20. Mai 2021

Besondere Zeiten, ungewöhnliche Maßnahmen: Gesamtlandesvorstandssitzung Bayern erstmals als Videokonferenz

Das Gemeinschaftsleben der Siebenbürger Sachsen ist durch die anhaltende Pandemie weitgehend stillgelegt. Der Landesverband Bayern nimmt seine Aufgaben aber auch in Zeiten der Pandemie mit dem gleichen Herzblut und der gleichen Ernsthaftigkeit wahr wie bisher. Der Landesvorsitzende Werner Kloos begrüßte am 24. April zu der Sitzung des Gesamtlandesvorstandes 35 zugeschaltete Teilnehmer: „Ich freue mich Sie/euch heute in einer besonderen Art begrüßen zu dürfen. Bis jetzt noch nie dagewesen, kommunizieren wir über eine Videokonferenz via Zoom. Besondere Zeiten verlangen auch von uns besondere Maßnahmen. Ich freue mich ganz besonders, euch alle wieder mal zu sehen und dass ihr Zeit gefunden habt, um uns auszutauschen und vielleicht auch Neuigkeiten aus dem heutigen Gespräch mitzunehmen.“ Einen Dank richtete Kloos an Harry Lutsch, den Vorsitzenden des Kulturwerkes, der diese Kommunikationsmöglichkeit für das Kulturwerk eingekauft hat und dem Landesverband zur Verfügung stellt.
Videokonferenz des Landesverbandes Bayern am 24. ...
Videokonferenz des Landesverbandes Bayern am 24. April. Bildschirmfoto von Andrea Wagner
Die Gesamtlandesvorstandssitzung, die als zweitätige Sitzung geplant war, musste pandemiebedingt auf nächstes Jahr verschoben werden. Diese Zusammenkünfte waren aus Sicht des Landesvorsitzenden „sehr wichtig und fruchtbar, weil man sich kennenlernen und austauschen konnte und vor allem konnte man durch den Austausch voneinander lernen“. Er betonte gleichzeitig, dass der Pandemie auch etwas Positives abzuringen sei, Videokonferenzen könnten persönliche Bespre­ch- ungen zwar nicht vollständig ersetzen, stellten jedoch eine sinnvolle Alternative dar. Mit diesen neuen Kommunikationsmitteln sparen wir Fahrzeiten und tun etwas für die Umwelt.

„Alles hat seine Zeit“

„Alles hat seine Zeit“ – „Suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit …“, zitierte Christa Wandschneider, Landes- und Bundesfrauenreferentin, aus dem Alten Testament in dem einführenden Geistlichen Wort. Unser „Wunschdenken“ hindere oft die richtige Sichtweise: „Wir möchten lieber finden als suchen, lieber glücklich sein als trauern. Dabei liegt womöglich gerade in diesem Geben und Nehmen, im Wechselspiel der Kräfte mehr Potenzial zum Glücklichsein als in so manchem Wunschdenken.“

„Die Begrenzungen der jetzigen Zeit, des jetzigen Alltags, trennen, hindern und stören einerseits, aber sie schützen, lenken und bewahren andererseits. Wann, wenn nicht in dieser nachösterlichen Zeit, können wir darauf bauen, dass es einen gibt, der Begrenzungen, auch die zwischen Leben und Tod, aufhebt, Einschränkungen überwindet, Trennendes vereint und Zwiespältiges versöhnt. Das öffnet unseren Blick füreinander, für die Herausforderungen dieser Zeit.“

Gedacht wurde all jener, die nicht mehr unter uns weilen, darunter Hannes Schuster, ehemaliger Chefredakteur unserer Zeitung, und der Ehrenvorsitzende Dr. Wolfgang Bonfert.

Der Landesvorsitzende eröffnete die Sitzung, begrüßte die teilnehmenden Stellvertreter, Fachreferenten und Kreisgruppenvorsitzende, die aus ganz Bayern zugeschaltet waren.

Ganz besonders begrüßte Kloos „einen Mann, der viele Jahre die Geschicke des Landesverbandes Bayern in ein gutes Fahrwasser gelenkt hat, der lange Zeit an vorderster Stelle in unserem Landesverband, in unserem Bundesverband gestanden ist und heute einer unserer Ehrenvorsitzenden ist, Herrn Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und seit kurzem wieder Mitglied des Bundestags. Dazu gratuliere ich ganz besonders.“

Entschädigungszahlungen für Kinder von Opfern politischer Verfolgung in Rumänien

Der Ehrenvorsitzende Dr. Bernd Fabritius referierte über die Entschädigungszahlungen für Kinder von Opfern politischer Verfolgung in Rumänien. Er erläuterte den Entschädigungsprozess von der Antragsstellung bis zur Auszahlung und machte darauf aufmerksam, dass bei Sozialbehörden in Rumänien der Beibringungsgrundsatz gelte und nicht wie in Deutschland der Amtsermittlungsgrundsatz. Jeder Antragsteller müsse die Sachverhalte belegen, die er geltend mache. Er unterstrich eindringlich, dass Anträge vollständig, Unterlagen in rumänischer Sprache oder gegebenenfalls übersetzt und Kopien beglaubigt sein müssen. Das erlittene Unrecht muss belegt werden. Mehrere Unrechtssachverhalte bei einer Person (zum Beispiel Russlandverschleppung, danach Zwangsumsiedlung etc.) sind in einem Antrag zu nennen und werden bei Berechnung der Entschädigung berücksichtigt. Anträge nach mehreren Betroffenen (eigener Verfolgung, nach Mutter und Vater) sind hingegen nicht zulässig, hier wird von mehreren möglichen Entschädigungen nur die Höchste gezahlt. Fabritius berichtete über erfreuliche Entwicklungen bei der Anwendung der Gesetze. Der Verband hat den Kreisgruppenvorsitzenden Handreichungen zum Thema Entschädigungszahlungen zugesandt, um die Mitglieder mit rechtlichen Informationen zu unterstützen. Auch verwies Fabritius auf die Homepage seiner Kanzlei www.fabritius.de, wo ausführliche Informationen zu finden sind.

Aus dem Verbandsleben 2020

Das reguläre Verbandsleben ruht zwar weitgehend, trotzdem haben im letzten Jahr einige Veranstaltungen stattfinden können und nach dem erneuten Lockdown hat der Landesverband versucht kreative Alternativen zu bieten.

Der Landesvorsitzende gratulierte dem wieder gewählten Kreisgruppenvorsitzenden Georg Schuster der Kreisgruppe Dinkelsbühl – Feuchtwangen und wünschte ihm auch „für die Zukunft alles erdenklich Gute und dass wir unsere Kulturgruppen nach dieser Pandemie wieder zum Leben erwecken können. So dass die heimliche Hauptstadt der Siebenbürger Sachsen wieder mit Leben erfüllt wird.“

Herzlich gratulierte Kloos auch unserer neu gewählten Vorsitzenden der SJD Bayern, Nadine Konnerth Stanila. „Wir wünschen dir und deinem Team ein glückliches Händchen bei allen euren Entscheidungen.“

Aus den Tätigkeiten des Landesverbandes seien beispielhaft einige Schwerpunkte erwähnt, so die Gründung des Kulturwerkes und die damit verbundenen unzähligen Besprechungen und die Einladung der Generalkonsulin Ramona Chiriac zum rumänischen Nationalfeiertag. Die Homepage des Landesverbandes wurde von unserem 2020 gewählten Internetreferenten, Heinz Fray, auf Vordermann gebracht. Neben Aktualisierungen wurde auch ein umfangreiches Hygienekonzept zur Verwendung bei Proben bzw. Veranstaltungen erarbeitet und online gestellt. Ein essenzielles Thema für den Fortbestand des Verbandes ist und bleibt die Mitgliederwerbung. In diesem Zusammenhang stellte die Kulturreferentin des Landesverbands Bayern, Doris Hutter, das Multiplikatorenseminar „Verbandsarbeit im 21. Jh. – Schwerpunkt Bekenntnisgeneration“ in Bad Kissingen vom 11.-13. Juni für Gruppenleiter und Funktionsträger vor.

„Siebenbürgen im Schlosshotel“ – das Projekt auf Schloss Horneck soll bei künftigen Gästen Interesse für Siebenbürgen und seine Geschichte wecken und unseren Landsleuten Heimatverbundenheit vermitteln. Das war die Grundidee, als 2019 eine Spendenaktion gestartet wurde, um Mittel für die Innenausstattung der Übernachtungs- und Funktionsräume einzuwerben. Als Dank ließ der Schlossverein die Spender einen siebenbürgischen Ortsnamen als Zimmernamen auswählen. Das Zimmer, für dessen Austattung der Landesverband Bayern gespendet hat, trägt den Namen „Mühlbach“. Anfang 2020 erstellten Christa Wandschneider und Gerlinde Zurl-Theil eine Dokumentation über Mühlbach, die als Namensschild verwendet wurde.

Der Schlossverein erweitert nun das Projekt und hat sich als Teil des Konzeptes zum Ziel gesetzt, Informationen über das Schloss, über Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen mittels einer Reihe von Publikationen bereitzustellen. Es werden darin auch die siebenbürgischen Orte vorgestellt, nach denen die Zimmer benannt wurden. Die Spender erhalten die Möglichkeit, in einem Beitrag vorzustellen, was sie mit diesem Ort verbindet. Christa Wandschneider hat einen ausführlichen Bericht für den Landesverband Bayern erstellt.

Zu den geglückten, alternativ durchgeführten Veranstaltungen zählen u.a. die Weihnachtsfeiern digitaler Art in Augsburg und Nürnberg, der digitale Muttertag in Ingolstadt oder Tanzproben per Videokonferenz. Die Kreisgruppe Augsburg kümmert sich in dieser Art um ihre Kleinsten, es werden ihnen Tanzschritte beigebracht, die sie zu Haus mit ihren Geschwistern üben können. Erfreuen konnte man sich auch an der „Klopapier Challenge“ unserer Jugend. Mancherorts wurde für die Landsleute „Essen to go“ (Mici oder Krautwickel) vorbereitet, so dass diese sich das Essen unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen abholen konnten.

Zu erwähnen ist auch das alternative Kinderseminar „Neugier wecken, Wurzeln entdecken“ in Form eines Fragebogenwettbewerbes. Für die Altersstufen der acht- bis zehn- bzw. zehn- bis 14-Jährigen wurden Fragen in sieben Wissensgebieten gestellt: je sieben spannende Fragen rund um Geschichte, Geografie, Persönlichkeiten, Kulinarisches, Märchen und Sagen, Brauchtum und allerlei Kurioses aus Siebenbürgen.

Grußwort: Sylvia Stierstorfer und Dr. Iris Oberth

Am frühen Nachmittag durften die Vertreter des Landesverbandes Sylvia Stierstorfer, MdL, Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, und ihre persönliche Referentin, Hanni Kinadeter, sowie die neue Leiterin des Kulturwerks, Dr. Iris Oberth, begrüßen. Frau Stierstorfer richtete ihrerseits einen herzlichen Gruß an alle Teilnehmer – sie zeigte sich sehr angetan und beeindruckt über die Aktivitäten der Siebenbürger Sachsen. Sie gratulierte dem Landesverband zur Gründung des Kulturwerkes und Dr. Iris Oberth zu ihrer neuen Tätigkeit. Auch die unermüdlichen Bestrebungen des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, der Teilerfolg für Aussiedler und Spätaussiedler im Rentenrecht und die Ausweitung der Entschädigung des rumänischen Staates für die Opfer politischer Verfolgung auf deren Kinder wurde angeschnitten. Nach dem Grußwort verabschiedete sich Frau Stierstorfer, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und wünschte den Siebenbürgern Erfolg bei ihrer Arbeit.

Dr. Iris Oberth ging nach ihrer Vorstellung kurz auf die bereits genehmigten Projekte ein, erläuterte den Inhalt des §96 BVFG, der Grundlage der Genehmigung ist, und unterstrich, dass die beantragten Projekte zudem einen nachvollziehbaren Bezug zum Land Bayern aufweisen müssen. Abschließend kündigte sie eine Handreichung des Kulturwerks mit wichtigen Informationen an.

Kassenbericht 2020 / Haushaltsplan 2021

Bevor die Schatzmeisterin Margit Zakel sich dem Kassenbericht 2020 und dem Haushaltsplan 2021 widmete, informierte der Landesvorsitzende über die aktuellen Zahlen des Landesverbandes. Margit Zakel hatte im Vorfeld allen Teilnehmern die Zahlenwerke zukommen lassen. Sie erläuterte die einzelnen Punkte. Der Kassenbericht wurde von Anita Deppner geprüft. Der Antrag auf Entlastung wurde einstimmig erteilt und der neue Haushaltplan angenommen.

Unter dem Punkt Verschiedenes informierte Werner Kloos über Antragsmöglichkeiten der Gewährung staatlicher Leistungen. So z.B gewährt das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat aus Anlass der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen sogenannte „Billigkeitsleistungen“, um bayerische Vereine der Heimat- und Brauchtumspflege zu unterstützen. Außerdem wurde ein Budget zur Verfügung gestellt, aus dem Heimatstuben Mittel zu ihrer Modernisierung, Digitalisierung und Bestandswahrung beantragen können.

Kloos verwies auch auf die Ausschreibung der Beisheim Stiftung für gemeinnützige Kulturorganisationen in Bayern. Sie fördert das gemeinsame Entdecken und Erleben und eröffnet jungen wie älteren Menschen Zugang zu Kunst- und Kulturangeboten. Unter dem Motto „Kulturstark“ hat die Beisheim Stiftung ein neues Förderprogramm für gemeinnützige Kulturorganisationen in Bayern und Nordrhein-Westfalen aufgelegt, um die Zukunftsfähigkeit von Kulturakteuren in der Corona-Pandemie und darüber hinaus zu stärken.

Kloos kündigte letztlich noch ein großes Vorhaben an: Das 75-jährige Jubiläum des Landesverbandes Bayern soll im Jahr 2024 gefeiert werden.

„Treu dem guten alten Brauch“

Abschließend dankte der Landesvorsitzende Werner Kloos dem Freistaat Bayern, seinem Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder und der verantwortlichen Sozialministerin Carolina Trautner von Herzen für die Förderungen und das beispielhafte Vorgehen.

Diese Förderungen, die aus bayerischen Steuermitteln kommen, wird der Landesverband gewissenhaft einsetzen, um unsere Kultur und unsere Traditionen in Bayern zu pflegen und zu erhalten und vor allem an die junge Generation weiterzugeben. Genauso herzlich dankte Kloos allen Ehrenamtlichen für die gute Zusammenarbeit: „Das ,Wir-Gefühl‘ hat unsere Gemeinschaft in Siebenbürgen stark gemacht und hat unsere Gemeinschaft über Jahrhunderte zusammengehalten – nicht nur in Siebenbürgen, auch hier in Deutschland, Kanada, den USA und Österreich hat uns der Zusammenhalt ausgezeichnet. Ich hoffe und wünsche es uns allen, dass diese Pandemie bald zu Ende geht und dass wir unsere Arbeit in unseren Kreisgruppen wieder aufnehmen können.“

Gerlinde Zurl-Theil

Schlagwörter: Landesverband, Bayern, Vorstandssitzung, digital, Online-Event, SJD, Schloss Horneck

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