2. Mai 2026
Lesung in Nürnberg aus dem Roman „Die Schuhe der Väter“ von Wolfgang Martin Roth
Der Titel lässt auf ein nicht nur in der Psychologie, sondern auch in der Literatur oft behandeltes Thema dieses Romans schließen, den Generationenkonflikt. Dieser bildet tatsächlich einen roten Faden des spannend geschriebenen und eloquent vorgetragenen literarischen Werkes mit unverhohlenen autobiografischen Bezügen. Der siebenbürgische Bezug, der offensichtlich die Vater-Sohn-Beziehung mit geprägt hat, dürfte wohl viele der zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Lesung ins Nürnberger Haus der Heimat gelockt haben. Denn der Vater des Autors, ein hochgeschätzter Kirchenhistoriker, stammt aus dem siebenbürgischen Nadesch, und diese Verbindung hat den in Göttingen geborenen Wolfgang Martin Roth ebenso belastet wie fasziniert. Die „psychologische Fährte“ dieses facettenreichen Romans hat Ingeborg Szöllösi in einer Rezension in dieser Zeitung bereits aufgenommen (Folge 8 vom 8. Mai 2023, S. 8).

Die ausgewählten Fragmente seines Romans trug Wolfgang Martin Roth mit der ihm eigenen, lebhaften Eloquenz vor, fesselte und faszinierte das Publikum, das an einigen Stellen lachte, an anderen gebannt, zuweilen leicht irritiert zuhörte. Etwa, wenn von der speziellen „siebenbürgische Härte“ die Rede war, erwachsen aus einem „wahnsinnigen Behauptungsdruck als Deutsche“ als Minderheit und angesichts der Bedrohungen durch die Osmanen.

Die lebhafte Diskussion moderierte Michael Markel souverän. Er leitete sie mit einigen bohrenden Nachfragen ein, die wie eine Radiografie des Romans und seines Autors wirkten, und Roth zu Ausrufen motivierten, etwa „Was Sie da alles herausgefunden haben, woran ich beim Schreiben gar nicht gedacht habe!“ Er betonte, bewusst keine „Opferpose“ eingenommen, Schwarz-Weiß-Bilder vermieden und auch die guten Seiten des Vaters gewürdigt zu haben: Aus seiner Auseinandersetzung scheine stets auch die ausgeprägte Vaterliebe durch.

Nach mehr als zwei Stunden wurde die Veranstaltung beendet, die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer tief berührt hat. Persönlich haben mich zwei Zitate aus dem Roman nachdenklich gestimmt. An dessen Anfang steht der Satz „Es ist vorbei“, an seinem Ende „Meng Siweberjer Blat äs ze Wasser worden“. Eine Finis-Saxoniae-Stimmung kann hineininterpretiert werden.
Konrad Gündisch
Schlagwörter: Literatur, Lesung, Roth, Nürnberg
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