29. Mai 2026
Publikumsmagnet des Heimattages: Projektgruppe Haferland bäckt Baumstriezel der Extraklasse für Schloss Horneck
Eine außergewöhnliche Idee, viel Herzblut und gelebte Gemeinschaft: Der Projektgruppe Haferland des Landesverbandes Bayern ist beim 76. Heimattag der Siebenbürger Sachsen am 23. Mai in Dinkelsbühl eine kleine Sensation gelungen. Mitten im Festgeschehen entstand ein zehn Meter langer Baumstriezel, der längste der Welt – traditionell über Kohle gebacken und anschließend gegen Spenden an die Besucher verteilt. Der Erlös kommt der dringend notwendigen Dachsanierung von Schloss Horneck zugute.

Eine Idee begeistert sofort
Den Anstoß zu diesem außergewöhnlichen Projekt gab Werner Kloos, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. Als er innerhalb der Projektgruppe Haferland die Idee vorstellte, einen zehn Meter langen Baumstriezel zu backen, war die Begeisterung sofort spürbar. Schnell war klar: Dieses Vorhaben sollte nicht nur ein Publikumsmagnet des Heimattages in Dinkelsbühl werden, sondern auch ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Engagement setzen. Gleichzeitig sollte die Aufmerksamkeit auf Schloss Horneck gelenkt werden, wo die dringend notwendige Dachsanierung finanziell noch nicht abgesichert ist. Unterstützt wurde das Projekt von Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, der die Schirmherrschaft übernahm.Bei der Organisation erhielt Werner Kloos tatkräftige Unterstützung von Astrid Göddert, Tanzleiterin der Projektgruppe. Allen Beteiligten war jedoch bewusst, dass ein solches Vorhaben ohne erfahrene Baumstriezelbäcker kaum umzusetzen wäre. Deshalb wurden Isolde und Kurt Binder sowie Ingeborg und Manfred Binder, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern, mit ins Boot geholt. Die Familien Binder verfügen über langjährige Erfahrung in der traditionellen Herstellung des beliebten siebenbürgischen Gebäcks.
Traditionelles Backen über glühender Kohle
Bei den Binders wird Baumstriezel noch ganz ursprünglich zubereitet: über Holzkohle gebacken, ständig gedreht und immer wieder mit Butter bestrichen und gezuckert, bis sich die typische goldbraune, karamellisierte Kruste bildet. Genau nach dieser traditionellen Methode wurden auch die beiden zehn Meter langen Baumstriezel in Dinkelsbühl hergestellt.Eine besondere Herausforderung war die Konstruktion des riesigen „Baumes“ sowie der passenden Grillvorrichtung. Kurt Mosberger fertigte gemeinsam mit Ernst Schüller den zehn Meter langen „Baum“ sowie die dazugehörige Grillvorrichtung an.
Für den Baumstriezel waren viele helfende Hände und sorgfältige Vorbereitungen nötig. Schnell wurde ein geeigneter Ort für die drei Workshops gefunden. Sieglinde und Kurt Mosberger erklärten sich sofort bereit, den Innenhof ihrer Firma in München zur Verfügung zu stellen – und für den Fall schlechten Wetters sogar eine Lagerhalle. Vielen herzlichen Dank für die herzliche Gastfreundschaft sowie für die Spende der Backvorrichtung! An drei Wochenenden wurden sämtliche Arbeitsschritte eingeübt, die Techniken verfeinert und die Zusammenarbeit perfektioniert. Denn bei einem Baumstriezel dieser Größe musste jeder Handgriff sitzen.
Am Samstag, dem 23. Mai, war es schließlich so weit: Vor den Augen zahlreicher Besucher wurde bei strahlendem Sonnenschein der riesige Baumstriezel gebacken. Der Duft von frischem Hefeteig und karamellisiertem Zucker zog durch die mittelalterlichen Straßen Dinkelsbühls und lockte viele neugierige Zuschauer an. Der erste Baumstriezel konnte kurz vor 11.00 Uhr von Dr. Bernd Fabritius, Michael Schmidt, Rainer Lehni und Heidi Mößner angeschnitten werden.
Die Sonne strahlte mit den Besuchern um die Wette, während bei den Bäckern die Spannung spürbar anstieg: Würde auch der zweite Baumstriezel den immer höheren Außentemperaturen standhalten? Dann kam der entscheidende Moment: Der Teig wurde sorgfältig um die Backrolle gewickelt und während des Backens immer wieder mit Butter bestrichen und gezuckert. Die 35 Helfer hielten förmlich den Atem an und hofften, dass der Teig nicht von der Rolle rutschen würde. Letztlich ging, bis auf zwei kleine Unterbrechungen, alles gut. Der goldbraun karamellisierte Baumstriezel konnte kurz nach 13.00 Uhr angeschnitten werden, im Beisein des Bundesaussiedlerbeauftragten Dr. Bernd Fabritius, Michael Schmidt, der Aussiedlerbeauftragten aus Bayern, Dr. Petra Loibl, und Nordrhein-Westfalen, Heiko Hendriks, und des Dinkelsbühler Oberbürgermeisters Dr. Christoph Hammer.

Dank an die Unterstützer
Ermöglicht wurde das Projekt durch großzügige finanzielle Unterstützung. Ein besonderer Dank gilt der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Fabritius und Kollegen, dem Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen, der Michael Schmidt Stiftung, Helmuth Gaber, Udo Müller, Sieglinde und Kurt Mosberger. Anerkennung gebührt auch allen Helferinnen und Helfern, die mit ihrem Einsatz dieses außergewöhnliche Vorhaben umgesetzt haben. Im Namen der Projektgruppe ein herzliches Dankeschön an Werner Kloos und Astrid Göddert für ihr großes Engagement, ihre Unterstützung und die wertvolle Zusammenarbeit. Ohne ihren Einsatz wäre vieles nicht möglich gewesen.Die beiden zehn Meter langen Baumstriezel waren weit mehr als nur eine kulinarische Attraktion. Sie wurden zu einem sichtbaren Symbol für Zusammenhalt, Traditionsbewusstsein und ehrenamtliches Engagement innerhalb der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft.
Passend dazu stand der Heimattag am 23. Mai im Zeichen des bundesweiten „Ehrentages“, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich des 77. Geburtstags des Grundgesetzes ausgerufen hatte. Damit wurde zugleich sichtbar, wie wichtig ehrenamtliches Engagement und gemeinschaftlicher Einsatz für das gesellschaftliche Miteinander sind – Werte, die auch dieses außergewöhnliche Baumstriezel-Projekt getragen haben.
Die Projektgruppe Haferland hat eindrucksvoll gezeigt, dass sie nicht nur tanzen kann. Mit Kreativität, Teamgeist und großem persönlichem Einsatz hat sie Menschen zusammengebracht und gleichzeitig einen Beitrag zur Dachsanierung von Schloss Horneck und damit zur Bewahrung siebenbürgisch-sächsischer Kulturgeschichte geleistet. Dieses Projekt wurde vom Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen e.V. gefördert – aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Vielen Dank dafür!
Ingeborg Binder
Bildergalerie: Längster Baumstriezel beim Heimattag in Dinkelsbühl gebacken
Schlagwörter: Heimattag 2026, Dinkelsbühl, Baumstriezel, Projektgruppe Haferland
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