26. September 2026

Eine Liebeserklärung an den siebenbürgisch-sächsischen Dialekt

Heute, am 26. September 2026, feiern wir erstmals das Siebenbürgisch-Sächsische anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen. Dass Michael Kenst uns, die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen, mit seinen Gedichten in siebenbürgisch-sächsischer Mundart amüsieren, zum Nachdenken bringen, einen Spiegel vorhalten und vor allem tief berühren kann, hat er schon oft bewiesen. So haben mich seine Gedanken zur „sächsischen Frau“ („De Såchsesch Fraa“) mitten ins Herz getroffen. Also war klar: Wir müssen Michael Kenst anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen bitten, ein Gedicht über unseren Dialekt zu schreiben. Das Ergebnis: eine Liebeserklärung.
Michael Kenst mit seiner Liebeserklärung ...
Michael Kenst mit seiner Liebeserklärung „Motterspräēch – Gottesgäēf“ („Muttersprache – Gottesgabe“). Bildschirmfoto aus dem YouTube-Video
Der Beitrag wird heute auf allen Kanälen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen veröffentlicht und wir bitten alle Leser der Siebenbürgischen Zeitung, diesen Beitrag weiterzuverbreiten und die Botschaft in die Welt hinauszutragen: Wir lieben unseren Dialekt und er wird nicht aussterben, solange wir ihn sprechen.

Petra Volkmer für die Bundesvorstands-AG Tag der Europäischen Sprachen

Link zum Video Video: Michael Kenst trägt sein Gedicht „Motterspräēch – Gottesgäēf“ („Muttersprache – Gottesgabe“) vor. Misch Kenst

Motterspräēch – Gottesgäēf

Dat ech såchsesch reden,
Såchsesch dinken, beden,
Haut vill fråier wei gēdaucht,
Menj seß Motter, mir beibraucht.
Angder’m Harzen sei mech dreauch,
Äri‘ Stamm vertraat geneauch.
Motterspräech, heēsch klangt
Glått wei wonn ēm Leidcher sangt.
Kängd dei reden ent verstäēn,
Ieh se än de Schuēl gäēn.
Motterspräēch, meistens Dialekt,
Schuēlspräēch, stärkt den Intellekt.
Wie daun ållenbeidet kaun,
Leichter liert hie Sprächen daun.
Ēm erkennt glech dē Strukturen,
Schatzt fremd Spräechen uch Kulturen.
Acht Gärhangdert hun as Aulden
Såchsesch Spräēch feist gēhaulden,
Enzt hesch hemlich sei verschwangd
Sei net reden? Weir en Sangd!

Misch Kenst

Muttersprache – Gottesgabe

Dass ich sächsisch rede,
Sächsisch denke, bete,
Hat viel früher als gedacht,
Meine süße Mutter mir bei ‘bracht.
Unterm Herzen sie mich trug,
Ihre Stimme war vertraut genug.
Muttersprache sehr schön klingt,
Grad‘ als ob man Lieder singt.
Kinder reden und versteh’n
Eh‘ sie in die Schule geh’n.
Muttersprache, meistens Dialekt.
Schulsprache, die stärkt den Intellekt.
Wer dann beides kann,
Lernt auch leichter Sprachen dann.
Man erkennt gleich die Strukturen
Fremder Sprachen und Kulturen.
Acht Jahrhundert unsre Alten
Hab’n am Sächsisch festgehalten.
Jetzt geht es verloren, hat auch Gründe.
Trotzdem, es nicht sprechen? Wär `ne Sünde!

Schlagwörter: Mundart, YouTube, Siebenbuerger.de

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