16. Juni 2007

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Hoch geschätzter General: Arthur Arz von Straussenburg

Generaloberst Freiherr Arthur Arz von Straussenburg (1857-1935) war neben General Michael Freiherr von Melas, General Ludwig Fabini und General Arthur Phleps der höchst chargierte und höchst dekorierte Offizier siebenbürgisch-sächsischer Abstammung. Er kämpfte im 1. Weltkrieg zuerst als Divisions- und Korpskommandant erfolgreich an der Ostfront, dann als Armeekommandant in Siebenbürgen und wurde schließlich in den beiden letzten Kriegsjahren Generalstabschef der k.u.k. Armee.
Vor 150 Jahren, am 16. Juni 1857, in Hermannstadt als Sohn des Karl Arz von Straussenburg und dessen Gattin Louise Pfaffenhuber, Postmeistertochter zu Broos, geboren, entschied er sich zuerst für die juristische Laufbahn und studierte an der Hermannstädter Rechtsakademie. Doch wechselte er bald zur militärischen Karriere über und nach Besuch der Kriegsschule 1885-1887 durchschritt er rasch alle Stufen der militärischen Dienstgrade. In den Generalstab der k.u.k. Armee berufen, wurde von Arz nach seiner Beförderung zum Generalmajor (1908) Sektionschef im Kriegsministerium. Als Generalstabschef Conrad von Hötzendorf entlassen wurde, erhielt von Arz diesen hohen Posten (März 1917), den er bis zum Kriegsende bekleidete. Im letzten Kriegsjahr erfolgte seine Beförderung zum Generaloberst. Nach dem verlorenen Krieg musste von Arz einen Prozess durchstehen, wurde jedoch nicht verurteilt. Ihm machte man den Vorwurf, nach dem Waffenstillstand den Feuereinstellungsbefehl an der italienischen Front zu früh gegeben zu haben, so dass noch viele österreichische Soldaten in italienische Gefangenschaft gerieten. Von Arz konnte als Rentner nicht in seine Heimatstadt, inzwischen zu Rumänien gehörig, zurückkehren, da ihm der rumänische Staat keine Pension bewilligte. So ließ er sich in Budapest nieder, wo er dann bis zu seinem Tode am 11. Juli 1935 lebte.

Generaloberst Arz von Straussenburg. ...Generaloberst Arz von Straussenburg. Arthur von Arz war seit 1903 mit Stefanie Thomka von Tomkaháza verheiratet und hatte eine Tochter, Stefanie Verehel Ried. Damit erlosch dieser Zweig der Familie.

Alle militärischen Autoritäten der Mittelmächte haben von Arz in ihren Memoiren, Briefen und Aufzeichnungen hoch geschätzt: Conrad von Hötzendorf, von Hindenburg, Ludendorf, Mackensen u.a. So charakterisiert ihn z.B. C. von Hötzendorf („Private Aufzeichnungen“) mit folgenden Worten: „Arz, geistig hoch begabt, von klarem Blick, leicht beschwingten Sinnes, lebensfroh, heiter und temperamentvoll, dem Schicksal als Fatalist gegenüberstehend ... Eine frohe, unerschrockene Soldatennatur, war er bei der Truppe beliebt.“

In der Straussenburgischen Familie wird eine Anekdote erzählt, derzufolge Arthur Arz von Straussenburg und mit ihm die ganze Sippe fast Besitzer der Törzburg geworden wäre. Das kam so: Als Kaiser Karl im Weltkrieg Siebenbürgen besuchte, wurde er von Kronstadt auch zur Törzburg begleitet. Die Kronstädter, die Schwierigkeiten mit der Finanzierung des Erhaltes der Burg hatten, nahmen die Gelegenheit wahr, diese loszuwerden und machten sie dem Kaiser zum Geschenk. Dieser wendete sich an Generaloberst von Arz, der sich in seiner Suite befand, mit den Worten: „Ich kann sie nicht brauchen, was soll ich mit ihr anfangen? Wollen Sie sie haben? Ich schenke sie Ihnen.“ Der Ausgang des Weltkrieges machte dann beide Schenkungen ungültig.

Mit seinen memorialistischen historischen Werken „Zur Geschichte des Großen Krieges 1914-1918“, Wien, Leipzig, München, 1924, und „Kampf und Sturz der Kaiserreiche“, Wien, Leipzig, 1935, schrieb von Arz Beiträge zu den Geschichtsquellen des 1. Weltkrieges und seiner Folgen.

Generaloberst Arz von Straussenburg gehört zu den markanten Persönlichkeiten der k.u.k. Ära und des 1. Weltkrieges – er ist als berühmter Siebenbürger Sachsen in die Geschichte eingegangen.

Walter Roth

Schlagwörter: Persönlichkeiten, Militärgeschichte

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