17. November 2015

"Ein Ruck geht durch die Gemeinschaft": Verbandstag der Siebenbürger Sachsen wählt Doppelspitze

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. hat eine Doppelspitze eingeführt und die Weichen gesetzt, um die erfolgreiche Kultur- und Jugendarbeit fortzusetzen. Dr. Bernd Fabritius ist neuer Verbandspräsident, Herta Daniel bekleidet als erste Frau in der 66-jähigen Geschichte der Landsmannschaft das Amt der Bundesvorsitzenden. Beide wurden beim Verbandstag, dem höchsten Gremium des landsmannschaftlichen Verbandes, der am 7. und 8. November 2015 im Gustav-Stresemann-Institut e.V. in Bonn tagte, mit überwältigender Mehrheit gewählt. In einer Resolution wurde die Bundesregierung aufgefordert, Russlanddeportierte und andere deutsche Zwangsarbeiter zu entschädigen. In einem zweiten Beschluss setzte sich der Verband für die Rückgabe bzw. Entschädigung des im Kommunismus enteigneten Eigentums in Rumänien ein.
Die Delegierten beschlossen mit 77 Prozent der Stimmen eine Satzungsänderung, die eine neue Verteilung der Kompetenzen an der Spitze des Verbandes vorsieht. So nimmt der Verbandspräsident repräsentative Aufgaben in Politik und Gesellschaft wahr, während die Bundesvorsitzende die innergemeinschaftliche Arbeit leitet. Ausschlaggebend für das klare Votum war der Wille der Delegierten, dass Bernd Fabritius, der seit September 2013 als Bundestagsabgeordneter und seit November 2014 als Präsident des Bundes der Vertriebenen nur noch begrenzt Zeit hat, auch künftig mit seinem großen politischen Gewicht mit Mandat für die Siebenbürger Sachsen tätig ist. In den letzten vier Jahren ist es dem Verband unter seiner Regie unter anderem gelungen, eine Entschädigungsrente seitens des rumänischen Staates für die Russlanddeportierten durchzusetzen und erst kürzlich Schloss Horneck aus der Konkursmasse des Hilfsvereins Johannes Honterus zu erwerben. So haben die zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen weiterhin eine Bleibe in Gundelsheim am Neckar.

Die Schirmherrschaft über den Verbandstag hatte Rainer Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, übernommen. Mit seinem Ministeramt, das er erst seit wenigen Wochen innehat, sei „auch die wichtige und schöne Aufgabe verbunden, die langjährige und gute Zusammenarbeit des Patenlandes NRW mit seinem Patenverband zu pflegen und mit Leben zu füllen“, schrieb der SPD-Politiker in seinem Grußwort. Er zitierte den bedeutenden Musiker Peter Maffay, der kürzlich in einem Interview zwei Motive erwähnt hatte, warum seine Familie nach Deutschland gekommen sei. „Was bei Peter Maffays Familie Angst und Schikanen waren, das sind heute, wo wir weltweit mehr als 62 Millionen Menschen auf der Flucht zählen, Kriege, Verfolgung, Diskriminierung, Hunger und Armut“, schrieb Schmeltzer. Heute sei es wichtig, dass wir „uns um das Schicksal dieser Mitmenschen kümmern“. Der Minister freute sich, dass der siebenbürgische Verband, aber auch der Bund der Vertriebenen insgesamt, bei der Bewältigung dieser Herausforderungen mithelfe. Dazu sicherte er den Siebenbürger Sachsen die volle Unterstützung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zu.
Bundesvorsitzende Herta Daniel und ...
Bundesvorsitzende Herta Daniel und Verbandspräsident Dr. Bernd Fabritius nach der Wahl in Bonn.
Martin Bottesch, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, überbrachte persönliche Grüße unserer sächsischen Landsleute in Siebenbürgen. Das Forum setze sich für den Erhalt des deutschsprachigen Schulunterrichts ein, hätte in den letzten 15 Jahren aber auch mit großem Erfolg Verantwortung im Sinne der Allgemeinheit in Politik und Verwaltung übernommen. Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit mit den sächsischen Verbänden im Ausland. „Das Siebenbürgenforum ist nicht nur formal Mitglied der Föderation der Siebenbürger Sachsen, wir fühlen uns verbunden mit allen, die, ganz gleich in welchem Land, etwas für den Erhalt siebenbürgisch-sächsischer Identität tun“, sagte Bottesch. Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sei der engste politische Partner im Ausland.

Dr. Bernd Fabritius stellte in seinem Tätigkeitsbericht fest, dass die Dichte der Arbeit in der letzten Amtsperiode stark zugenommen habe. Er dankte allen, die sich für die Rettungsaktion von Schloss Horneck eingesetzt haben. Wir hätten das Schloss für eine Million Euro schuldenfrei aus der Insolvenzmasse erworben, um unseren Kultureinrichtungen eine Bliebe zu geben. Der Pflegeneubau sei an eine erfahrene diakonische Einrichtung verkauft worden, sagte Bernd Fabritius, der am 27. August 2015 zum Gründungsvorsitzenden des Vereins Siebenbürgisches Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V. gewählt worden war. Den ehemaligen Russlanddeportierten gewährt der rumänische Staat auf Initiative des Verbandes der Siebenbürger Sachsen durch das Gesetz 211/2013 eine monatliche Entschädigungsrente. Dafür sprach Fabritius Rumänien einen besonderen Dank aus.

Bernd Fabritius bezeichnete es als Erfolg und als Verdienst aller Ehrenamtlichen an der Basis, dass wir jährlich 600 neue Mitglieder (Familien) gewinnen. Da wir jedoch tausend Mitglieder vorwiegend durch Ableben verlieren, verzeichnet der Verband jährlich einen Rückgang von 400 Mitgliedern. Bundesweit ist die Zahl der Gesamtmitglieder von 41 923 im Jahr 2001 auf zurzeit 32 579 Personen gesunken. Dies geht aus einer Übersicht hervor, die Bundesgeschäftsführer Erhard Graeff als Tischvorlage erstellt hatte. Den Delegierten lag eine 102 Seiten starke Tagungsmappe vor mit Berichten über das vielseitige Kultur- und Vereinsleben in der Amtszeit 2011-2015.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende Herta Daniel ergänzte ihren vorgelegten Bericht mit dem vor wenigen Tagen stattgefundenem Treffen mit dem damaligen Außenminister Rumäniens, Bogdan Aurescu, und der dort besprochenen Möglichkeit, ungelöste Restitutions-/Entschädigungsfälle unserer Mitglieder an die zuständigen Stellen in Rumänien weiterzuleiten. Der Stellvertretende Bundesvorsitzende Rainer Lehni lobte die sehr gute Arbeit im Heimattagausschuss und das hohe Niveau des Heimattages in Dinkelsbühl. Besonders wichtig sei es, dass die Bundesvorstandsmitglieder die Kreisgruppen besuchten, um „den Puls an der Basis zu spüren“ und die Landsleute aus erster Hand zu informieren. Die Stellvertretende Bundesvorsitzende Doris Hutter berichtete über ihre vielseitige Arbeit im Verband und die geplante Dokumentation der Ortstrachten.

Ehrungen

Der scheidende Bundesvorsitzende Bernd Fabritius dankte Dekan i.R. Hermann Schuller mit einer Urkunde für seine vielseitigen Verdienste um die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft. Schuller hat sein Ehrenamt als Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD (früher: Hilfskomitee) kürzlich an Dr. Berthold Köber weitergegeben.

Eine Urkunde verlieh der Bundesvorsitzende auch Harald Janesch, Ehrenvorsitzender der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, für seinen unermüdlichen Einsatz in zahlreichen Ehrenämtern, insbesondere für sein Wirken im Rahmen der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen mit ihren Gliederungen sowie für die Verbindungsfunktion zu unserem Patenland.

Nach lebhaften Diskussionen wurde die eingangs erwähnte Satzungsänderung mit einer satten Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Der Bundesvorstand hatte die Einführung einer Doppelspitze für den Verband vorgeschlagen. „Mit der Aufteilung der Verantwortlichkeiten auf mehrere Schultern geht der Bundesvorstand von einer besseren Positionierung unseres Verbandes nach innen wie nach außen aus“, hieß es in einem einstimmig Beschluss, den der Bundesvorstand schon im März 2015 gefasst hatte. Der Verbandspräsident und der Bundesvorsitzende können sich bei Bedarf gegenseitig vertreten. Ein wichtige Satzungsänderung erlaubt es, die Ämter zusammenzuführen, so dass der Verbandstag in seinen personellen Entscheidungen künftig flexibel bleibt: „Werden beide Ämter von einer Person bekleidet, führt diese die Bezeichnung Bundesvorsitzender.“ Des Weiteren kann der Verbandspräsident Anerkennungsurkunden verleihen und hat, ebenso wie der Bundesvorsitzende und die Stellvertretenden Bundesvorsitzenden, ein umfassendes Weisungsrecht gegenüber den Redakteuren der Siebenbürgischen Zeitung.

Eine Satzungsänderung stärkt die Präsenz der Jugend beim Verbandstag: Die SJD entsendet künftig eigene Delegierte, und zwar zusätzlich zu den beiden Mitgliedern im Bundesvorstand und den jugendlichen Vertretern der Landesgruppen.

Aussprachen vor den Wahlen

In der Aussprache vor den Wahlen betonte Horst Göbbel (Nürnberg): „Bei der Rettung von Schloss Horneck ist ein Ruck durch die Gemeinschaft gegangen.“ Diesen Schwung wünschte er sich auch künftig für die Arbeit des Bundesvorstandes und plädierte für die Doppelspitze: „Die vorgeschlagene Konstellation ist alternativlos. Bernd Fabritius kann das Amtes nicht mehr alleine wahrnehmen, aber wir wollen auf ihn an der Spitze des Verbandes nicht verzichten.“

Hans Wester, Ehrenvorsitzender der Kreisgruppe Mannheim-Heidelberg, äußerte hingegen Bedenken gegen die Einführung des Amtes eines Verbandspräsidenten und plädierte für die Beibehaltung der bisherigen Ämter.

Dr. Konrad Gündisch, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, dankte Bernd Fabritius für seinen Einsatz für Schloss Horneck. Er habe es noch nie erlebt, dass Politik und Kultur so intensiv zusammenarbeiteten. Er bekundete die Hoffnung, dass das neue Kulturkonzept der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien alle unsere Vorstellungen aufgreifen und eine institutionelle Förderung der Kultureinrichtungen auf Schloss Horneck ermöglichen werde. „Ohne Förderung kann Kultur nicht leben“, betonte der Historiker.

Unter der Wahlleitung des Ehrenvorsitzenden Dr. Wolfgang Bonfert wurde der neue Bundesvorstand gewählt. Bernd Fabritius wurde mit 152 der 175 abgegebenen Stimmen (86,8 Prozent) zum Verbandspräsidenten, Herta Daniel mit 137 von 173 Stimmen (79,2 Prozent) zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Es traten keine Gegenkandidaten an.

Als Stellvertretende Bundesvorsitzende wurden Rainer Lehni (158 von 173 Stimmen), Alfred Mrass (143), Doris Hutter (133) und Edwin-Andreas Drotleff (120) gewählt. Drotleff ist kommissarischer Bundesjugendleiter der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland und rückt nun als 26-Jähriger in den geschäftsführenden Bundesvorstand auf. Für das Amt hatte auch Andreas Roth (110), SJD-Landesjugendleiter in Bayern, kandidiert. Im Amt wurden Paul Schuster als Schatzmeister und Erhard Graeff als Schriftführer einstimmig bestätigt (siehe Zusammensetzung des Bundesvorstandes in der SbZ Online vom 17. November 2015).

Die neue Bundesvorsitzende

Die neue Bundesvorsitzende Herta Daniel wurde 1952 in Hermannstadt geboren, studierte 1971-1975 Chemie in Klausenburg und ist zurzeit als Managerin bei General Electric tätig, wo sie die Abteilungen Arzneimittelzulassung in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet. Sie ist ehrenamtlich vielseitig aktiv: 2004-2008 war sie Vorsitzende der Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen, seit 2008 ist sie Vorsitzende des Landesverbandes Bayern und seit 2011 auch Stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes. Zudem engagiert sie sich als in der Bayerisch-Siebenbürgischen Gesellschaft als Stellvertretende Vorsitzende, im Vertriebenen-/Aussiedlerbeirat des bayerischen Sozialministeriums und im Hörfunkrat von Deutschlandradio.

In den letzten vier Jahren hat Herta Daniel als Stellvertretende Bundesvorsitzende die Entscheidungen des geschäftsführenden Vorstandes mitgestaltet und mitgetragen. „Ich kann mir gut vorstellen, in diesem Gremium als Bundesvorsitzende weiter mitzuwirken“, sagte sie bei der Vorstellung ihrer Kandidatur. Das Team sei von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. „Meine Ziele für die künftige Verbandsarbeit versuche ich realistisch zu formulieren. Ich werde ein großes Augenmerk auf die Mitgliederzahlen und Mitgliederwerbung haben. Ich verspreche nicht, dass die Mitgliederzahlen steigen werden, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass das trotz der unternommenen Maßnahmen nicht möglich war. Wir werden die Jugend verstärkt in die Verbandsarbeit einbinden.“ Zudem will sie die siebenbürgisch-sächsische Traditionen pflegen und an die junge Generation weitergeben. „Wir werden einen Fokus auf die Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich auf das Internet, setzen.“ Ebenso wolle sie das Netzwerk innerhalb der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen ausbauen und die Zusammenarbeit zwischen den Gliederungen des Verbandes (Kreisgruppen, Landesgruppen, Kulturgruppen), selbstverständlich auch mit den Heimatortsgemeinschaften fördern.
Der neue geschäftsführende Bundesvorstand des ...
Der neue geschäftsführende Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland: Bundesvorsitzende Herta Daniel (3. von links) und Verbandspräsident Dr. Bernd Fabritius (4. von links), flankiert von den Stellvertretenden Bundesvorsitzenden Rainer Lehni, Doris Hutter und Edwin-Andreas Drotleff (von links). Fotos: Siegbert Bruss
Der zweite Tag des Verbandstages begann mit einer Sonntagsandacht, gehalten von Dekan i.R. Hermann Schuller, der an die schwere Zeit im Kommunismus erinnerte und sich dankbar für die heutige siebenbürgische Gemeinschaft zeigte, in der Männer und Frauen so viel Verantwortung übernehmen. Ihr Wirken an vorderster Stelle könne bei den Menschen nur dann ankommen, „wenn es von Herzen kommt“ und in ihren Dienst gestellt sei.

Politische Akzente durch Resolutionen

Zwei Forderungen an die Politik bekräftigte der Verbandstag durch einstimmig verabschiedete Resolutionen. Die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland wurde aufgefordert, „dem berechtigten Anliegen auf Entschädigung der deutschen Zwangsarbeiter gegen Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg kurzfristig Rechnung zu tragen“. Mit seinem Beschluss unterstützt der Verband der Siebenbürger Sachsen eine Resolution des Bundes der Vertriebenen (BdV), der den Bundestag und die Bundesregierung aufgefordert hatte, „endlich eine Grundlage für eine humanitäre Geste z.B. in Form eines Entschädigungsfonds für deutsche Zwangsarbeiter zu schaffen“. 70 000 Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben und andere Rumäniendeutsche waren im Januar 1945 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt worden. Seitens der Bundesrepublik Deutschland sei eine deutliche Geste der Wiedergutmachung gegenüber dieser Opfergruppe bisher ausgeblieben, sagte Bernd Fabritius. Umso erfreulicher ist es, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages wenige Tage später, am 12. November, 50 Millionen Euro für die Entschädigung der Zwangsarbeiter im Bundeshalt der Jahre 2015 bis 2017 bereitstellte und ein Zeichen der Wiedergutmachung setzte.

„Die rumänische Regierung wird aufgefordert“, so der Wortlaut einer zweiten Resolution des Verbandstages der Siebenbürger Sachsen, „die Thematik der Restitution/Entschädigung des konfiszierten Vermögens unverzüglich einer gerechten Lösung zuzuführen.“ Bernd Fabritius erklärte, dass die Entschädigung des konfiszierten Vermögens in Rumänien für die dort lebenden Landsleute und das dort vorhandene Gemeinschaftsvermögen, mit einigen Ausnahmen, im Wesentlichen gut gelaufen sei. Nicht erledigt seien jedoch die Anträge von Personen, die nicht mehr in Rumänien lebten und ihre Rechte nicht innerhalb der sehr knapp gesetzten Fristen durchsetzen konnten. „Es gibt eine große Vielzahl von Anträgen, die seit Jahren bei den Behörden liegen und nicht bearbeitet werden“, sagte Fabritius. Die Mitglieder des Verbandes werden nun gebeten, ihre offenen Restitutionsfälle mittels Vordruck an die Bundesgeschäftsstelle zu melden, damit ihre Verfahren schrittweise gelöst werden können.

Anträge und Beschlüsse für Schloss Horneck

Auffallend waren die vielen junge Gesichter unter den Delegierten, ein Zeichen, dass ein Generationswechsel in vielen Kreisgruppen zugange ist. In die Diskussionen brachte sich die Landesgruppe Baden-Württemberg als kompakte Gruppe ein, die sich um ihren Landesvorsitzenden Michael Konnerth scharte und ihren Standpunkt durch die stellvertretenden Vorsitzenden Helge Krempels und Harriet Stefani zur Sprache brachte. Mehrere Anträge der Landesgruppe Baden-Württemberg zielten darauf ab, Schloss Horneck zu fördern und den Kreisgruppen gleichzeitig ein Mitspracherecht zu sichern. Bernd Fabritius sicherte seitens des Vereins Kulturzentrum „Schloss Horneck“ klare Konzepte und eine offene Kommunikation zu, wobei der Verband als Gründungsmitglied ein starkes Mitspracherecht im neuen Trägerverein hätte. Er warb um Unterstützung auch für einen zu gründenden Förderverein, in dem die nötigen finanziellen Mittel angesammelt werden.

Eine Initiative der Landesgruppe Baden-Württemberg aufgreifend, empfiehlt der Verbandstag den Gliederungen des Verbandes das Kultur- und Begegnungszentrum Schloss Horneck durch den Beitritt in einen zu gründenden Förderverein zu unterstützen. Zudem wird den Kreis- und Landesgruppen empfohlen, zwei Prozent ihres Beitragsanteils befristet auf drei Jahre (2015 bis 2017) an den Förderverein von Schloss Horneck zu spenden. Ebenfalls auf Antrag der Landesgruppe Baden-Württemberg beschloss der Verbandstag, eine Rubrik in der Siebenbürgischen Zeitung einzuführen, in der über Veranstaltungen, Exponate etc. im Siebenbürgischen Kulturzentrum berichtet wird. Ein Vorschlag betreffend die Erhöhung des Festabzeichens für den Heimattag 2016 in Dinkelsbühl zugunsten von Schloss Horneck wurde zur Erörterung an den Heimattagausschuss verwiesen. Die Idee einer CD mit siebenbürgischen Blaskapellen wird vom Bundeskulturreferat weiterverfolgt – der Erlös des Tonträgers soll ebenfalls dem Kulturzentrum in Gundelsheim zugutekommen.

Auf Vorschlag von Dr. Volkmar Weiß, Delegierter des Landesverbandes Berlin/Neue Bundesländer, erörterte der Verbandstag, ob die Institutionen des Verbandes (Bundesgeschäftsstelle, Siebenbürgische Zeitung etc.) dauerhaft aus München nach Gundelsheim verlegt werden können. Laut Bernd Fabritius, Vorsitzender des Vereins Siebenbürgisches Kulturzentrum „Schloss Horneck“ e.V., stünde auf Schloss Horneck nicht genügend Raum für diesen Zweck zur Verfügung. Aber auch aus landsmannschaftlicher Sicht sei es nicht sinnvoll, die gute Vernetzung des Verbandes in Politik und Gesellschaft in der bayerischen Landeshauptstadt und eine selbstgenutzte, schuldenfreie Immobilie in zentraler Lage in München aufzugeben und nach Gundelsheim umzuziehen. Auf Antrag von Volkmar Weiß beschloss der Verbandstag, über das Ergebnis dieser Erörterung in der Siebenbürgischen Zeitung zu berichten. Durch eben diesen Bericht wird dem Beschluss des Verbandstages Rechnung getragen.

Das Gustav-Stresemann-Institut in Bonn bot hervorragende Tagungsbedingungen. Die Bundesgeschäftsstelle des Verbandes sorgte für eine reibungslose Organisation, unterstützt von der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, die auch die Ausstellung „Auf Heimatsuche – 60 Jahre Kohleaktion“ zeigte.

Fazit und Ausblick

In ihrem Schlusswort dankte die Bundesvorsitzende Herta Daniel für die Unterstützung der Delegierten, die die Arbeit mit der Doppelspitze möglich gemacht hätten. „Wir messen der Arbeit mit der jungen Generation eine große Bedeutung bei. Aus diesem Grund haben wir ein Kinderreferat (Ute Bako) eingerichtet, von dem wir uns neue Impulse für die Einbindung unserer Jüngsten in den Verband erhoffen. Das Referat Öffentlichkeitsarbeit wird neu besetzt mit einer ehrenamtlich Tätigen aus der SJD (Ingrid Hermann), die diesbezüglich schon Erfahrung mitbringt. Selbstverständlich werde ich mich dafür einsetzen, die Einheit der Kultureinrichtungen auf Schloss Horneck zu gewährleisten. Dieses Thema hat uns in den letzten Monaten sehr beschäftigt und wird uns noch jahrelang beschäftigen. Ich bin überzeugt, dass wir alles Begonnene mit der Hilfe unserer Gemeinschaft zu einem guten Ende bringen werden.“

Siegbert Bruss


Bilderserien:

Verbandstag der Siebenbürger Sachsen in Bonn (erster Tag)

Verbandstag der Siebenbürger Sachsen 2015 (zweiter Tag)

Schlagwörter: Verband, Verbandstag, Bundesvorstand, Herta Daniel, Bernd Fabritius

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Neueste Kommentare

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