22. April 2022

Informationsbroschüre über das Burzenland

Ende letzten Jahres veröffentlichte das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ in Zusammenarbeit mit der HOG-Regionalgruppe Burzenland eine Broschüre zum Burzenland. Unter der Federführung von Konrad Gündisch und der Mitarbeit von Herta Daniel und Hannelore Wagner bietet die 20-seitige Broschüre einen Überblick über diesen südöstlichen Landstrich Siebenbürgens.
Bereits das Bild des Umschlags von Martin Eichler gibt die Atmosphäre dieser Landschaft wieder: Wiesen mit weidender Schafherde, Hügel, Wälder und das Butschetsch-Gebirge im Hintergrund. Klar gegliedert bietet die erste Hälfte einen Überblick über Land und Leute sowie einen Abriss der Geschichte der Siebenbürger Sachsen. Ein Merkmal der Region ist das Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionen. Alle Orts- und Gebietsnamen werden in den drei hier gesprochenen Sprachen Deutsch, Rumänisch und Ungarisch genannt.

In kurzen Abschnitten werden die wesentlichen Ereignisse aus der wechselhaften Geschichte von der Ansiedlung bis heute skizziert. Dieser Überblick wird mit begleitenden Bildern zusätzlich veranschaulicht, von der Karte Rumäniens, über ein historisches Bild mit den unterschiedlichen Ethnien, einer Tanzgruppe bis zu Klaus Johannis, dem heutigen Staatspräsidenten Rumäniens sächsischer Herkunft.

Den Hauptteil dieses ersten Teils bilden die Ausführungen zum Burzenland mit den Besonderheiten seiner Lage und Geschichte. Die Lage im äußersten Südosten Siebenbürgens mit den Pässen über die Karpaten hat neben der Landwirtschaft besonders die Handelsbeziehungen zu den benachbarten Regionen gefördert und später Wirtschaft und Industrie begünstigt. Die wiederholten kriegerischen Einfälle im 13. und 15. Jahrhundert führten zum Bau von Kirchenburgen in den meisten Ortschaften des Burzenlandes. Heute sind sie das architektonische Kennzeichen Siebenbürgens. Das von dem Kronstädter Humanisten Johannes Honterus herausgegebene „Reformationsbüchlein“ führt zur Reformation der Siebenbürger Sachsen und stärkt deren religiöse und ethnische Eigenständigkeit bis heute. Trotz aller kriegerischen und politischen Bedrohungen sind die Burzenländer Sachsen maßgeblich am wirtschaftlichen Fortschritt der Region beteiligt.

Doch ihre Zahl hat in den letzten Jahrzehnten (so wie die aller Sachsen) erheblich abgenommen. Wie zu lesen ist, waren es 1930 im Kreis Kronstadt über 50.000 deutsche Einwohner, 1992 nach dem Sturz der Diktatur nur noch 10.000 und 2011 noch knapp 3.000.

Die den Text begleitenden Bilder zeigen neben einer Karte und historischen Dokumenten die Kirchenburg von Honigberg und die Zuckerfabrik in Brenndorf als zwei Kennzeichen des Burzenlandes. Die ausgewählten Literatur- und Online-Hinweise am Ende dieses Teils bieten Interessierten weitere Informationsmöglichkeiten.

Der zweite Teil der Broschüre hat alle 15 siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften des Burzenlandes zum Inhalt. In alphabetischer Reihenfolge werden die Orte mit ihrer Geschichte, ihren Besonderheiten und Persönlichkeiten vorgestellt. So das UNESCO-Weltkulturerbe der Tartlauer Kirchenburg, die besondere Flora auf dem Lempesch zwischen Honigberg und Petersberg, oder Rosenau als Geburtsort des kürzlich verstorbenen Schriftstellers Hans Bergel. Aber auch Gegenwärtiges wird hervorgehoben, so der kurz vor Vollendung stehende Flughafen von Kronstadt bei Weidenbach. Die verschiedenen Bilder von den Kirchenburgen, Fresken oder der Heuschrecke, die die Heuschreckenplage in Rothbach veranschaulicht, wecken das Interesse des Betrachters.
Rückseite des Buchumschlags der Burzenländer ...
Rückseite des Buchumschlags der Burzenländer Informationsbroschüre.
Auf der letzten Seite beschreibt Hannelore Wagner die auf der Tradition der Nachbarschaften beruhenden Heimatortsgemeinschaften in Deutschland mit ihren vielfältigen Tätigkeiten und ihrem Zusammenschluss zur Burzenländer Regionalgruppe. Die Wappen der 15 Orte und die Burzenländer Hymne „Mein Burzenland“ von Rudi Klusch beschließen die Broschüre. Das Bild auf der hinteren Umschlagseite zeigt die Trachtengruppe der HOG-Regionalgruppe beim Oktoberfestumzug 2017 in München und unterstreicht damit die Verbindung von Tradition und Integration in der neuen Heimat.

Die Herstellung der Broschüre wurde von den Burzenländer Heimatortsgemeinschaften finanziert und richtet sich vor allem an Gäste des Zimmers Burzenland auf Schloss Horneck, aber auch an alle Interessierten. Sie reiht sich in die bereits vorhandenen Broschüren „Weinland Siebenbürgen“, „Hermannstadt“, „Zeiden“, „Großau“ und „Broos“ sowie die in Planungen befindlichen zu Siebenbürgen, Heltau, Großpold, Kronstadt, Agnetheln und Michelsberg. Die Burzenländer Broschüre kann beim Siebenbürgischen Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e. V., E-Mail: info [ät] schloss-horneck.de; Telefon: (0 62 69) 4 27 56 19, bestellt werden. Spenden sind willkommen.

Alfred Schadt

Schlagwörter: Rezension, Burzenland, Siebenbürgisches Kulturzentrum, Schloss Horneck, Konrad Gündisch

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