Das Gedicht „WƏirtertrunn“ von Herta Dietrich (SbZ Online vom 10. Januar 2026) endet mit dem Wort Motterspräach. Das ist Manierscher Mundart und jeder Kenner des Siebenbürgisch-Sächsischen versteht das Wort, auch wenn es in seiner eigenen Mundart vielleicht Mottersprooch, andernorts Motterspreoch etc. heißen sollte.
Diese verschiedenen (Orts-)Mundarten, die in Siebenbürgen gesprochen wurden bzw. gegenwärtig gesprochen werden, bilden zusammen den siebenbürgisch-sächsischen Dialekt, der ein westmittelfränkischer ist (ungefähr lokalisierbar im Rhein/Moselgebiet) und neben anderen Dialekten zur deutschen Sprachlandschaft gehört. Ich zitiere dazu Hanni Markel: „Wesentliche innere Kennzeichen weisen das Siebenbürgisch-Sächsische als einen zum Westmittelfränkischen gehörenden Dialekt der deutschen Sprache aus … Der Dialekt existiert … in lokalen Ausprägungen, den Mundarten, die ihrerseits mitunter nach Ortsteilen, ja sogar Gassen, nach sozialem Stand usw. Abweichungen voneinander aufweisen.“ (Sachsesch Wält. Mundart-Texte aus der Siebenbürgischen Zeitung. München 2010, S. 211) Ich versuche im Folgenden, das Gesagte durch eine optische Darstellung zu verdeutlichen, wobei das Zeichen = den eigenen Standort anzeigt:
Auf diese Weise können wir eine informative und sprachkundlich korrekte Antwort auf die Frage erteilen, die uns manchmal gestellt wird: „Was sprecht ihr eigentlich, wenn ihr untereinander redet?“. Allerdings geht die Übersicht ein wenig verloren, wenn wir im Dialekt reden: Weil es kein siebenbürgisch-sächsisches Wort für „Mundart“ gibt, bezeichnen wir fälschlicherweise auch die (Orts-)Mundart als Dialekt, so dass wir immer im Auge behalten müssen: Meinen wir das Siebenbürgisch-Sächsische oder eine (Orts-)Mundart, wenn wir von Dialekt sprechen. Der Grund für diese – man könnte sagen Notlösung – ist, dass sich die Übersetzung von „Mund“ als Mangd im Sprachgebrauch nicht durchsetzen konnte. Einen vereinzelten Beleg findet man noch in dem bekannten Lied „Det Motterhärz“ von Georg Meyndt, wo die vierte Strophe mit den Worten beginnt: „Mottermangd, ta sesser Quäll liëwenswëiser Lihren…“.
Eine Übersetzung von „Mundart“ als Mangduërt wäre unverständlich und auch das gebräuchliche „Mell“ hätte als Melluërt wohl kaum eine Chance. Eine sprachliche Ungenauigkeit aber möge man uns zugutehalten, dass im Herzen der Dialekt immer die Qualität einer Sprache behalten wird, nämlich dann, wenn wir sagen: as guuldij Mottersprooch.
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