vier der zehn Musiker von „Singen vor dem Bildschirm“: Oliver Lederer, Andrea Schwab, Fabian Kloos und Jürgen Filff (v.l.n.r.)
In diesem Jahr nun konnte zumindest wieder gemeinsam gespielt werden – in der Schranne. Die Freude darüber ist den jungen Musikerinnen und Musikern deutlich anzumerken. „Das gemeinsame Spielgefühl auf der Bühne nach so langer Zeit war etwas ganz Besonderes. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl wollten wir auch dem Publikum mit unserem Auftritt vermitteln“, so Fabian Kloos, Gitarrist und SJD-Bundesjugendleiter. Der Funke ist übergesprungen, wie nicht zuletzt die begeisterten Kommentare unter dem Video zeigen.

Podiumsdiskussion „70 Jahre Heimattag – So war es, so ist es, so wird’s immer sein?“

Anlässlich des eindrucksvollen 70-jährigen Jubiläums widmete sich die diesjährige Podiumsdiskussion dem Heimattag selbst. Via Zoom-Livestream ­betrachteten wir das Phänomen Heimattag sowie dessen Konzept und Wirkung aus einer selbstreflexiven Innen-, aber auch aus einer volkskundlichen Außenperspektive. Ferner weiteten wir den Blick, zum einen auf den Heimattag der Banater Schwaben, der jährlich abwechselnd in Ulm und in Temeswar stattfindet, und zum anderen auf das vom Siebenbürgenforum organisierte Sachsentreffen in Siebenbürgen. Die ebenso erfahrene wie sachkundige Runde setzte sich zusammen aus:
• Prof. Dr. Silke Götsch-Elten, Ethnologin
• Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben
• Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums
• Hans-Werner Schuster, vormaliger Bundeskulturreferent des Verbands
Podiumsdiskussion zum Heimattag 2021 ...
Podiumsdiskussion zum Heimattag 2021
Es ging darum, „das Spannungsfeld zwischen Beständigkeit und Anpassung“ auszuloten, wie es Dagmar Seck in ihrer Begrüßung formulierte, bevor sie das Wort an die Moderatorin Dr. Iris Oberth übergab.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es in der Entwicklung der Heimattage der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen bei zwar etwas unterschiedlichen Anfängen Parallelen im Konzept gibt, bestehend aus politischer Kundgebung, Trachtenumzug, Kulturveranstaltungen und geselligem Beisammensein. Zudem ist im Laufe der Zeit die politische Dimension in den Hintergrund getreten und die kulturelle hat an Bedeutung gewonnen, wie Hans-Werner Schuster erklärte. Peter-Dietmar Leber führte hierzu weiter aus, dass sich der Charakter der Heimattage stark gewandelt habe. So dienten die Treffen in den 1980er Jahren vornehmlich dem Austausch der Aussiedler, in den 1990er Jahren wurden insbesondere durch die Jugend ganz neue Akzente gesetzt.

Etwas jünger, nämlich 30 Jahre alt, ist das Sachsentreffen in Siebenbürgen. Martin Bottesch skizzierte das Klima der Unsicherheit unter den wenigen, in der Heimat verbliebenen Siebenbürger Sachsen Anfang der 90er Jahre, in dem das erste Sachsentreffen stattfand. Die Frage, ob man in so kleiner Zahl Bestand haben könne, beherrschte die Diskussion. Dies war für das Siebenbürgenforum Anlass, eine Veranstaltung zu schaffen, die die in Siebenbürgen verbliebenen Sachsen zusammenzubringt, um ihnen Gemeinschaft und Zusammenhalt zu vermitteln und Mut zu machen. Die ersten knapp 20 Jahre fand das Treffen in Birthälm statt, seither wird es an wechselnden Orten ausgerichtet. Dies hat die Außenwirkung und den Austausch mit der, auch rumänischen, Bevölkerung beträchtlich gesteigert.

Aus ethnologischer Sicht sei, so ­Prof. Dr. Götsch-Elten, besonders interessant, wie man einen Heimattag über mehrere Jahrzehnte und Generationen wach hält, gerade auch angesichts massiver gesellschaftlicher und politischer Veränderungen und damit einhergehender unterschiedlicher Erfahrungen und Erwartungen. Diese Veränderungen schlügen sich insbesondere darin nieder, an welchen Bräuchen und Ritualen man festhalte und wo neue Akzente gesetzt würden. In welchen Punkten will man sich ­unter Umständen anders verstanden wissen, insbesondere auch von der breiten Öffentlichkeit des jeweiligen Landes.

Diese und weitere Aspekte, wie zum Beispiel der, für welche Adressaten eine solche Veranstaltung eigentlich gemacht wird und wie der Heimattag in Dinkelsbühl in Siebenbürgen aufgenommen wird, wurden in der nach technischen Schwierigkeiten etwas verspätet gestarteten, rund einstündigen und überaus interessanten Diskussion mit vielen Denkanstößen behandelt. Unser herzlicher Dank gilt noch einmal den engagierten Diskutanten.

Dr. Iris Oberth

Schlagwörter: Kulturwerk, Digitaler Heimattag 2021, Förderung

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