17. Juni 2026

Trauer um Norbert Kartmann: Hessen nimmt Abschied

Wiesbaden – Mit einer Gedenkstunde hat der Hessische Landtag am 9. Juni Abschied von seinem früheren Landtagspräsidenten Dr. h.c. Norbert Kartmann genommen. Der CDU-Politiker ist am 23. Mai im Alter von 77 Jahren gestorben. Neben den Abgeordneten nahmen auch Angehörige des Verstorbenen, Gattin Annelie Kartmann, Tochter Magdalena und Sohn Alexander, an dem Trauerakt in Wiesbaden teil.
Norbert Kartmann, 1949 im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel als Sohn eines Siebenbürger Sachsen geboren, amtierte 16 Jahre lang, von 2003 bis 2019, als zehnter Präsident des Hessischen Landtags.

Landtagspräsidentin Wallmann: „Ein Leben im Dienst von Staat und Gesellschaft“

Landtagspräsidentin Astrid Wallmann würdigte ihren früheren Amtsvorgänger als eine Persönlichkeit, die das Landesparlament über Jahrzehnte hinweg geprägt habe. „Norbert Kartmann hat sein Leben in den Dienst von Staat und Gesellschaft gestellt. Durch diese Haltung, die sich in seinem Amtsverständnis niederschlug, und sein ausgleichendes Wesen erwarb er sich über die Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg höchste Anerkennung und Wertschätzung. Durch seine Persönlichkeit und sein Wirken hat er den Landtag maßgeblich geprägt und das Ansehen des Landesparlamentes in herausragender Weise gemehrt“, sagte die CDU-Politikerin.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann begrüßte beim ...
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann begrüßte beim Trauerakt auch die Familienangehörigen des Verstorbenen. © Hessischer Landtag
Wallmann würdigte Kartmanns Engagement für politische Bildung und demokratische Teilhabe. Während seiner Amtszeit von 2003 bis 2019, der längsten eines Landtagspräsidenten in Hessen, sei unter anderem der Neubau des heutigen Plenargebäudes entstanden. Die offene Architektur mit ihren großen Glasflächen habe seinem Verständnis von Transparenz und Bürgernähe entsprochen. Als überzeugter Demokrat und Pädagoge habe er sich dafür eingesetzt, insbesondere junge Menschen für die parlamentarische Demokratie zu gewinnen: „Da er es für grundlegend wichtig hielt, die Menschen von der Demokratie zu überzeugen, stärkte er den Bereich der Politischen Bildung und regte die Entwicklung neuer und innovativer Bildungsformate an. Als leidenschaftlicher Demokrat und Pädagoge, der dem Hessischen Landtag fast 36 Jahre lang angehörte, war es ihm ein Herzensanliegen, alle Schulformen und Altersstufen zu erreichen, um die Schülerinnen und Schüler von klein auf an unser demokratisches System heranzuführen“, betonte Wallmann.

Die Landtagspräsidentin hob überdies die Verdienste des Verstorbenen um „das europäische Projekt und die deutsch-rumänischen Beziehungen“ hervor. Für sein Engagement erhielt Kartmann 2024 die Ehrendoktorwürde der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt (siehe Bericht Parlamentspräsident a.D. Kartmann erhält Ehrendoktorwürde der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt), was ihm viel bedeutet habe. „Wir verneigen uns in stiller Dankbarkeit vor der Lebensleistung von Norbert Kartmann und werden ihm als Landtag ein stets ehrendes Andenken bewahren“, schloss Landtagspräsidentin Wallmann ihre Rede und bat die Anwesenden anschließend, sich zu einer Schweigeminute für den Verstorbenen zu erheben.
Frank Lortz, Vizepräsident des Hessischen ...
Frank Lortz, Vizepräsident des Hessischen Landtags, spricht beim Trauerakt für Norbert Kartmann im Landesparlament in Wiesbaden. © Hessischer Landtag
Landtagsvizepräsident Frank Lortz (CDU) erinnerte an Kartmanns vorbildlichen Führungsstil. „Er verkörperte stets die Präsenz der Legislative, der ersten Gewalt im Staat. Und er sah sich selbst immer als Anwalt aller Abgeordneten, ob in der Sitzungsleitung, der Geschäftsführerrunde oder in Ältestenrat oder Präsidium. Er stand für einen kollegialen Stil, für ein Miteinander in Transparenz, für klare Aussagen und Ansagen. Er lebte das Amt in großer Sachlichkeit, Disziplin aber auch mit Leidenschaft. So wird er uns in Erinnerung bleiben – als Präsident, der die parlamentarische Arbeit in unserem Landtag nachhaltig geprägt hat. Wir denken an ihn und sind ihm dankbar.“ Lortz unterstrich zudem das wichtige europapolitische Wirken Kartmanns: „sein Engagement für den Ausgleich gerade mit unseren östlichen Nachbarstaaten war nicht zu übertreffen.“ Oft habe er ihm von der Heimat seiner Vorfahren erzählt, so Lortz, Kartmann habe auch früh schon Kontakt mit dem späteren Staatspräsidenten Klaus Johannis gehabt. Auch an den Menschen Norbert Kartmann, der sehr fröhlich und humorvoll gewesen sei, erinnerte der langjährige politische Weggefährte.

Wie sein Vorredner blickte auch der frühere Landtagsvizepräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) auf die gemeinsame politische Arbeit zurück. Kartmann sei ein „prinzipientreuer Politiker und herzensguter Mensch“ gewesen, „ein bekennender Protestant“, tief verwurzelt in seiner Wetterauer Heimat und zugleich offen für Europa. Seine familiären Wurzeln als Sohn eines Siebenbürger Sachsen hätten ihn dazu bewegt, sich über viele Jahre für die europäische Verständigung einzusetzen. Mit tief bewegter Stimme sagte der Redner: „Herzlichen Dank, Norbert Kartmann. Du hast für dieses Land unheimlich viel geleistet, Norbert, du hast für den Landtag unheimlich viel geleistet, und du hast für die hessisch-europäische Verständigung unheimlich viel geleistet.“ Hahn verneigte sich vor dem neben dem Rednerpult platzierten Porträtbild des Verstorbenen.

Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde vom Wiesbadener Pianisten Alexander von Wangenheim. Ein Videomitschnitt von der würdevollen Gedenkstunde ist auf Youtube abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=npW-beiK56U.

Ministerpräsident Rhein würdigt Kartmanns „hohe Integrität“ und „klaren Kompass“

Bereits am 3. Juni haben Familie, Freunde, politische Weggefährten und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in der Evangelischen Pfarrkirche im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel Abschied von Norbert Kartmann genommen. Seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland war die Stellvertretende Bundesvorsitzende und Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Ingwelde Juchum, zugegen. Die Predigt hielt der Dekan für die Wetterau Volkhard Guth. Für den Tag der Trauerfeier hatte Hessens Innenminister Roman Poseck eine landesweite Trauerbeflaggung angeordnet.

In ihrer Ansprache hob Landtagspräsidentin Astrid Wallmann insbesondere die menschlichen Eigenschaften des Verstorbenen hervor, berichtete das Online-Nachrichtenportal Osthessen News. „Sein christlicher Glaube und sein Blick auf die Welt aus der Sicht eines Pädagogen – den er sich immer beibehielt – kennzeichneten sein Auftreten und den Umgang mit seinen Mitmenschen grundlegend. So begegnete er seinen Gesprächspartnern immer auf Augenhöhe und mit ehrlichem Interesse. Durch seine nahbare und zugewandte Art hat er die Menschen besonders erreicht und bewegt“, sagte Landtagspräsidentin Wallmann. Kartmann habe „auf die ihm ganz eigene, unnachahmliche Weise für die Demokratie geworben – stets mit klaren Worten, aber immer auch mit Gelassenheit und einer Prise Humor.“
Ministerpräsident Boris Rhein spricht beim ...
Ministerpräsident Boris Rhein spricht beim Trauergottesdienst in Butzbach für Norbert Kartmann. © Hessischer Landtag
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Kartmanns Amtsnachfolger, zollte dem Verstorbenen hohe Anerkennung: „Als Landtagspräsident hat Norbert Kartmann die parlamentarische Arbeit mit hoher Integrität geleitet – stets die Würde des Hauses und seine demokratische Funktion im Blick. Und er hatte ein offenes Ohr für alle Fraktionen, gerade das hat ihm über Parteigrenzen hinweg großen Respekt und hohes Ansehen eingebracht“. Der CDU-Politiker führte weiter aus: „Norbert Kartmann hat den Hessischen Landtag durch bewegte Zeiten geführt – stets mit einem klaren Kompass und zum Wohl unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.“

Der frühere Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erinnerte an Kartmanns Wirken in das gesamte Land hinein: „Norbert Kartmann hat über Jahrzehnte vom Ortsvorsteher bis zum Landtagspräsidenten der CDU und unserem Land gedient, Orientierung und Führung gegeben.“ Auch das gesellschaftliche Engagement des Verstorbenen wurde gewürdigt. Für das Ehrenamt sprach Andreas Ortwein vom Vereinsring Nieder-Weisel.
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier ...
Der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier erinnert an Norbert Kartmann. © Hessischer Landtag

Bundesvorsitzender Lehni kondoliert

Auch der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland trauert um Norbert Kartmann. Bundesvorsitzender Rainer Lehni sprach der Witwe Annelie Kartmann im Namen des Bundesvorstands sein herzliches Beileid und der Trauerfamilie „unser tief empfundenes Mitgefühl“ aus. In seinem Kondolenzschreiben stellte er fest: „Mit ihm verliert Hessen einen herausragenden Parlamentarier und überzeugten Demokraten, der das politische Leben über Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Sein Wirken als Präsident des Hessischen Landtags war geprägt von Würde, Ausgleich und großem Respekt gegenüber den demokratischen Institutionen und den Menschen.

Auch über die Landespolitik hinaus blieb Norbert Kartmann vielen als verlässlicher Gesprächspartner, Brückenbauer und Freund verbunden. Sein Engagement für Verständigung, Kultur und Gemeinschaft wird uns in dankbarer Erinnerung bleiben. Wir verlieren in ihm einen warmherzigen Ansprechpartner für unsere siebenbürgisch-sächsischen Belange.“

Christian Schoger

Schlagwörter: Kartmann, Landtagspräsident, Hessen, Rhein, Bouffier

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