27. Dezember 2004

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Erste Bibliographie einer siebenbürgisch-sächsischen Ortschaft

Zeiden ist nicht zufällig die erste Ortschaft Siebenbürgens, die eine Bibliographie herausgegeben hat. Der wichtigste Vorläufer solcher bibliographischer Bestrebungen war Hermann Hienz mit seiner „Bücherkunde zur Volks- und Heimatforschung der Siebenbürger Sachsen“, erschienen in zwei Auflagen, 1940 und 1960.
Die Zeidner haben in fünf Jahrzehnten in ihrem Heimatblatt, dem „Zeidner Gruß“, eine Fülle von Artikeln veröffentlicht, von denen es schon ein Register für die Jahre 1954 bis 1979 gibt. Diese Daten haben die Zeidner für ihre Bibliographie ebenso genutzt wie die historisch wichtigen neun Bände der „Zeidner Denkwürdigkeiten“, A. F. 1877-1937 und N. F. 1983-2004. Im Anhang des Bandes werden die zahlreichen Quellen angegeben. Hier hätten auch die Matrikel der Gemeinde (Geburts-, Tauf- und Totenmatrikel) genannt werden können.




Die Zeidner Ortsgeschichte wird gleich von mehreren Personen erforscht, die sich auf unterschiedliche Bereiche wie Familienforschung (Genealogie), Hofgeschichten, Persönlichkeiten, Nachlässe von Autoren, Theater, Mundart u.a. konzentrieren. Die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Bestrebungen wurden nun in einer Bibliographie zusammengefasst. Diese Vorgehensweise der Zeidner könnte auch anderen Ortschaften als Vorbild dienen. Für Siebenbürgen stehen zahlreiche Hilfsmaterialien zur Verfügung, die für den Forscher unentbehrlich sind. Zu nennen ist beispielsweise der Band E. Dunăreanu / M. Avram: „Presa sibiană în limba germană (1778-1970) / Hermannstädter Presse in deutscher Sprache“. Leider fehlt für Kronstadt ein solcher Band.

Unter den 15 Sachbereichen der Zeidner Bibliographie – eigentlich sind es 46 – fehlt der Sachbegriff Statistik, obwohl Daten z.B. von den Volkszählungen genannt werden. Im Anhang hätte man auch die ausgewerteten Periodika auflisten können. 36 Titel sind in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache erschienen und liefern etwa 200 Angaben. Die übrigen Einträge beruhen auf Sammelbänden, kleineren Schriften und literarischen Werken. Das sind für eine Stadt mittlerer Größe erstaunlich zahlreiche Titel. Das Zeidner Heimatbuch von Georg Gotthelf Zell: „Zeiden, Eine Stadt im Burzenland“ von 1994 mit 416 Seiten hätte bibliographisch besser ausgewertet werden können.

Die Zeidner Bibliographie bietet eine Fülle von Material: 874 Angaben. Balduin Herter arbeitete jahrelang in der Siebenbürgischen Bibliothek in Gundelsheim am Neckar und konnte selbst auf ausgefallene Periodika zurückgreifen. Seine Hingabe für die Bibliotheksarbeit, gepaart mit einer erstaunlichen Heimatverbundenheit, ist in der Biblographie deutlich erkennbar. Die Anordnung der Titel entspricht den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen.

Beim Versuch, einige Eckdaten zur Gemeinde zu finden, stieß ich auf Lücken. Wo finde ich die erste Nennung der Gemeinde? Hier hätte die Auswertung des Urkundenbuches geholfen. Zur Statistik von Zeiden hätte die Arbeit von Michael Kroner: „Geschichte der Siebenbürger Sachsen in Daten“, Nürnberg, 2002, Seite 63, ausgewertet werden sollen. Auch andere statistische Quellen sind übersehen worden, so Traian Rotaru u.a.: „Recensământul/Volkszählung din 1900“, Transilvania, Editura Staff, 1999, S. 194-197. Ebenso Traian Rotaru u.a.: „Recensământul/Volkszählung din 1941“, Transilvania, Cluj, 2002, Seite 55. Ortskundliche Daten liefern auch Ernst Wagners „Historisch-Statistisches Ortsnamenbuch für Siebenbürgen“ von 1977 und mehrere Lexika wie Denes Wildners „Ortslexikon der ehemaligen Gebiete des historischen Ungarns“, zwei Bände, 1996, und Ignaz Lenk von Treuenfels’ Buch „Siebenbürgens geographisches Lexikon“, Wien, 1839, vier Bände.

Aufgrund der Zeidner Bibliographie ließen sich leicht 40 bis 50 wichtige Aufsätze auswählen und als „Lesebuch Zeiden“ herausgeben. Die meisten Arbeiten sind verstreut erschienen und somit dem heutigen Leser kaum zugänglich. Deshalb könnte man in einem Lesebuch die wichtigsten Daten und Fakten der jungen und älteren Generation zugänglich machen. Ein lohnenswertes Vorhaben wäre auch eine Neuaufgabe der Zeidner Bibliographie, die beispielsweise aus zwei Teilen bestehen könnte. 1. die um die Beiträge im „Zeidner Gruß“ ergänzte Fassung und 2. Sammelwerke/Lexika, in denen Zeiden behandelt oder zitiert wird. Dabei sollten die Sachbereiche weiter aufgefächert werden.

Die Zeidner Bibliographie ist eine bemerkenswerte lexikographische Leistung und zugleich eine bedeutende Vorarbeit für das „Lexikon siebenbürgischer Ortschaften“, an welchem gearbeitet wird und das von der HOG publiziert werden soll.

Dr. Helmut Kelp

„Bibliographie von Zeiden (Codlea – Feketehalom) und der Zeidner Nachbarschaft“. Bearbeitet von Balduin Herter und Helmuth Mieskes. (=Zeidner Denkwürdigkeiten. Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde von Zeiden, Band 10, Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg), Gundelsheim am Neckar, 2004, 78 Seiten, 15 Euro, ISBN 3-929848-39-2.

Schlagwörter: Bibliographie, Zeiden

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