15. Juni 2026

Siebenbürgisches Erbe bewahren

Zum Vortrag „Unsere kulturelle Zukunft sichern. Die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek stellt sich vor“ von Dr. Ralf Thomas Göllner und Dr. Stefan Măzgăreanu kamen am frühen Sonntagnachmittag leider nur wenige Besucher – vielleicht, weil am Pfingstsonntag beim Heimattag eher die Begegnungen mit Freunden und Bekannten im Vordergrund stehen, oder auch, weil viele den Ausführungen bereits am Samstagnachmittag gefolgt waren, als der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Nils. H. Măzgăreanu, und Dr. Harald Roth, Vorsitzender des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL), sie vortrugen. Informativ und dabei kurzweilig war die Präsentation im katholischen Pfarrzentrum auf jeden Fall – und Schutz vor der sengenden Sonne bot sie auch.
Die Grafik aus der Präsentation, die beim ...
Die Grafik aus der Präsentation, die beim Heimattag gezeigt wurde, veranschaulicht die Träger- und Förderstruktur des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek/Archiv auf Schloss Horneck in Gundelsheim.
Stefan Măzgăreanu, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrats, stellte das Siebenbürgen-Institut mit Siebenbürgischer Bibliothek und Archiv vor, für dessen langfristige Sicherung die Stiftung einst gegründet wurde und dessen Träger der Kulturrat ist. Das An-Institut der Universität Heidelberg ist die zentrale Forschungs- und Dokumentationsstelle für die Geschichte und Kultur Siebenbürgens, vor allem der Siebenbürger Sachsen und ihres Zusammenlebens mit anderen Ethnien und konfessionellen Gruppen; zu seinen Aufgaben gehören die Dokumentation der Geschichte und kultureller Bezüge, die Sicherung dokumentarischer Belege in Bibliothek und Archiv sowie deren Erschließung, die Betreuung von Forschungen zur Geschichte der Deutschen Siebenbürgens im Kontext ihrer Nachbarkulturen, die Publikation und Verbreitung von Forschungsergebnissen sowie Tagungen und Lehrveranstaltungen zu einschlägigen Themen. Die Siebenbürgische Bibliothek mit Archiv ist die größte und wichtigste Einrichtung dieser Art im westlichen Europa. Das Archiv beherbergt unter anderem zahlreiche Nachlässe siebenbürgisch-sächsischer Persönlichkeiten, ein Persönlichkeiten-, Zeitungs- und Fotoarchiv, zudem Sammlungen zum Beispiel historischer Stadtpläne, historischer Wertpapiere, Veduten, Landkarten, Plakate und Flugblätter, Urkunden und Drucke sowie eine umfangreiche Philateliesammlung. Zur Sicherung der Bestände in Bibliothek und Archiv gehören deren Pflege, Erweiterung und Erschließung, die konservatorische Behandlung, Wiederherstellung und Sicherung von Drucken und der (Rettungs-)Ankauf von Archivalien und schriftlichem Kulturgut aller Art. Măzgăreanu nannte hier das Beispiel des Nachbarschaftsbuchs Neustadt von 1785, das mit Hilfe des Fördervereins der Siebenbürgischen Bibliothek und der HOG Neustadt 2021 von einem privaten Sammler gekauft werden konnte und nun als wertvolles Zeitdokument (auch digital) zur Verfügung steht.

Ralf Thomas Göllner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, gab einen Einblick in deren Geschichte und Aufgaben. 1999 von Dr. Roswitha und Martin Guist gegründet, um mit den Erlösen aus dem Kapitalstock die langfristige Sicherung des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek und Archiv zu gewährleisten, ist sie eine gemeinnützige Förderstiftung, deren Mittel ausschließlich zur Förderung dieses Instituts und der Wissenschaft verwendet werden. Maßnahmen der personellen und sachlichen Sicherung von Bibliothek und Archiv haben dabei Vorrang. Heute sind die Erlöse der Stiftung mit Sitz auf Schloss Horneck in Gundelsheim die wichtigste Einnahmequelle, da das Siebenbürgen-Institut eine nur geringe öffentliche Förderung erfährt. Sie steht allerdings vor Herausforderungen wie einer schrumpfenden siebenbürgischen Gemeinschaft, nachlassender Unterstützung und steigender Kosten, denen es durch Kapitalerhalt, Kapitalaufbau und Kapitalvermehrung zu begegnen gilt. Welche Möglichkeiten es gibt, die Arbeit der Stiftung zu unterstützen, skizzierte Göllner kurz: spontane oder regelmäßige Überweisungen, Daueraufträge, Spendenaufrufe anlässlich besonderer Ereignisse im privaten wie familiären Umfeld (Geburtstag, Treffen, Trauerfälle etc.), Schenkungen (Barschaften, Immobilien, Wertpapiere), Verträge über zinslose Darlehen sowie Testamente, Vermächtnisse und Legate bieten sich an, um sich am Aufbau des Kapitalstocks zu beteiligen. Jede Spende zählt, um gemeinsam die finanzielle Basis für ein Gedächtnis der siebenbürgischen Geschichte und Kultur zu sichern. Weitere Infos sind online auf www.stiftung-siebenbuergische-bibliothek.de zu finden.

Interessierte Nachfragen kamen im Anschluss aus dem Publikum – leider war wegen der nachfolgenden Veranstaltung keine Zeit für eine breite Diskussion, aber beide Referenten standen für Einzelgespräche nach dem Vortrag zur Verfügung.

Doris Roth

Schlagwörter: Heimattag 2026, Vortrag, Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung

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