26. Mai 2015

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Bernd Fabritius für eine Weiterentwicklung der Kultur und sozialen Identität

Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius, MdB, hat sich am 24. Mai beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl für eine Weiterentwicklung der Kultur und sozialen Identität ausgesprochen. Er zeigte sich erfreut über die sehr vielen jungen Menschen, die am farbenprächtigen Festumzug teilgenommen haben. In Dinkelsbühl wurden erstmals 109 Gruppen mit über dreitausend siebenbürgisch-sächsischen Trachtenträgern verzeichnet. Zum Motto des Heimattages betonte Fabritius: „‘Identität lohnt sich‘, sie ist etwas wert!“ Jeder Einzelne trage tief in seinem Herzen einen siebenbürgischen Schatz, der einem zu Glück und Zufriedenheit verhelfen könne. Bernd Fabritius, der zugleich Präsident des Bundes der Vertriebenen ist, zeigte sich dankbar für die vielen Mitstreiter und Fürsprecher, die die Siebenbürger Sachsen in der Gesellschaft finden, stellte aber auch eine Reihe von Forderungen an Deutschland und Rumänien, um die Kultur zu fördern, Zwangsarbeiter zu entschädigen oder enteignetes Vermögen zurückzugeben. Die Festrede wird im Folgenden wiedergegeben.
Meine Damen und Herren, geehrte Landsleute, läw Siweberjer Sachsen, herzlich willkommen zum Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl und Frohe Pfingsten!

"Identität lohnt sich", meine Damen und Herren, das zeigen schon die vielen jungen Menschen, das zeigt das beherzte und freudige Mitmachen an unserem farbenprächtigen Trachtenumzug, und das zeigt Ihre Teilnahme an diesem Heimattag: Siebenbürger Sachse zu sein, macht Spaß – und wir zeigen das auch!



Ich begrüße ganz herzlich die vielen Ehrengäste, für die unser Heimattag schon fast Tradition und keineswegs „Pflichtprogramm“ am Pfingstsonntag ist, allen voran die Präsidentin des Bayerischen Landtages, Barbara Stamm, die längst zu einer „Ehrensiebenbürgerin“ geworden ist – herzlich willkommen, liebe Barbara.

Ich grüße unseren Oberbürgermeister unserer Partnerstadt Dinkelsbühl Dr. Christoph Hammer, sowie alle Vertreter des Rates, stellvertretend für alle Bürgerinnen und Bürger dieser wunderschönen Stadt Dinkelsbühl, die uns – wie immer zu Pfingsten – so gastfreundschaftlich aufnehmen. Dafür danke ich und für 30 Jahre Partnerschaft Stadt Dinkelsbühl – Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland!

Ich begrüße in Vertretung des Präsidenten Rumäniens, unseres Landsmannes Klaus Johannis, den Präsidialberater mit Ministerrang, Herrn Sergiu Nistor sowie die Gesandte Rumäniens in Berlin, Frau Adriana Stănescu, und den Generalkonsul in München, Herrn Anton Niculescu, ganz herzlich! Auch wenn Klaus Johannis heute nicht persönlich anwesend sein kann, hat er uns zur Eröffnung des Heimattages seine besten Grüße überbringen lassen und und die Aussicht, uns vielleicht bei einem der nächsten Heimattage der Siebenbürger Sachsen zu besuchen, wenn der Zeitplan das erlaubt.

Ich begrüße ganz herzlich den höchsten staatlichen Vertreter aus Übersee, der je an unserem Heimattag teilgenommen hat, den Vizeaußenminister Kanadas, unseren Landsmann Dr. Peter Boehm ganz herzlich. Du lieber Peter bist ja nicht nur Vizeaußenminister Kanadas, sondern auch ehemaliger Jugendleiter unseres landsmannschaftlichen Verbandes in Kanada, ehemaliger Botschafter deiner neuen Heimat Kanada in Berlin – und damit auch so ein Beispiel dafür,... dass sich Identität lohnen kann, herzlich willkommen! Nimm unsere besten Grüße zu unseren Landsleuten in Kanada und den USA mit. Wir gehören als Familie zusammen.

Ein herzliches Willkommen seiner Exzellenz dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest, Herrn Werner Hans Lauk mit Gattin, schön dass Sie wieder da sind. Ich begrüße ganz herzlich aus dem Deutschen Bundestag, zum ersten – aber sicher nicht zum letzten Mal unter uns, meinen Kollegen Artur Auernhammer, lieber Artur, herzlich willkommen.

Aus dem Landtag unseres Patenlandes Nordrhein-Westfalen begrüße ich ganz herzlich Herrn Werner Jostmeier mit Gattin, nehmen Sie lieber Kollege Jostmeier unsere besten Grüße in unser Patenland mit, es ist immer gut, wenn man sich dort an die Siebenbürger Sachsen erinnert.

Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius während ...Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius während seiner Festansprache beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen 2015 in Dinkelsbühl. Foto: Hans-Alfred Schüller (Don ALfredo) Aus dem Bayerischen Landtag begrüße ich – neben der Präsidentin - den Kollegen Manuel Westphal, herzlich willkommen. Ich begrüße ganz herzlich die Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten von Mittelfranken, und Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, Christa Naaß.

Ich grüße selbstverständlich den Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Herrn Prof. Dr. Paul Jürgen Porr und alle Vertreter des DFDR-Vorstandes, die fast vollzählig – das ist ein Novum – an unserem Heimattag teilnehmen. Ich hatte schon die Ehre, diese hohe Delegation in Berlin im Deutschen Bundestag willkommen zu heißen, aber das Highlight eurer Reise nach Deutschland ist der Heimattag der Siebenbürger Sachsen – das ist gut so.

Aus Österreich begrüße ich den Bundesvorsitzenden des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Magister Volker Petri mit Gattin.

Als Vertreter unserer Heimatkirche begrüße ich herzlich Herrn Dechant Dietrich Galter und bitte dich, lieber Dietrich gleichzeitig, unsere besten Wünsche an unseren Bischof Reinhart Guib mitzunehmen.

Herzlich willkommen den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland, Dietmar Leber, und der Karpatendeutschen Landsmannschaft, Frau Brunhilde Reitmeier-Zwick, schön dass ihr da seid.

Eine ganz besondere Freude ist es, stellvertretend für alle anwesenden Träger des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises den diesjährigen Preisträger, herzlich willkommen, lieber Prof. Dr. Paul Philippi mit Gattin herzlich zu begrüßen.

Stellvertretend für alle Vertreter der hohen siebenbürgischen Geistlichkeit begrüße ich Herrn Dekan Hans-Gerhard Gross und danke Ihnen für die Gestaltung unseres Pfingstgottesdienstes.

Stellvertretend für alle zahlreich anwesenden Vertreter unseres Verbandes und der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaften in Deutschland begrüße ich unseren Ehrenvorsitzenden Dr. Wolfgang Bonfert mit Gattin, den Vorsitzenden des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, Prof. Dr. Konrad Gündisch, den Bundesjugendleiter unserer Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland, Edwin-Andreas Drotleff und den Vorsitzenden des HOG-Verbandes, Hans Gärtner.

Ich danke allen, die diesen Heimattag organisatorisch möglich gemacht haben und sage: "Der Härr erhåld ech de Gewunnhied!"

Zum herausragenden Stellenwert des Heimattages

Liebe Landsleute!

Der Heimattag 2015 ist in vollem Gange, die Stimmung ist freundschaftlich und gelöst, wir fühlen uns auch in diesem Jahr in Dinkelsbühl willkommen. Ja, wir fühlen uns hier zu Pfingsten zu Hause.

Wie viele von uns haben sich wohl in den zurückliegenden Tagen und Wochen ganz bewusst auf heute gefreut? Ab morgen werden wir wohl in Erinnerungen schwelgen.

Warum ist das so?

Warum hat unser Heimattag für viele Siebenbürger Sachsen – und sogar für viele unserer Freunde – einen so herausgehobenen Stellenwert im Jahreskalender?

Lassen Sie uns darüber gemeinsam nachdenken.

Personale Identität

Die Stadt Dinkelsbühl weckt in vielen von uns Erinnerungen an ehemals vertraute Umgebungen der Kindheit, der Jugend. Innerhalb ihrer Stadtmauern, die sich mit jenen unserer siebenbürgischen Städte und Kirchenburgen messen lassen, schaffen wir uns hier jährlich zu Pfingsten eine kleine Heimatidylle.

Der Heimattag ist für viele von uns inzwischen der einzige Ort, wo wir unser Siebenbürgisch-Sächsisch auf der Straße hören, wo wir es selbst wieder in der Öffentlichkeit sprechen. Hier hört unsere Jugend, die das Sächsische vielleicht nicht mehr aktiv spricht, wie sich Eltern und Großeltern unterhalten, hier bekommt die junge Generation ein Gespür für die Melodie unserer Muttersprache im Alltagsgebrauch.

Weil wir uns als Siebenbürger Sachsen fühlen, suchen wir zu Pfingsten die Nähe der Gemeinschaft und der Gleichgesinnten. An unserem Heimattag treffen sich Freunde und Verwandte, die sich sonst selten sehen, weil sie weit weg voneinander wohnen. Hier feiern wir gemeinsam, wir singen und tanzen und erfreuen uns an geplantem und noch mehr an unverhofftem Wiedersehen.

Sie haben es heute Vormittag selbst erleben können, wie viele von uns mit Stolz die Tracht tragen. Das ist KEIN Karneval und kein Verkleiden, meine Damen und Herren, die Tracht ist für viele von uns eines der stärksten Merkmale der eigenen Identität, weil sie das nach außen sichtbare Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ist. Jeder Trachtenträger fühlt tief im Herzen eine Verbundenheit mit unserer Gemeinschaft; er zeigt sein Selbstverständnis öffentlich und mit gutem Gewissen.

In einer nicht repräsentativen Umfrage auf der Internetseite unseres Verbandes bekennt sich die weit, weit überwiegende Mehrheit der Teilnehmer zu den prägenden Werten der Siebenbürger Sachsen – nämlich zu unserer Geschichte in Siebenbürgen, zu unserer Kultur, der deutschen Sprache, unserer sächsischen Mundart, zu Brauchtum, Religion, Freiheitsliebe und Toleranz.

Selbst die verschwindend geringen Stimmen, die sich laut Umfrageergebnis nicht zum siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbe bekennen, besuchten ja offenkundig die Internetseiten unseres Verbandes (…)

Soziale Identität

Zu der Identität der Siebenbürger Sachsen gehört aber leider auch, dass wir den Rahmen des zusammen und gemeinsam bewohnten geographischen Raumes gesprengt haben. Es ist eine Folge des Weltkrieges, die wir niemals rückgängig machen können und mit der wir leben müssen. Ist das Verlassen der Heimat aber gleichzeitig Preisgabe der eigenen Identität? Gibt es nur noch diejenigen Siebenbürger Sachsen, die als Heimatverbliebene unsere volle Aufmerksamkeit verdienen? Sind wir, die wir ausgewandert sind, keine Siebenbürger Sachsen mehr?

Nein, liebe Siebenbürger Sachsen, nein – machen wir es uns als Volksgruppe nicht so leicht. Stellen wir uns der Aufgabe, uns mit unserer Identität auseinanderzusetzen. Diese Identität macht uns zu miteinander verbundenen Menschen, zu einer Gemeinschaft!

Dieses vertiefende Begreifen des eigenen Ichs als verbindender Faktor ist auch für uns Siebenbürger Sachsen notwendig.

Durch die historischen Entwicklungen der letzten 70-75 Jahre waren wir enormen inneren Konflikten ausgesetzt war, denn wir mussten zusehen, wie unsere Volksgruppe vermeintlich auseinanderbrach. Das intakte Einbettungsgefühl des Einzelnen, das nur in einer funktionierenden Gemeinschaft gegeben ist, war spätestens 1990 (für einige schon viel früher) nicht mehr vorhanden.

Doch genau diese Gemeinschaft, die von manchen Stimmen – auch aus unseren eigenen Reihen – totgesagt wird, leben und erleben wir hier und heute am Heimattag!

Ja, unsere soziale Identität wurde geschwächt, als wir Siebenbürgen verließen! Aber wir sind in der neuen Umwelt an und mit den neuen Aufgaben gewachsen, und es ist uns gelungen, als Gruppe mit gemeinsamen Werten, Erinnerungen und Erfahrungen, mit gemeinsamen Bräuchen, gemeinsamer Sprache und gemeinsamer Herkunft das Verlassen der siebenbürgischen Heimat zu überwinden, ohne die Identität als Volksgruppe zu verlieren! Es gäbe diesen Heimattag nicht, wenn nicht das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl der Siebenbürger Sachsen ihn tragen würde!

Landsleute in Übersee

Ein Blick über den europäischen Horizont hinaus macht deutlich, wie notwendig die Pflege und die Weiterentwicklung der Kultur und der sozialen Identität für eine Gemeinschaft sind.

Schauen wir einmal auf unsere Landsleute in Kanada und in den USA! Eine objektive Beurteilung der Situation lässt keine andere Erkenntnis zu, als dort einen massiven Schwund in vielen Bereichen unserer siebenbürgischen Traditionen und Werte festzustellen. Assimilation greift zunehmend um sich.

Die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft in Übersee erhielt über die letzten Jahrzehnte keinen auch nur ansatzweise nennenswerten Zuwachs durch Spätaussiedler. Die Landsleute in Übersee haben Mühe, ihre Identität als Siebenbürger Sachsen auch in folgenden Generationen aufrechtzuerhalten. Die Zeit nach Flucht und Vertreibungen nach dem Krieg haben das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu unserer Volksgruppe fast gänzlich kaputt gemacht.

Gewandelte Identitäten

Es ist auch Aufgabe unserer siebenbürgischen Verbände, auf bestimmte Formen der gewandelten Identität, vor allem und gerade bei der jüngeren Generation mit passgenauen Angeboten zu antworten. Das gilt übrigens nicht nur für die Landsleute in Übersee, sondern in zunehmendem Maße auch für uns, die wir in deutschsprachigen, also muttersprachlichen Ländern wie Österreich oder Deutschland leben.

Wir müssen Kräfte in unseren Verbänden entwickeln, die aus unserer Gemeinschaft heraus bei jungen Menschen den Wunsch nach Zugehörigkeit wecken. Dafür ist nicht etwa nur die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend (SJD) zuständig, sondern wir alle.

Wenn wir immer wieder mit Nachdruck und völlig zu Recht einfordern, dass uns per Gesetz Förderung nach § 96 Bundesvertriebenengesetz zusteht, dann müssen wir im Gegenzug auch den Wortlaut des Gesetzes genau lesen. Dort steht nämlich auch, dass die „[…] Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge […]“ zu fördern ist! Weiterentwicklung! Ein Stichwort, dem wir nicht immer angemessene Aufmerksamkeit widmen. Ohne Weiterentwicklung auch unserer siebenbürgischen Kultur werden wir unsere Identität über kurz oder lang verlieren. Aus uns heraus, aus der Mitte unserer Gemeinschaft heraus müssen stetig neue Impulse kommen; auch solche, die auf den ersten Blick mit althergebrachten Traditionen über Kreuz liegen!

Forderungen an Rumänien

Nur wenn wir uns als Verband selbst fordern, erwächst uns ein Anspruch, nach wie vor auch Forderungen an die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft zu stellen! Sowohl hier in Deutschland, als auch beispielsweise in Rumänien, wo wir ohne Kompromisse einfordern, dass der rumänische Staat seiner Pflicht nachkommt, den Erhalt und die Fortführung des deutschsprachigen Schulwesens zu garantieren. Das Verhältnis unseres Verbandes zu Rumänien ist gut – das bedeutet aber gerade nicht, dass wir auf die Durchsetzung unserer Forderungen verzichten.

Es ist uns gelungen – und ich freue mich, das gerade bei diesem Heimattag sagen zu können, bei dem wir den 70 Jahren Verschleppung unserer Landsleute in sowjetische Zwangsarbeitslager gedenken –, das rumänische Entschädigungsdekret 118/1990 auf alle Betroffenen auszuweiten – egal, ob im Besitz der rumänischen Staatsangehörigkeit oder nicht und egal ob in Rumänien, in Deutschland oder in Österreich. Das von uns initiierte Gesetz 211/2013 für die Opfer der kommunistischen Diktatur wurde vom rumänischen Parlament verabschiedet und wird angewendet!

Meine Damen und Herren, das ist schon einen Applaus wert. Und ich gebe diesen Applaus den Vertretern Rumäniens mit. Es ist ein Verdienst Rumäniens, sich dieser dunkelsten Seite der eigenen Geschichte anzunehmen, dazu zu stehen und Signale zu senden, auf die wir in Deutschland und aus anderen Ländern bis heute vergeblich warten. Diese Entschädigungsrente kommt auch den Russlanddeportierten und den in den Bărăgan oder ins Szeklerland Evakuierten zugute. Die monatlichen Bezüge wurden von Rumänien ab 1. Juli 2015 verdoppelt.

Wir fordern weiterhin eine bedingungslose Restitution von rechtswidrig enteignetem Vermögen in natura und eine Entschädigung, sofern eine solche nicht möglich ist. Rumänien hat eine solche Gesetzgebung geschafft, die beispielhaft für europäische Nachbarländer sein könnte. Mit der Umsetzung hapert es noch. Zugegeben, es ist ein dickes Brett, das wir bohren. Aber wir tun dies mit Nachdruck in einer guten und konstruktiven Weise. Auch Restitution ist mit Identität verknüpft, denn Restitution schafft die dinglichen Voraussetzungen dafür – und sie schafft emotionale Bindung.

Der Verband der Siebenbürger Sachsen agiert nicht nur, sondern unterstützt und bündelt in seinem Wirken eine Vielzahl von unterschiedlichen Aktivitäten unserer Landsleute.

Aspekte der Verbandsarbeit

Eine Form der Zusammenarbeit erleben Sie, meine Damen und Herren, gerade heute. Mitausrichter des diesjährigen Heimattages sind die Heimatortsgemeinschaften des Zwischenkokelgebietes. Die HOGs sind ein wichtiger Pfeiler unserer Gemeinschaft. Verband und HOGs arbeiten bereits gut zusammen und ich bin zuversichtlich, dass diese Zusammenarbeit von Jahr zu Jahr noch intensiver und gewinnbringender wird.

Wir unterstützen und pflegen Partnerschaften, sei es grenzüberschreitend zwischen Städten in Deutschland und Rumänien, sei es eine Partnerschaft wie z.B. jene zwischen der Stadt Dinkelsbühl und unserem Verband – die übrigens bereits 30-jähriges Jubiläum feiert.

Unsere Arbeit, unsere siebenbürgischen Institutionen, insbesondere unsere zentralen Kultureinrichtungen in Gundelsheim, unser offener, versöhnlicher Umgang mit unserem Heimatland Rumänien, unsere Kulturgruppen und Heimatstuben – alles das ist ein Nachweis unserer Identität. Aus diesem Selbstverständnis heraus ist es uns möglich, auch Forderungen an die Politik in Deutschland zu stellen – ob in der noch ungelösten Frage der Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter oder in Bezug auf die Ausgestaltung der Förderung sowie das Ansprechen der Defizite im Bereich der Kulturgutsicherung nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes. Vor wenigen Tagen wurde beschlossen, überlebende sowjetische Kriegsgefangene zu entschädigen. Der Deutsche Bundestag hat dafür zehn Millionen Euro im Haushalt eingestellt. Damit setzen wir ein wichtiges Zeichen, um auch die letzte Opfergruppe aus dem „Erinnerungsschatten“, wie Bundespräsident Gauck das so schön formuliert hat, herauszunehmen. Damit wird mir aber auch immer unverständlicher, dass deutsche Zwangsarbeiter auf eine gerechte Anerkennung ihres Kriegsfolgeschicksals weiterhin warten müssen. Hier fordere ich eine umgehende, dem Schicksal entsprechende Lösung.

Schon immer versteht sich unser landsmannschaftlicher Verband als eine Solidargemeinschaft, verpflichtet zur gegenseitigen Hilfe und zur Förderung gemeinsamer Interessen. Unsere Schwerpunktfelder sind nach wie vor Soziales, rechtliche Belange, die Pflege und Weiterentwicklung siebenbürgisch-sächsischer Kultur, Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, die Vernetzung mit Vereinen und Institutionen. Wir stellen uns der Erwartung und haben den Anspruch, nicht nur die Mitglieder unseres Verbandes zu vertreten, sondern darüber hinaus gemeinsame Interessen aller Siebenbürger Sachsen in Deutschland.

„Identität lohnt sich“

Identität lohnt sich, sie ist etwas wert! Sie lohnt sich für uns als Volksgruppe, weil wir nur zusammen Gemeinschaft leben können. Sie lohnt sich für jeden Einzelnen von uns, weil jeder von uns tief in seinem Herzen einen siebenbürgischen Schatz trägt, der sein Denken, sein Handeln, sein Bewusstsein mitbestimmt und jedem von uns hilft, mit uns selbst im Reinen zu sein. Denn keiner unter uns lebt zufrieden und glücklich, wenn er diesem Teil seiner Persönlichkeit den Raum zur Entfaltung vorenthält.

Wir leben in einem Jahrhundert, das scheinbar widersprüchliche Zeitgeistströmungen vereint: einerseits die Bemühungen, der globalen Vernetzung gerecht zu werden, andererseits das Drängen von Völkern und Volksgruppen, als eigenständige Gemeinschaften wahrgenommen zu werden.

Fragen Sie doch einen Schotten, egal wo auf der Welt sie ihn treffen, ob er Engländer sei, oder einen Katalanen, ob er Spanier sei. Oder lassen Sie sich selbst gelegentlich von der Frage provozieren, ob Sie Rumäne seien?

Diese Gedanken, meine Damen und Herren, leiteten mich, als ich mit Ihnen über Identität nachdenken wollte. Auch wenn die politischen und historischen Gegebenheiten in Schottland und in Katalonien überhaupt nicht vergleichbar sind mit jenen in Siebenbürgen – so wollen wir doch eins festhalten: wir werden immer Siebenbürger Sachsen bleiben, egal wo auf dieser Welt wir uns befinden!

Klaus Johannis / Fürsprecher in der Politik

Es gibt noch keine hinreichend fundierten Untersuchungen darüber, inwieweit die Identität als Siebenbürger Sachse dem neuen Staatspräsidenten unseres rumänischen Heimatlandes zum Wahlsieg verholfen hat. Was es aber schon gibt, sind umfangreiche Pressedokumentationen, die allesamt darauf abheben, dass es die uns Siebenbürgern zugesprochenen Tugenden waren, die Klaus Johannis entscheidend zum Wahlsieg verholfen haben. Tugenden, die er als Bürgermeister von Hermannstadt 14 Jahre lang nachhaltig unter Beweis gestellt hat. Darauf, liebe Siebenbürger Sachsen, können und dürfen wir stolz sein.

Das Signal, dass von der Wahl Klaus Johannis‘ zum Staatspräsidenten Rumäniens ausgeht, hat eine weitreichende Strahlkraft. Die Beziehungen unserer – ich nennen sie bewusst – beider Heimatländer sind seit Jahrzehnten gut; und nun ist die Grundlage geschaffen, sie unter dem Dach des vereinten Europa noch weiter zu vertiefen. Mit Klaus Johannis haben nicht nur wir, die wir ausgewandert sind, sondern vor allem die in Siebenbürgen, dem Banat und den anderen Gebieten Rumäniens lebenden Deutschen ein neues Selbstbewusstsein, vielleicht sogar ein erneuertes Selbstverständnis entwickelt.

Unser Verband hat großen Rückhalt in der bundesdeutschen Gesellschaft, nicht nur, weil wir modern, versöhnlich, tüchtig und verlässlich sind, sondern auch, weil wir viele Mitstreiter und Fürsprecher in unserer Gesellschaft, in politischen, sozialen und kulturellen Gremien haben. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass man uns kennengelernt hat, durch Begegnung und Dialog – und durch Heimattage wie diesen.

Ich hoffe, dass auch dieser Heimattag dazu dient, dass wir in den vielen Gesprächen und Begegnungen nicht nur neue Mitglieder für unseren Verband, sondern darüber hinaus zahlreiche Freunde, Mitstreiter – ja Gleichgesinnte – gewinnen.

Denn, wie gesagt: „Identität lohnt sich!“ ;-)

Schlagwörter: Heimattag 2015, Fabritius

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