6. Juni 2012

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Podiumsdiskussion beim Heimattag: Ziehen wir alle an einem Strang, in dieselbe Richtung?

Wir Siebenbürger Sachsen stehen vor der historischen Aufgabe, unser kulturelles Erbe zu bewahren: Kirchenburgen in Siebenbürgen, Kultureinrichtungen in Gundelsheim, Mundart, Brauchtum, die tradierten Werte unserer in der Diaspora lebenden Gemeinschaft. Mit angemessenem Ernst fragte denn auch Robert Schwartz: „Ziehen wir alle an einem Strang, in dieselbe Richtung?“ Der aus Hermannstadt gebürtige Leiter der Rumänischen Redaktion der Deutschen Welle in Bonn moderierte am 28. Mai im voll besetzten Kleinen Schrannensaal die traditionell als letzter Höhepunkt des Heimattagprogrammes veranstaltete Podiumsdiskussion unter dem Motto „Erbe erhalten – Zukunft gestalten“. Der politische Journalist sollte mit seiner agilen, souveränen Gesprächsleitung, ebenso wie das fachkompetente Podium und das rege mitdiskutierende Saalpublikum zu einem bemerkenswerten Vormittag beitragen.
In das komplexe Thema einführend, war Robert Schwartz gleichzeitig darauf bedacht, mit bewusst provokant in den Saal geworfenen Fragen die Diskussion auch emotional in Gang zu setzen: „Unser kulturelles Erbe müssen wir gemeinsam erhalten, aber wollen wir das, können wir das, erschlägt uns dieses Erbe vielleicht, verbaut es uns die Zukunft, können wir unsere Zukunft ohne unser Erbe überhaupt gestalten?“ Der Moderator stellte das Podium vor. Es diskutierten mit die Leiterin der Museen der Stadt Kornwestheim, Dr. Irmgard Sedler, Vorsitzende des Trägervereins des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim und Beisitzerin im Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland; die Geschäftsleiterin des Hauses der Heimat Nürnberg, Doris Hutter, Stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland; Hatto Scheiner, Vorsitzender der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek; der stellvertretende Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa mit Sitz in Oldenburg, Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch; Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă, Referent für institutionelle Kooperation der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Verwaltungsauftrag und Sinnstiftung

Schwartz gab den Podiumsteilnehmern in einer ersten Gesprächsrunde die Gelegenheit zu grundsätzlichen Bemerkungen zum Thema. Dr. Stefan Cosoroabă bekräftigte in seiner perspektivischen Betrachtungsweise, es sei „der größte Wunsch der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, dass wir weiter Brüder und Schwestern bleiben, trotz Diaspora“. Der Theologe knüpfte daran zwei Bedingungen: zum einen müsse die Wertegemeinschaft fortbestehen, zweitens dürfe es zwischen Siebenbürgen und der Bundesrepublik Deutschland keine Grenzen mehr geben wie seit dem EU-Beitritt 2007 („Wir leben im gleichen politischen Raum; wir können wieder viel intensiver zusammengehören; die Grenzen bestehen nur noch in den Köpfen; wir brauchen keine Brücken mehr, da es keine Grenzen mehr gibt, es braucht höchstens noch kleine Stege. Genauso gibt es keine Grenzen mehr zwischen Bukarest und Hermannstadt. Die Bukarester fühlen sich verantwortlich für das gesamte Kulturgut.“). Während die Kirche sowohl eine juristische als auch eine moralische Verantwortung für das Kulturgut habe, wären die ehemaligen Gemeindeglieder nur moralisch verpflichtet.

In einem kurzen begriffsgeschichtlichen Exkurs führte die Volkskundlerin Dr. Irmgard Sedler aus, dass „Kulturerbe“ ein relativ junger Begriff sei mit zwei wesentlichen Konnotationen: Verwaltungsauftrag und Sinnstiftung im Heute. Es gelte die Frage nach dem Träger des Kulturerbes zu klären. Ob Kirchenburgen oder Trachten werde man freilich nicht alles retten können. Das wichtigste „Identitätskonstrukt“ sei unsere Mundart. Den grundliegenden Prozess beschrieb Sedler so: „Wir stoßen etwas an und erwecken in der Gesellschaft ein Bedürfnis, etwas anzunehmen von einer Sache, die uns tiefernst ist; immer ist es gebunden an Sinnstiftung und an den Gebrauchswert von Kulturellem.“ So habe Tracht, vormals Kirchengewand, hier und heute eine neue kontextuelle Sinnstiftung erfahren. Noch in den 60er und 70er Jahren passé, habe sich in den 80er Jahren, als man dringend Identität brauchte, wieder ein Trachtenbewusstsein entwickelt.

Das Siebenbürgen-Institut retten

Optimistisch befand Hatto Scheiner, „Quereinsteiger aus der Industrie“ (Robert Schwartz), dass die Aufgabe, das Siebenbürgen-Institut, respektive die Siebenbürgische Bibliothek zu erhalten, bewältigbar sei „angesichts unserer zahlenmäßigen Größe hier in Deutschland“. Dazu solle man sich Etappenziele setzen und dann Projekte ausarbeiten. Die dringend benötigten drei bis vier Mitarbeiter wären dann zu bezahlen, wenn unsere Landsleute sich mit kleinem Beitrag beteiligten, meinte der Vorsitzende der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek und fügte mit unverhohlenem Bedauern hinzu: „Hätten die Landsleute in den letzten zehn Jahren 5 Euro jährlich bezahlt, hätten wir die erforderliche Summe schon beisammen.“ Scheiner bat später in der Diskussion um fachliche Unterstützung bei der Medienarbeit, der Vermögensverwaltung sowie der Kulturarbeit in Gundelsheim.Der politische Journalist Robert Schwartz ...Der politische Journalist Robert Schwartz (Dritter von links) moderierte die diesjährige Podiumsdiskussion beim Heimattag in Dinkelsbühl. Mit auf dem Podium von links: Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, Dr. Irmgard Sedler, Doris Hutter, Hatto Scheiner und Dr. Stefan Cosoroabă. Foto: Christian Schoger Die Stellvertretende Bundesvorsitzende Doris Hutter unternahm es zu erklären, wie der Verband vornehmlich junge Menschen für die Aufgabe gewinnen könne, unser Kulturerbe für die Zukunft zu bewahren. Der Verband habe „den Rahmen zu schaffen, dass wir Brauchtum und unsere Lebensart im Alltag pflegen können“. Dies geschehe. Tanzgruppen würden Auftrittsmöglichkeiten geboten, Trachtenkultur werde somit weiter gepflegt. Ähnlich verhalte es sich mit der Brauchtumspflege. Nachdrücklich warb Hutter, für ein ansprechendes Niveau und stetig wachsende Qualität der vielfältigen Veranstaltungen Sorge zu tragen. Die Vernetzung von Bundvorstand, Landesvorständen und Kreisgruppen werde immer besser, ebenso die ­Zusammenarbeit mit den Heimatortsgemeinschaften, mit der Kirche, mit anderen Aussiedlerverbänden. Es sei nun wichtig, neue Strategien und Ideen zu entwickeln, dabei „unsere Fachleute mit ins Boot zu nehmen“. Im Sinne einer „optimalen Öffentlichkeitsarbeit“ sollten die neuen Medien dahingehend genutzt werden, dass man auch die Nöte und Bedürfnisse der jungen Menschen sensibel aufnehme und ihnen erkläre, warum sie sich integrieren – und nicht assimilieren – sollten.

„Kulturkonzept 2020“ im Fokus

Ob sich hinter dem Begriff Synergien, wie er in dem für die Kultureinrichtungen in Gundelsheim entwickelten „Kulturkonzept 2020“ verwendet werde, mehr als nur eine „Sparorgie“ zu Lasten der finanziellen bzw. personellen Ausstattung der Einrichtungen verberge oder ob dies tatsächlich die Chance für den Fortbestand der Einrichtungen sei, wollte der Moderator von Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch wissen. Dabei sprach Schwartz dem ehemaligen Leiter der Siebenbürgischen Bibliothek eine „Doppelrolle“ zu, denn als stellvertretender Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), sei dieser zugleich ein Vertreter des BKM. Gündisch ging ein auf die schriftliche Stellungnahme von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu der vom Verbandstag 2011 einstimmig verabschiedeten Resolution an die Bundesregierung zur Sicherung der Kultur der Siebenbürger Sachsen als Teil des gesamtdeutschen kulturellen Erbes. Neumann verwies in seinem Antwortschreiben (siehe Folge 6 vom 15. April 2012, Seite 1) auf „erhebliche Fördersummen“ auch zugunsten der zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim. Der Kulturstaatsminister empfahl, das „auf Anregung der zuständigen Fachreferate meines Hauses im Zusammenwirken aller Beteiligten im September 2010 entwickelte ‚Kulturkonzept 2020‘ des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates umzusetzen: Durch strukturelle Reformen sollen die Kultureinrichtungen in Gundelsheim effizienter arbeiten und Synergiegewinne erzielen.“ Bernd Neumann erklärte zudem, dass von Länderseite wegfallende institutionelle Förderungen „aus Bundesmitteln weder kompensiert noch ersetzt werden“ könnten.

Museum braucht Wissenschaftlichen Mitarbeiter

Konrad Gündisch erinnerte in der Podiumsdiskussion daran, dass der BKM in den Jahren 2008 bis 2011 Projekte mit Bezug zur Kultur und Geschichte der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Rumänien mit rund einer Million Euro gefördert habe. Er sprach sich gegen das „sinnlose Einsparen“ aus: geringfügige Beschäftigungsverhältnisse im Siebenbürgen-Institut würden weitgehend bezahlt von der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, zum Teil auch vom Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, indes das Land Baden-Württemberg die Stelle des Bibliothekars finanziere. Das Siebenbürgische Museum werde seit 2003 auf dem Projektweg gefördert mit rund 200 000 Euro, aber es handele sich nur um eine einzige Stelle; auch hier sei nichts mehr einzusparen, im Gegenteil: „Wir müssen darum kämpfen, dass zumindest die Stelle des Museumskustos wieder besetzt werden kann“ (Anmerkung der Redaktion: Der Wissenschaftliche Mitarbeiter Marius Joachim Tataru ist Anfang 2012 in den Ruhestand gegangen.). Man habe nun den Haushältern ein Konzept vorzulegen, da der Kulturstaatsminister selbst dem Bundesfinanzminister Rechenschaft geben müsse. Um zu zeigen, dass die Kultureinrichtungen in Gundelsheim effektiv zusammenarbeiten, benötige man auch eine gemeinsame Internet-Präsenz aller Einrichtungen.

Hierauf erwiderte Irmgard Sedler, das Museum befinde sich „auf einem sehr guten Weg“. Es gebe bezüglich der beanspruchten Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters eine „mündliche Zusage, dass es in diese Richtung gehen wird“. Überdies habe man das Konzept für einen sehr guten Internetauftritt längst erarbeitet. Sedler appellierte an unsere Gemeinschaft, statt sich allzu sehr auf staatliche Förderung zu verlassen verstärkt Hilfe durch Selbsthilfe zu leisten. Dem stimmte Gündisch zu, zumal „die Möglichkeit einer institutionellen Förderung heute praktisch ausgeschlossen ist“.

„Generation 2.0“ – „Wir sterben aus!“

Erreicht der Verband die „Generation 2.0“ über die sozialen Medien, über Facebook, YouTube, Twitter? Doris Hutter bejahte die Frage des Moderators. Der Internetreferent des Verbandes, Robert Sonnleitner, würde dies anhand von Nutzerstatistiken regelmäßig belegen. Im Bundeshaushalt werde für die neuen Medien kontinuierlich ein höheres Budget bereitgestellt. Und auch dieser Heimattag sei in den digitalen Medien sehr präsent.

Dr. Stefan Cosoroabă zufolge beschäftige sich die Evangelische Kirche in Siebenbürgen derzeit mit anderen Problemen. Nicht die Finanzen seien das große Problem, sondern die fehlenden Leistungsträger: „Wir sterben aus!“ Man sei daher dankbar, wenn Menschen sich vor Ort in den Dörfern und Gemeinden engagieren. Rücksiedlung sei jedoch „zurzeit nicht denkbar“.

Gesamtaufgabe von Bund und Ländern/Verband ist moralisch verpflichtet

Robert Schwartz öffnete sodann die Diskussion für das Saalpublikum. An die von Dr. Stefan Cosoroabă artikulierte bedrängende Existenzsorge direkt anknüpfend, forderte der Bundesvorsitzende Dr. Bernd Fabritius auf: „Retten wir die Siebenbürger Sachsen als grenzüberschreitende Gemeinschaft. Wir sind heute weit weg vom Denken in nationalstaatlichen Strukturen, das nicht erst seit der Europäischen Union überwunden sein muss. Gerade die Generation 2.0 zeigt uns, dass es keine Grenzen mehr gibt, es ist eine Frage von gemeinsamem Denken.“ Weiterhin erklärte der Bundesvorsitzende, man sei Staatsminister Neumann dafür dankbar, dass er die Kürzungswelle, die weit vor seiner Zeit begonnen habe, unterbrochen habe. Das Erbe der Siebenbürger Sachsen sei Teil des gesamtdeutschen kulturellen Erbes. Der Gesetzgeber habe gemäß §96 BVFG die Förderung der Kulturarbeit als eine Gesamtaufgabe von Bund und Ländern geregelt und damit die föderale Aufgabentrennung in dieser Sache aufgehoben. Der Verband der Siebenbürger Sachsen habe die moralische Verpflichtung, das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen zu bewahren, so dass es seine Pflicht gewesen sei, durch die Resolution an die Bundesregierung auf bestehende Defizite hinzuweisen. „Diese Schuld erfüllen wir hiermit“, betonte Fabritius.

Der Bundesvorsitzende regte zur Mediation einen Runden Tisch mit den Aufgabenträgern, also dem Bund und den Ländern, sowie den Betroffenen an, um Wege zur Lösung dieser finanziellen Gesamtaufgabe zu finden.

Kritik am Patenland: NRW hat institutionelle Förderung eingestellt

„Wir müssen die unterschiedlichen Ebenen sehen“, warf Konrad Gündisch energisch ein, „und dabei feststellen, dass die institutionelle Förderung des Siebenbürgen-Instituts von Nordrhein-Westfalen eingestellt worden ist. Es gibt nur noch Projektförderung. Der Bund kann nicht die Pflichten der Länder voll übernehmen. Das Gesetz sagt Bund und Länder, und wir leben in einer Föderation. Kultur ist Ländersache, also kann nicht der BKM für die Länder einspringen. Ich muss sagen, Nordrhein-Westfalen hat versagt.“ – „Und vor allem als Patenland war NRW in einer ganz besonderen Pflicht“, hakte der Moderator ein. Der Bund gebe den Ball ab an die Länder, die Länder spielten ihn zurück an den Bund, und dazwischen stehe der Verband, kommentierte Robert Schwartz.

Jetzt zählt unsere finanzielle Solidarität

„Wir sind dankbar für das, was geleistet wird“, schickte Bundesgeschäftsführer Erhard Graeff voraus, um kritisch festzustellen: Nordrhein-Westfalen, das Patenland des Verbandes, sage, man würde gerne fördern, wenn die Kultureinrichtungen in NRW lägen, ähnlich argumentiere der Freistaat Bayern, und Baden-Württemberg würde mehr leisten, wenn auch NRW sich kulanter zeigen würde. Doch es gebe sehr wohl Wege: „Wir haben Einrichtungen in Bayern, den Sitz des Verbandes in München, einen Bundeskulturreferenten. Bayern könnte ihn fördern, Wir sind Steuerzahler, die das selbstbewusst fordern!“ Aufrüttelnde Worte richtete Graeff auch an die Adresse unserer Gemeinschaft: „Wir brauchen wieder den finanziellen Beitrag des Einzelnen. Fünf Euro für das Museum oder die Bibliothek. Wir alle sind verantwortlich, wir müssen für unsere eigenen Einrichtungen Geld spenden, wenn es irgendwie geht. Beinahe in jeder Zeitungsausgabe ist ein Spendenaufruf für die Siebenbürgische Bibliothek. Bitte tragen Sie das in die Welt.“ Spontaner Applaus für diesen emotionalen Appell.

Kann Evangelische Kirche unseren Kultureinrichtungen helfen?

Zahlreiche weitere Wortmeldungen aus dem Publikum folgten. So mutmaßte Horst Staedel, dass die Gemeinschaft das Erbe noch gar nicht angenommen habe. Nach 1990 habe „etwas Neues“ angefangen und „wir sollten uns klar machen, dass es sich nicht nur um Schulden, sondern auch um einen Schatz handelt“. Bevor alle an einem Strang ziehen könnten, gelte es die verschiedenen Interessen zu erkennen; diese sollten offen ausgesprochen werden.

Julius Henning erwähnte, dass er Jahr für Jahr eine neue Musik-CD herausbringe und mit dem Reinerlös (jährlich 5000 bis 6000 Euro) unterschiedliche Projekte zum Nutzen unserer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft unterstütze, heuer die Öffentlichkeitsarbeit unseres Verbandes.

Als Überlebensstrategie empfahl die Kulturreferentin der Zeidner Nachbarschaft, Annette Königes, „dass wir unsere Kultur ins gesamtdeutsche Bewusstsein einbringen“.

Der Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg, Alfred Mrass, bat Dr. Cosoroabă als Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, die Kirche möge prüfen, ob sie mit aus dem Verkauf von Grundstücken und Pfarrhäusern eingenommenem Geld auch unseren Kultureinrichtungen in Gundelsheim finanziell helfen könne. Es wäre ein „selbstverständliches Zeichen“, Projekte hier zu unterstützen, antwortete Stefan Cosoroabă und erbat seinerseits Unterstützung bei der Suche nach potentiellen Käufern und Investoren.

In der Schlussrunde der Podiumsteilnehmer prognostizierte Pfarrer Cosoroabă, die Kirche und die Gemeinden hätten zwei alternative Wege: in den rumänischen Kulturkreis überzugehen – „es wird dann eine Evangelische Kirche rumänischer Sprache geben“ – „oder die Landsleute außerhalb Siebenbürgens transnational wieder einzubinden und zu begeistern“. Es sei die offizielle Politik der Evangelischen Kirche, das Transnationale zu fördern. Abschließend dankte der Moderator Robert Schwartz dem Podium wie dem Publikum für die Fülle an anregenden Beiträgen.

Nachruf verhindern

Was bedeutet es, dass die Europäische Union in der zweieinhalbstündigen Diskussion kaum vorkam, wiewohl Siebenbürgen von der EU-Regionalförderung in nicht unerheblichem Maße profitiert, gerade auch unter dem Aspekt des Kulturtourismus. Ein aktuelles, in dieser Zeitung erwähntes Beispiel ist ein Projekt zum denkmalgerechten Erhalt von 18 Kirchenburgen. Die beim Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien angesiedelte zuständige Leitstelle Kirchenburgen teilt auf ihrer Webseite mit: „Bedauerlicherweise gibt es Kirchenburgen, die durch keine Gemeinde mehr genutzt werden, was den Verfall der Gebäude beschleunigt. Um den drohenden Verlust historischer Bausubstanz abwenden zu können, fehlte es nicht nur an finanzieller Unterstützung, sondern auch an einem geeigneten Konzept, um zunächst einen weiteren Verfall der bedrohten Kirchenburgen zu stoppen.“ Möge dieser „Nachruf“ nicht auch eines Tages auf unser weiteres Kulturerbe übertragen werden. Noch haben wir Zeit, die Mittel und Wege, gemeinsam das zu verhindern.

Christian Schoger

Schlagwörter: Heimattag 2012, Podiumsdiskussion, Kulturerbe, Verbandspolitik

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