Kulturwerk fördert das vielfältige Programm des Großen Sachsentreffens
Schon Monate vor dem Großen Sachsentreffen, das am ersten Augustwochenende unter dem Motto „Heimat ohne Grenzen“ stattfand, liefen die Vorbereitungen der Organisatoren und der teilnehmenden Gruppen auf Hochtouren. Das Kulturwerk war zwar nicht im eigentlichen Sinne an der Organisation beteiligt, ermöglichte jedoch durch finanzielle Förderung zahlreiche Veranstaltungen und Programmpunkte des Sachsentreffens.
Das Kulturwerk und der Landesverband Bayern hatten sich bereits seit Mitte 2023 bei der Bayerischen Staatsregierung um eine Aufstockung der jährlichen Fördersumme für das Jahr 2024 bemüht. Mit dem Großen Sachsentreffen, dem Gedenken an 80 Jahre Flucht und Vertreibung sowie dem Gedenken an 800 Jahre seit Verleihung des Goldenen Freibriefs durch König Andreas II. von Ungarn galt es, zahlreiche Projekte und Initiativen zu unterstützen und zu fördern. Dank des wohlwollenden Einsatzes des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales wurde dem Kulturwerk für 2024 einmalig die zusätzliche Fördersumme von 100 000 Euro gewährt.
Mit diesen Mitteln wurden neben der Förderung für die 75-jährigen Jubiläen des Bundesverbandes und des Landesverbandes Bayern der Siebenbürger Sachsen e.V. unter anderem beim Großen Sachsentreffen vorrangig Projekte unterstützt, die den grenzüberschreitenden kulturellen Austausch und die Fortführung der siebenbürgischen Kultur durch aktives Einbinden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Sinne der Förderrichtlinien nach § 96 BVFG zum Ziel hatten. Die über 80 dargebotenen Programmpunkte während des Wochenendes belegen dies.
So wurde beispielsweise von der Jugendorganisation des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), zusammen mit dem Deutschen Jugendverein Siebenbürgen (DJVS) auf dem Kleinen Ring ein Jugendpavillon eingerichtet, in dem sich Jugendliche und junge Erwachsene während des gesamten Wochenendes treffen und austauschen konnten. Bei Musiksessions, Sportwettkämpfen mit Siegerehrung, einer Stadtrallye sowie „mici and greet“ lernten sich junge Leute aus Deutschland, Siebenbürgen, Österreich, Kanada und den USA kennen und feierten gemeinsam.
Die Pfalz-Neuburger-Musikanten beim Trachtenumzug während des Großen Sachsentreffens. Foto: Thomas Huber
Ein weiteres Beispiel ist die Erarbeitung und Aufführung eines Tanz- und Fahnentheaters im Theater Gong. Im Rahmen dieses Projekts beschäftigten sich junge Siebenbürger Sachsen aus Bayern mit der Geschichte Siebenbürgens und erarbeiteten unter Anleitung des Regisseurs Ioan C. Toma und mit der Unterstützung durch die Kulturreferentin des Landesverbands Bayern Doris Hutter in intensiven Proben ein Stück, das den Weg der Siedler aus dem mittelalterlichen Rhein-Mosel-Gebiet in das heutige Siebenbürgen darstellt. Die erste Vorstellung des „Rattenfängers von Hameln nach Hermannstadt“ war so gut besucht, dass im Anschluss spontan eine zweite Vorstellung stattfand.
Dem sogenannten Andreanum, dem Goldenen Freibrief, der den Siebenbürger Sachsen vor nunmehr 800 Jahren verliehen wurde und in den folgenden Jahrhunderten maßgeblich zu deren freier und selbstbestimmter Verwaltung und Rechtsprechung führte, wurde in einer Festveranstaltung gedacht. Hierbei wurde die Ausstellung „Andreanum 800 Jahre. Recht und Verfassung der Siebenbürger Sachsen“, in der zahlreiche Schautafeln über die Urkunde selbst und deren Folgen für die Siebenbürger Sachsen detailliert Auskunft geben, gezeigt. Auf wetterfesten Tafeln konnte sich das interessierte Publikum während des gesamten Sachsentreffens auch vor der Stadtpfarrkirche über den Goldenen Freibrief informieren. Die Ausstellung wurde als Kooperation zwischen dem Deutschen Kulturforum östliches Europa, dem Department für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Regierung Rumäniens, dem Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) und dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. konzipiert und unter anderem vom Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen gefördert.
Auch die Entsendung einer bayerischen Blaskapelle, namentlich der „Pfalz-Neuburger-Musikanten“ unter der Leitung von Reinhard Reißner, trug zum grenzüberschreitenden Kulturaustausch und zur besseren Verständigung zwischen Siebenbürgen und Bayern bei. Reinhard Reißner, ein Vollblutmusiker mit langjähriger Bühnenerfahrung und siebenbürgischen Wurzeln, hat bereits zahlreiche Musikreisen nach Rumänien absolviert und interessierten Musikkollegen die Heimat seiner Vorfahren nähergebracht. Die Blaskapelle beteiligte sich während des Großen Sachsentreffens an Darbietungen an verschiedenen Schauplätzen in Hermannstadt. Anschließend reiste die Kapelle weiter und bestritt zahlreiche Auftritte in Nimesch, Hetzeldorf und anderen siebenbürgischen Dörfern.
Zudem wurden viele siebenbürgische Tanzgruppen und Blaskapellen aus den bayerischen Kreisgruppen nach Siebenbürgen zum Großen Sachsentreffen entsandt. Während der Volkstanzveranstaltung – einem der Hauptprogrammpunkte am Freitag auf dem Großen Ring – gaben sich die Tanzgruppen im Anschluss an die Eröffnung des Treffens von kurz nach 10.00 Uhr am Vormittag bis 19.00 Uhr abends die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Hier hatte das Publikum Gelegenheit, die wunderschönen Trachten und die komplizierten Tänze, die von den Gruppen mit viel Disziplin und Herzblut einstudiert wurden, zu bestaunen. An der Tanzveranstaltung beteiligte sich auch die Projekttanzgruppe Haferland, welche nur eine Woche später im Rahmen der Haferlandwoche noch zahlreiche weitere Auftritte zu absolvieren hatte.
Für Teilnehmer, Ehrengäste und das riesige aus allen Teilen Europas und der Welt angereiste Publikum war der kulturelle Höhepunkt des Festes jedoch der Trachtenumzug durch die Altstadt von Hermannstadt. Unter den Augen der prominenten Ehrengäste aus Politik, Gesellschaft und Verbandsleben zeigten mehr als 2000 Trachtenträger mit Stolz und Freude ihre Zugehörigkeit. Durch die Förderung des Kulturwerks war es vielen Gruppen aus Bayern erst möglich, an den Veranstaltungen des Sachsentreffens teilzunehmen und zum Gelingen des Festes beizutragen. Eine Abordnung von Politikern der Bayerischen Staatsregierung war auf dem Sachsentreffen zu Gast und konnte sich persönlich von der hohen Qualität der Beiträge sowie der vielgestaltig gezeigten Kultur überzeugen.
Fast alle Mitglieder des Vorstands sowie die Leiterin des Kulturwerks waren während des Großen Sachsentreffens in Hermannstadt zugegen. Sie nahmen aktiv an den Veranstaltungen teil und besuchten zahlreich die gebotenen Programmpunkte.
Kerstin Arz
(Beilage "Werken & Wirken", Siebenbürgische Zeitung, Folge 15 vom 23. September 2024, Seite 11)
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