19. Februar 2026
Neue Kinderecke auf Siebenbuerger.de: Sachsesch fir de Klenen uch Klensten
„Das ist doch ein Kinderspiel!“ heißt es, wenn eine Aufgabe sehr einfach und ohne Anstrengung zu bewältigen ist. Und ist es nicht tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes wundervoll, wie schnell und mühelos Kinder Neues lernen? Um aber beispielsweise Sprachen einfach so „aufzusaugen“, müssen Kinder regelmäßig davon umgeben sein. Dies ist im Fall der siebenbürgisch-sächsischen Mundarten im 21. Jahrhundert immer seltener gegeben, weshalb der Verband der Siebenbürger Sachsen in seiner neuen Kinderecke auf www.siebenbuerger.de Angebote speziell für Kinder macht.

Dank der technischen Fertigkeiten des Webmasters Gunther Krauss sowie einer Förderung des Kulturwerks der Siebenbürger Sachsen aus Mitteln des bayerischen Sozialministeriums konnte die Kinderecke innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden. Sie ist unter dem Link www.siebenbuerger.de/go/4L zu finden und enthält bisher Texte von zwei Mundartautoren: Doris Hutter und Michael (Misch) Kenst.
Doris Hutter wurde 1957 in Agnetheln geboren, wo sie in den 1980er Jahren auch sächsische Verse für ihre drei Kinder schrieb, mit denen diese spielen und die Welt entdecken sollten. Beim Mundartdichtertreffen in Urwegen 1982 las sie erstmals einige dieser Kinderverse vor, und da schnell klar wurde, dass es viel zu wenige sächsische Kinderverse gab, schlug Horst Schuller-Anger, Redakteur der Kronstädter Wochenzeitung Karpatenrundschau, ihr vor, ein eigenes Kinderbüchlein zu schreiben. Dies erschien 1988 im Verlag Ion Creangă (Bukarest) unter dem Titel Kängdervärschker vun Doris Hutter und wurde von Dana Schobel-Roman bebildert.
Während Gedichte wie Klener Fratzen und Kutt, mer spillen die Kinder durch Spiel und Familienleben begleiten – Kniefel, Kniefel, Kniefellooch, / luuf nor luuf, ech feen dich doch! / Ech bän schniël, mer bän ich klien, / lichter Fuss, ech hun dich schien! – bieten die Tiergedichte einen ausführlichen Rundgang durch Garten, Hof und Stall: Hoppla-hopp, do sprängt det Häsken. / Påk! – låt et åf senem Näsken. / Kit emest? Et spätzt de Ieren… / Näi? Dro kån et Kåmpest kieren. Dass daraus ein regelrechtes sächsisches Bestiarium geworden ist, lag an der Bedingung, die Schuller-Anger gestellt hatte: Hutter musste mindestens 70 Kinderverse liefern. Erst nachdem sie Schwein und Esel, Büffel und Kuh abgehandelt hatte, erfuhr sie, warum: Wegen der Mangelwirtschaft und der daraus resultierenden Papierknappheit mussten auch in Kinderbüchern die Seiten ganz dicht bedruckt werden.
Die Zeiten haben sich seither geändert, und das nicht nur in Bezug auf die Kosten von Papier. Damit die Gedichte auch noch zur Lebenswelt der Kinder heute passen, hat Doris Hutter einige ihrer Kängdervärschker 2026 ein wenig angepasst. Am nun eingebauten Handy wird beispielsweise sichtbar, dass wir nicht mehr im Jahr 1988 sind.
Was sich für die Kinder in und um Agnetheln seit den 1980ern noch geändert hat? Die Wusch fährt nicht mehr! Die Schmalspurbahn, die rund 100 Jahre lang Schäßburg mit Hermannstadt verbunden hat, ist für die meisten Kinder im Harbachtal keine tägliche Erscheinung mehr – auch wenn sie dank der „Freunde der Wusch“ (Asociaţia Prietenii Mocăniţei) auf einer Teilstrecke wieder ertüchtigt wird. Michael (Misch) Kenst hat im Jahr 2021 jedenfalls schon mal dafür gesorgt, dass die kleine Bahn mit der Dampflock in die Kinderzimmer Einzug hält: Sein zweisprachiges Buch Tschusch, tschusch, tschusch, ech bän de Wusch (Verlag Haus der Heimat Nürnberg) nimmt die Kinder in hochdeutschen sowie siebenbürgisch-sächsischen Reimen mit auf die Reise durch einen Teil Siebenbürgens.

Der Verband der Siebenbürger Sachsen lädt Jung und Alt, Groß und Klein ein, sich die Verse durchzulesen, anzuhören, auswendig zu lernen und gerne auch selbst ins Reimen zu kommen.
Dagmar Seck
Schlagwörter: Kinderecke, Siebenbuerger.de, Kinder, Kinderbuch, Mundart, Doris Hutter, Michael Kenst
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