2. Dezember 2025

Hegt wird gesangen!: „Der Birrebəm“ von Rudi Klusch

Johann Rudolf (genannt Rudi) Klusch wurde 1906 in Birthälm geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Weidenbach. Von klein auf spielte er begeistert auf der Mundharmonika. Ohne das Wissen seiner Eltern bestellte der achtjährige Rudi über einen Prospekt bei den Hohner-Werken in Deutschland eine Ziehharmonika. Mit viel Freude übte Rudi fleißig und stellte sein musikalisches Talent unter Beweis. Nach nur drei Monaten spielte er schon auf Hochzeiten auf. Den Ärger über das teure Instrument hatten seine Eltern bald vergessen. Im Alter von zwölf Jahren trat er in die Weidenbacher Blaskapelle ein; mit fünfzehn komponierte er die – später im ganzen Burzenland gespielte – „Rudipolka“; mit achtzehn wurde er Solist in der königlichen Militärkapelle in Sinaia, wo er schließlich mit zwanzig zum stellvertretenden Kapellmeister aufstieg. Ab 1950 leitete Rudi Klusch die Blaskapelle der Kronstädter Traktorenwerke (bis zu 64 Mann) und gründete im Burzenland viele Blaskapellen, darunter zehn Jugendkapellen.
Seine beiden ersten Lieder „Siebenbürgerlied“ (Siebenbürgerland, du einzig schönes Land!) und „Burzenland, Heimatland“ (Wie bist du schön, mein Burzenland) schrieb und vertonte er 1938. Es folgten weitere Lieder über Treue zur Heimat „Mein Burzenland“ (Burzenland, du wunderschönes Heimatland), über die Schönheit ihrer Landschaft „Da giëler Åålt“, „Der Birrebәm“ (Beim Birrebәm um Burzeflåss), „Ich möchte wandern, wie ein Zigeuner“, „Erlenwald“ (Vor meinem Heimatdörfchen), „Gruß an Zeiden“ (Du trautes Plätzchen am Burzenstrand) oder Gedanken zu den Jahreszeiten „Det Froigohr“ (Kutt, låt mәr әs hoitj fråjen), „Sommers Abschied“ (Welke Blätter fallen nieder), „Herbstlied“ (Es fallen müd vom Baume) und nicht zuletzt auch Liebeslieder „Laiwesklou“ (Me Kendj, ta houst mech vergejßen). Selbst humoristische Gedichte und Erzählungen („Dәr Kächel uch der Marz an Birthälm“, „Dәs Lenhard Noubәr sej Kauh“), „Minni“ (Kom as dәt Minni haimen kunn) und etliche Gelegenheitsgedichte in Weidenbacher Mundart flossen aus seiner Feder. Bei einem Abstecher ins Harbachtal entstand das Lied „Harbachtal“ (Im Harbachtal, ein Plätzchen klein).

Johann Rudolf (Rudi) Klusch, 1906-1966 ...
Johann Rudolf (Rudi) Klusch, 1906-1966
Die Blasmusik und auch das gesellige Singen in froher Runde auf Festen bestimmten Rudi Kluschs Leben. 1955 brachte er folgende Gedanken zu Papier: „Musik, du Mächtige, vor dir entschwindet / der reichsten Sprache ausdrucksvollstes Wort. / Warum auch sagen, was das Herz empfindet, / tönt doch in dir die ganze Seele fort. / Der Freundschaft Worte haben oft gelogen, / es täuscht die Liebe durch Beredsamkeit. / Musik allein hat nie ein Herz betrogen, / doch viele tausend Herzen hoch erfreut.“

1965 erlitt Rudi Klusch einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er ein Jahr später starb. Augenzeugen berichten, dass dem Sarg über 300 Personen folgten und die Blaskapelle der Traktorenwerke mit der Petersberger (die beiden größten seiner Blaskapellen mit knapp 100 Bläsern) die Trauermärsche spielten.

Klaus Oyntzen (Key) hat 2011 das Buch mit CD „Gesammelte Werke von Rudi Klusch“ im Eigenverlag herausgegeben, aus dem auch die Bilder entnommen wurden.
Petersberger Blaskapelle 1958 unter der Leitung ...
Petersberger Blaskapelle 1958 unter der Leitung von Rudi Klusch (zweite Reihe, Mitte).
Das Lied „Beim Birrebəm“ entfaltet seine Kraft nicht nur durch seine getragene Melodie, sondern auch durch seine tiefgründige metaphorische Bedeutung, die weit über die burzenländische Heimat hinausreicht. Das Bild des Birnbaums, Symbol für Vergänglichkeit und Erinnerung, berührt die Herzen vieler Landsleute. Dieser Baum bei Weidenbach, stark und widerstandsfähig gegen Sturm und Wind, war ein beliebter Treffpunkt für Pärchen. Doch auch er musste das unausweichliche Ende erleben, 1958 stand er nicht mehr. Rudi Kluschs Lied bewahrt die Erinnerung an den Birnbaum – einst Quelle des Trostes, der Beständigkeit und Identität.

Das Sonderzeichen „ә“ Schwa, ein auf dem Kopf stehendes e, steht für ein „Murmel-e“ in unbetonten Silben, z.B. in kommen, singen, … ist dem rumänischen „ǎ“ ähnlicher Laut.

Unter siebenbuerger.de/go/2L122 finden Sie zwei zeitgenössische private Ad-hoc-Aufnahmen des Liedes in Weidenbacher Mundart, vermutlich aus den 1960er Jahren, eine mit Hans Depner und eine zweistimmig gesungene von Ida und Hans Preidt.

Angelika Meltzer

Schlagwörter: Hegt wird gesangen, Lieder, Mundart

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