21. Januar 2021

Renovierungsprojekte beginnen: Kirchenburgen in Zeiden und Wolkendorf

Für zwei große Renovierungsprojekte im Burzenland fiel Mitte Dezember 2020 der Startschuss. Die beiden Projekte an den Kirchenburgen in Zeiden und Wolkendorf erhalten EU-Förderung über das Regionale Operationelle Programm 2014-2020 des rumänischen Ministeriums für regionale Entwicklung. Ziel des Förderprogramms ist es, Baudenkmäler besser als touristische Sehenswürdigkeiten zu nutzen. Beide Kirchenburgen sind das jeweils bedeutendste historische Baudenkmal und damit Wahrzeichen in ihren Orten.
Evangelische Kirche Wolkendorf im November 2019. ...
Evangelische Kirche Wolkendorf im November 2019. Foto: Rainer Lehni
Sechs lange Jahre dauerte das Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren für die umfangreichen Renovierungsarbeiten, die an der Kirchenburg in Zeiden nun beginnen. Der erste Antrag der Ev. Kirchengemeinde Zeiden wurde von der Behörde Entwicklungsregion Zentrum (ADR Centru) in Karlsburg abgelehnt. Nach dem Einspruch der Kirchengemeinde wurde schließlich eine höhere Summe bewilligt. Am 22. Dezember 2017 wurde der Vertrag zwischen der Karlsburger Behörde und der Kirchengemeinde abgeschlossen, es folgte die zeitaufwendige Beschaffung weiterer Genehmigungen und erst im vierten Anlauf des Ausschreibungsverfahrens konnte eine geeignete Baufirma aus Szeklerkreuz (Székelykeresztúr, Cristuru Secuiesc) im Kreis Harghita gefunden werden.

Für das wahrscheinlich größte Renovierungsprojekt an der Zeidner Kirchenburg in den letzten 100 Jahren stehen nun umgerechnet rund 710000 Euro bereit. Der Eigenanteil der Kirchengemeinde Zeiden wird von dieser gemeinsam mit mehreren Partnern aus dem In- und Ausland aufgebracht. In erster Linie ist hier die Zeidner Nachbarschaft in Deutschland zu nennen, die das Projekt von Beginn an gutgeheißen und unterstützt hat. Gemeinsam mit der Stiftung Zeiden sammelt die Zeidner Nachbarschaft weiterhin notwendige Spenden für den Eigenanteil. Eine im Dezember 2020 gestartete Spendenaktion der Kirchengemeinde, Nachbarschaft und Stiftung ist erfolgreich angelaufen. Einen größeren Beitrag hat schon vor zwei Jahren der Kirchenkreis Oberes Havelland (Brandenburg) geleistet, zu dessen Rumänienausschuss die Zeidner Kirchengemeinde seit vielen Jahren eine gute Partnerschaft pflegt. Die Stadt Zeiden finanziert die nicht förderfähigen Kosten, die rund um das Projekt entstehen, mit.

Das Renovierungsprojekt umfasst eine Reihe von Arbeiten, beginnend mit der umfassenden Sanierung des Glockenturms, Arbeiten an Kirche und Ringmauern, Ersetzen der veralteten elektrischen Installationen und des Blitzableiters bis hin zur Neugestaltung des Kirchhofs.
Evangelische Kirche in der Kirchenburg Zeiden am ...
Evangelische Kirche in der Kirchenburg Zeiden am 10. Januar 2021. Foto: Andreas Hartig
Am 15. Dezember 2020, einem historischen Tag für Zeiden, führte die beauftragte Baufirma die ersten Arbeiten durch. Am selben Tag standen bei einer Pressekonferenz im Gemeinderaum der Kirchenburg der Zeidner Pfarrer Andreas Hartig, Projektant Johannes Bertleff, einer der begleitenden Architekten, Elena Curcean von der das Projekt begleitenden Consultingfirma sowie Zsolt Demeter als Vertreter des Bauunternehmens Rede und Antwort. Die Kronstädter Presse und die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) berichteten ausführlich darüber, ebenso die Hauptnachrichten des rumänischen öffentlichen Fernsehens TVR. Im Rahmen der Pressekonferenz unterstrich Pfarrer Andreas Hartig im Hinblick auf den finanziellen Aspekt des Projektes der rund 390 Seelen zählenden Kirchengemeinde Zeiden: „Jede Unterstützung ist wichtig. Ich danke bereits jetzt allen, die sich einsetzen und uns unterstützen wollen. Wir sind eng verbunden mit unseren ausgewanderten Landsleuten, die auch ihren Beitrag leisten wollen. Ich hoffe, wir sind auf einem gemeinsamen Weg, und das bekräftigt meine Überzeugung, dass dieses Projekt auch in Zeiden erfolgreich abgeschlossen werden kann.“

Zeitgleich zu Zeiden beginnen auch die Renovierungsarbeiten an der Kirchenburg im benachbarten Wolkendorf. Die Arbeiten werden von derselben Baufirma wie in Zeiden durchgeführt und haben ein Volumen von rund 333000 Euro, Gelder, die ebenfalls aus dem Regionalen Operationellen Programm 2014-2020 kommen. Die Kirchengemeinde Wolkendorf finanziert den Eigenanteil größtenteils durch den Verkauf der deutschen Schule an das Rathaus Wolkendorf. Am Eigenanteil beteiligt sich auch die Wolkendorfer Heimatgemeinschaft in Deutschland, die weiterhin für Spenden für das Projekt aufruft. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt in Wolkendorf an der Kirche und Nebengebäuden. Geplant sind Arbeiten am Mauerwerk, am Dachstuhl und an den Holzdecken, aber auch die Bekämpfung der Wandfeuchtigkeit, Innenarbeiten und Reparaturarbeiten an der Strominstallation.

Die beiden Projekte in Zeiden und Wolkendorf sollen innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden. Den Arbeiten, die witterungsbedingt in ein paar Wochen wieder weitergehen, sei ein möglichst reibungsloser Ablauf gewünscht, so dass die beiden Kirchenburgen nach Abschluss der Renovierungsarbeiten in neuem Glanz erstrahlen mögen.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Kirchenburgen, Zeiden, Wolkendorf, EU, Projekt, Förderung, Kulturerbe, Burzenland

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