16. August 2018

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Storchzählung im Kreis Hermannstadt: Auf Schwingen in die Freiheit

Friedrich Philippi, 75, Landeskirchenkurator und früherer Geographielehrer, hat die Storchzählung im Kreis Hermannstadt vor 30 Jahren im Jahr 1988 von seinem Schwiegervater Prof. Werner Klemm übernommen. Die Reproduktionsrate ist in diesen Jahren leicht angestiegen, so dass der Arterhalt nicht in Frage gestellt ist. Friedrich Philippi berichtet über die Storchzählung 2018.
Wieder ist es so weit, dass die in diesem Frühjahr ausgebrüteten Jungstörche aus ihren Nestern ausfliegen können. Um mir bei der Storchzählung zu helfen, war auch in diesem Jahr wertvolle Hilfe angereist. Der Storchenfachmann Dänemarks Hans Skov kam mit zwei Freunden für die erste Woche der Zählung, es folgten Anselm und Matthias Ewert mit Anhang aus Brandenburg für die zweite Woche und nicht zu vergessen unser Enkelsohn Andreas (6) aus Reutlingen, der mich nun zum zweiten Mal mit großer Begeisterung bei der Zählung begleitete.

Es war wieder eine erfolgreiche Zählung mit schönen Erlebnissen, auf der wir 106 Ortschaften im Kreis Hermannstadt aufsuchten und rund 1.200 km zurücklegten. Wobei wir froh waren, dass von diesen die meisten inzwischen asphaltiert sind! Storchenpflegestation Großau: drei künstliche ...Storchenpflegestation Großau: drei künstliche Nestuntersätze mit je vier Jungstörchen und drei Storchenfreunde: Anselm Ewert, Friedrich Philippi und Dr. Miruna Gritu (von links nach rechts). Foto: Matthias Ewert Dass wir dabei die ganze schöne Landschaft unserer Heimat erleben und auch andere Beobachtungen machen konnten, gehört mit zum Reiz dieser Storchzählung. Regelmäßig sehen wir dabei auch andere Tiere, hier einen Fuchs, dort ein Reh, da fliegt ein Wiedehopf auf der Schotterstraße vor uns auf, dort kreist ein Schreiadler. Aber im Turm von Kirchberg begegneten wir gleich einer ganzen Fledermauskolonie. Wir konnten insgesamt 184 besetzte Horste zählen, von denen in 141 Horsten auch Jungstörche großgezogen wurden (77%), aber relativ viele Horstpaare (43) in diesem Jahr keine Jungen hatten. Dafür zählten wir aber bei den erfolgreichen Paaren erfreulich viele Jungstörche (507). Die wichtigste Kennzahl ist aber die durchschnittliche Jungenzahl bei erfolgreichen Paaren. Und die war seit Beginn unserer Zählungen 1988 noch nie so groß wie heuer: 3,59 Jungstörche! Das heißt, dass es in unserem Zählungsgebiet, wenn auch nicht überall, noch genügend Futter für die Störche gibt! Die guten Ergebnisse bei der Jungenzahl ergeben sich aus den vielen Nestern mit fünf Jungstörchen (25) beziehungsweise mit vier Jungstörchen (insgesamt 52). Allein in Großau gab es sieben Nester mit fünf Jungen und fünf Nester mit vier Jungen! Hier zählten wir vom Kirchturm 36 besetzte Horste (bisheriger Rekord!) mit 93 Jungstörchen (wie 2013). Das ist auch den vielen da angebrachten Nisthilfen und der Storchenpflegestation von Miruna Gritu zu verdanken! Der jüngste Storchenzähler Andreas Zeck (6, ...Der jüngste Storchenzähler Andreas Zeck (6, Reutlingen). Foto: Friedrich Philippi Immer wieder finden wir auch neue Nester. Diese sind alle auf Masten, so dass die Tendenz des steigenden Prozentsatzes der Masthorste sich fortsetzt (jetzt schon fast 73%). In ihrem Hof in Großau hat Frau Gritu drei künstliche Nester in Augenhöhe aufgestellt und pflegt darin jeweils vier Jungstörche, die ihr aus dem ganzen Land zunehmend zugeschickt werden. Diese unverletzten Jungen werden bald flügge sein und können dann direkt aus ihrem Nest in die Freiheit losfliegen. Viele andere sind aber verletzt, werden gepflegt und nach ihrer erhofften Heilung wieder freigelassen.

Und das war bei der diesjährigen Storchzählung das größte Erlebnis: Wir durften dabei sein, wie 17 von Frau Gritu gesundgepflegte und inzwischen beringte Störche in großen Kartonschachteln im Privatauto auf eine frisch gemähte Wiese bei Orlat gebracht wurden. Wie haben sich wohl diese Störche gefreut, als die Kartons geöffnet wurden und sie aus eigener Kraft daraus heraus und in die Freiheit fliegen konnten. Sie haben sofort damit begonnen, auf der Heuwiese nach Insekten zu suchen, und sind später allein oder in der Gruppe losgeflogen. Wir freuten uns mit den der Natur wiedergegebenen Störchen und mit Frau Gritu am sichtbaren Erfolg ihres Einsatzes für das Leben!

Friedrich Philippi

Schlagwörter: Storchzählung, Hermannstadt

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