27. Juli 2021

25. Auflage des Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festivals in Hermannstadt

Nach der Online-Austragung zahlreicher Wettbewerbe fand der ursprünglich für November 2020 geplante Carl-Filtsch-Wettbewerb tatsächlich live vom 10. bis 15. Juli in Hermannstadt statt. Nicht zuletzt ist es ein Verdienst von Bolizsár Csiky, dem Präsidenten der Jury, der mit allen Mitteln sein Möglichstes getan hat, um den Wettbewerb am Leben zu erhalten. „O tempora, o mores“ heißt die Ausstellung, die parallel zum Carl-Filtsch-Wettbewerb am 10. Juli im Foyer des Thalia Saales eröffnet wurde und Werke von Gert Fabritius zeigt. Sie kann bis Ende August besichtigt werden.
O tempora… Was für Zeiten, das trifft auch auf den diesjährigen Wettbewerb zu und auf die letzten anderthalb von Pandemie geprägten Jahre. Aufgrund der unsicheren Planung musste Henriette Gärtner, die das Rezital am Samstag bestreiten und auch Mitglied der Jury sein sollte, kurzfristig absagen. Für sie sprang Boldizsár Csiky mit Werken von Franz Liszt, Ernst von Dohnányi, George Enescu und Carl Filtsch ein. Bis im letzten Augenblick bestanden Zweifel, ob der Wettbewerb live stattfinden kann.
Die Preisträger des Carl-Filtsch-Wettbewerbs, ...
Die Preisträger des Carl-Filtsch-Wettbewerbs, Kategorie C (15-30 Jahre), von links: Maria-Isabela Voropciuc (1. Preis), Roman Fediurko (2. Preis), Antonio-Tiberiu Nagy (3. Preis). Fotos: Beatrice Ungar
Nach 25 Jahren bricht für den Wettbewerb eine neue Ära an. Die Organisation obliegt der Philharmonie mit dem neuen Direktor Cristian Lupeş und seinem Team; die neue Handschrift war deutlich anzumerken. Es lief alles wie am Schnürchen. Pünktlich wurde begonnen, Zeiten wurden eingehalten, Disziplin war oberstes Gebot, Parameter, die sich positiv auf das Geschehen des Wettbewerbes auswirkten. Auch die Jury hatte sich neu formiert. Sie setzte sich aus dem Präsidenten Boldizsár Csiky (Pianist und Hochschulprofessor am Konservatorium in Klausenburg), den Dirigenten Cristian Lupeş und Daniel Jinga, Emese Kalman, Klavierlehrerin aus Hermannstadt, Nadja Preisler vom Münchner Musikseminar, dem Pianisten Octavian Renea (Deutschland) und Adela Liculescu aus Österreich zusammen. Erwähnt werden sollte hierbei, dass Octavian Renea und Adela Liculescu die Seiten gewechselt haben. Ersterer erspielte einst einen zweiten Preis in der Kategorie B, während Adela Liculescu bis dato die einzige Teilnehmerin des Carl-Filtsch Wettbewerbes ist, die in jeder Kategorie den ersten Preis erspielt hat. Im Rahmen des Festivals bestritt sie am 12. Juli einen Soloabend mit Werken von Beethoven, Sonate Op. 2 Nr. 3 in C-Dur, Carl Filtsch, Mazurka und Adieu, das sie dem kürzlich verstorbenen Walter Krafft widmete, Franz Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2 und Igor Stravinskys Trois Mouvenments de Petrouchka, wofür sie mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde.

Zum diesjährigen Wettbewerb hatten sich 22 Teilnehmer aus Italien, Ungarn, der Ukraine und Rumänien eingeschrieben. In der Kategorie A (bis 11 Jahre) wurden folgende Preise vergeben: Interpretation:

1. Preis: Oleksandr Fediurko (Ukraine)
2. Preis: Tudor-Matei Jora (Rumänien)
3. Preis: Maria Ciupeiu (Rumänien), Maria-Anisia Iacsa (Rumänien)


Preis für Komposition: Tudor-Matei Jora

Am schwächsten präsentierten sich die Teilnehmer der Kategorie B (11-15 Jahre)
1. Preis: Maria Oltean (Rumänien)
2. Preis: wurde nicht vergeben
3. Preis: Maya-Alberta Kallo, Delia-Florina Marin
Belobigung: Patricia-Maria Rosca

Ein Novum gab es ab diesem Jahr in der Kategorie C (15-30 Jahre) zu verzeichnen. Nach der Interpretation der Pflichtstücke erreichten bis auf einem Kandidaten alle anderen die zweite Etappe. Drei Pianisten durften im Finale mit dem Orchester der Hermannstädter Staatsphilharmonie ein Klavierkonzert unter der Leitung von Daniel Jinga spielen. Nach kurzer Beratung kürte die Jury die Preisträger. Den dritten Preis erhielt Antonio-Tiberiu Nagy (Rumänien), der das 1. Klavierkonzert von Liszt spielte. Mit dem ersten Preis bedachte die Jury die 20-jährige Maria-Izabela Voropciuc aus Rumänien, die das Klavierkonzert in a-moll von Schumann spielte. Ihre empfindsame Interpretation überzeugte die Jury, wenn sie auch jedes Risiko vermied. Ihr Spiel war leicht und gefühlsbetont, wenn auch weniger virtuos und energiegeladen. Als „moralischer“ Sieger ging der 2. Preisträger hervor, der erst 16-jährige Roman Fediurko aus der Ukraine. Schon im Vorfeld überzeugte er mit einem sicheren und eleganten Spiel und einem grandios interpretierten Prokofiev (Sonate Nr. 7, Op. 83). In der dritten Etappe spielte er mit dem Orchester Beethovens 3. Klavierkonzert in C-moll, eine Herausforderung für einen 16-jährigen, die er mit Bravour gemeistert hat. Bewegend das Largo im zweiten Satz. Ein Interpret, der das Publikum überzeugt hat.
Der 16-jährige Pianist Roman Fediurko aus der ...
Der 16-jährige Pianist Roman Fediurko aus der Ukraine wartet auf seinen Einsatz.
Zwei Carl-Filtsch Sonderpreise wurden an Ioan Mihăilescu (Rumänien) und Rebecca-Antonia Cojan, ebenfalls Rumänien, vergeben.

Den Rotary Club Cibinium-Preis für die beste Hermannstädter Teilnehmerin überreichte Anamaria Gandila an Delia-Florina Marin.

Zum fünften Mal wurde der „Peter Szaunig“-Preis vergeben. Dagmar Dusil überreichte den Preis Oleksandr Fediurko aus der Ukraine. Er wird im Sinne Peter Szaunigs für außergewöhnliche Musikalität, Bescheidenheit und Demut vergeben und soll das Potenzial einer weiteren Entwicklung erkennen lassen. Peter Szaunig hätte seine Freude an dem kleinen Oleksandr Fediurko gehabt. Auch der Walter-Krafft-Preis wurde erstmalig vergeben, an Dominik Augustin Ilisz. Beim Galaabend der Preisträger spielten Oleksandr Fediurko und Tudor-Matei Jora aus der ersten Kategorie sowie Maria Oltean aus der 2. Kategorie.
Die Jury, von links: Cristian Lupes (Rumänien), ...
Die Jury, von links: Cristian Lupes (Rumänien), Adela Liculescu (Österreich), Boldizsár Csiky (Rumänien, Präsident der Jury), Ocatavian Renea (Deutschland), Nadja Preisler (Deutschland), Emese Kalman (Rumänien) und Daniel Jinga (Rumänien).
Bei der Eröffnung des Festivals am 10. Juli stellte Boldizsár Csiky fest, dass der Carl Filtsch Wettbewerb, der in diesem Jahr zum 25. Mal ausgetragen wurde, der langlebigste Wettbewerb seiner Art in Rumänien ist. Ein Dank ging auch an die Hermannstädter Staatsphilharmonie, die von Beginn an den Wettbewerb unterstützt und die einzige Staatsphilharmonie in Siebenbürgen ist, die einen internationalen Wettbewerb organisiert.

Finanzielle Unterstützung boten auch in diesem Jahr der Kreisrat Hermannstadt, der Stadtrat Hermannstadt, die Hermannstädter Philharmonie, das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt sowie ausländische Sponsoren, allen voran das Haus des Deutschen Ostens München, das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, die Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung, der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, das Münchener Musikseminar. Ihnen allen sei gedankt.

Dass vieles auch in pandemischen Zeiten möglich ist, hat die Austragung des Wettbewerbs einmal mehr bewiesen. Das von Peter Szaunig und Walter Krafft begonnene Werk liegt nun in den Händen von Boldiszár Csiky, der es mit großem Engagement weiterführt. Was optimiert werden muss, ist die Werbung und Bekanntmachung des Wettbewerbs und des Siebenbürgischen Wunderkindes Carl Filtsch in Rumänien und im Ausland. Nachdem im Jahre 2012 das Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival, seinen Platz auch im Katalog der Alink-Argerich Stiftung (Den Haag) gefunden hat, wo alle weltweit renommierten Klavierwettbewerbe eingetragen sind, scheiterte ein weiterer Eintrag aufgrund fehlender finanzieller Mittel im Jahr 2018, eine Tatsache, die sich auch an der rückläufigen Kandidatenzahl bemerkbar gemacht hat. Bitte helfen Sie mit, den Wettbewerb und das, was vor einem Vierteljahrhundert von Peter Szaunig und Walter Krafft mit viel Idealismus und Enthusiasmus aufgebaut wurde, am Leben zu erhalten. Die 26. Auflage wird vom 11.-17. Juli 2022 in Hermannstadt stattfinden.

Dagmar Dusil

Schlagwörter: Musik, Wettbewerb, Carl Filtsch, Hermannstadt, Jugend, Dagmar Dusil, Csiky, Krafft, Szaunig

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