27. Mai 2026

Konzert des Liedermachers Hans Seiwerth in Karlsruhe

Es ist still im Saal. Das Publikum lauscht dem Klavierspiel von Angela Seiwerth gespannt. Nach dem verdienten Eröffnungsapplaus erläutert Hans Seiwerth den Titel „La Folia“ (Wahnsinn, Verrücktheit) von Alessandro Scarlatini und schiebt gleich ein Zitat von Erasmus von Rotterdam hinterher: „Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit“. Von Glück und ein wenig Verrücktheit sollte das Publikum am Abend noch einige musikalische Kostproben zu hören bekommen.
Hans und Angela Seiwerth bei ihrem Konzert in ...
Hans und Angela Seiwerth bei ihrem Konzert in Karlsruhe. Foto: Cristian Gohn
Zu Beginn des Kulturabends am 18. April in der Markusgemeinde in Karlsruhe begrüßt der Vorsitzende der Kreisgruppe, Werner Gohn-Kreuz, ein interessiertes Publikum und zahlreche Musikliebhaber, darunter Manfred Schmidt, Vorsitzender der Kreisgruppe Rastatt, mit Gattin und andere Besucher aus benachbarten Kreisgruppen. Hans Seiwerth komponierte bereits als Abiturient und Student eigene Lieder und trat 1973 in der deutschen Sendung des rumänischen Fernsehens auf. Später hatte er neben seinen solistischen Darbietungen gemeinsame Auftritte mit gleichgesinnten Kommilitonen.

Nun steht das Murmeltier auf dem Klavier und dreht Kreise, mal schnell mal langsam. Hans Seiwerth singt dazu das Kunstlied „Marmotte“, ein Lied des Savoyarden Knaben mit einem Text von Johann Wolfgang von Goethe und Musik von Ludwig van Beethoven. Ähnlichkeiten mit diesem Savoyer Flüchtlingskind und Seiwerth als ein aus dem Heimatland Vertriebener und nun reisenden Sänger lassen sich erahnen.

Im Verlauf des Abends wird der studierte Geschichtslehrer Seiwerth immer sichtbarer. Sein Lied „Der Kuckuck und sein Kakadu“, „Bibesco“ mit Text von Joseph Viktor von Scheffel und „Papst und Sultan“ (anonym) zeugen von jahrhundertalter Geschichte in Siebenbürgen, Rumänien, dem Balkan und Europa. Mit Witz und etwas Ironie erzählt Seiwerth wie oft fake news im Laufe der Geschichte entstanden und verbreitet wurden.

In seinem „Heimatlied (für hier und dort)“ werden uns viele vertraute Begriffe in Erinnerung gebracht: gelebte Vielfalt, Honterus, Raketenforscher Oberth, Sieben-Burgen, …Das Lied endet mit dem bekannten Zitat in Anlehnung an Gottfried von Herder: „Wie fern, wie nah – wo ist der Ort, von dem man hört, von dem man liest, der Heimat ist?“ „Du spürst(!)…, wo du mit keinem Wort dich zu erklären brauchst!“. Gedanken an die alte Heimat, mal ironisch, mal wehmütig, werden auch im Lied „Dorule / Das Glück war niemals mein“ zum Ausdruck gebracht.

Einige Lieder hat Angela Seiwerth mit ihrer Stimme begleitet. Sie singt im Duett in der „Kleinen Elegie“, im „Bienchenlied“, in „Siwwe Krueden“ und verleiht die Kinderstimme in „Hänschens Welterkundung“. Nach 80 Minuten endet das Konzert mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Af deser Ierd“ und langanhaltendem Applaus. Auf Zuruf und Bitten des Publikums gibt es eine Zugabe. Angela und Hans singen das Volkslied „Et saß e klie wäld Vijjeltchen“. Alle sind begeistert und glücklich.

Der zweite Teil des Abends verläuft in bester Stimmung. Es ist die Gelegenheit, sich mit den Künstlern auszutauschen. Dazu tragen auch die von Hans Seiwerth gespendeten CDs bei (die CD wurde in dieser Zeitung, Folge 5 vom 31. März 2021, S. 8, und in der SbZ Online vom 30. März 2021 vorgestellt).

Die üppigen Häppchen mit evangelischem Speck, Zacusca und Griebenschmalz, gespendet von den Vorständen, sowie der Heltauer Hanklich von Sigrid Sill bereicherten diesen glücklichen und etwas „verrückten“ Abend.

Werner Gohn-Kreuz

Schlagwörter: Konzert, Karlsruhe, Hans Seiwerth

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