2. Juni 2026

Norbert Kartmann gestorben

Am 23. Mai starb im Alter von 77 Jahren in einem Krankenhaus in Lich (Gießen) der frühere hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann. 1949 im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel als Sohn eines Siebenbürger Sachsen geboren, studierte er nach dem Abitur 1968 Evangelische Theologie und Physik für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen und war später als Lehrer in Hanau und Wölfersheim tätig. 1982 wurde er zum ersten Mal Abgeordneter für die CDU im Hessischen Landtag, ab 1991 war er bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, von 1999 bis 2003 deren Vorsitzender. Von 2003 bis 2019 und damit länger als jeder andere zuvor war Kartmann Präsident des Hessischen Landtags.
2024 erhielt Norbert Kartmann (Mitte) im ...
2024 erhielt Norbert Kartmann (Mitte) im Hessischen Landtag die Ehrendoktorwürde der Lucian-Blaga-Universität; links Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, rechts Prof. em. Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. Bildquelle: Hessischer Landtag, Kanzlei
Mit den Siebenbürger Sachsen in Hessen und bundesweit pflegte er über Jahre eine enge und gute Zusammenarbeit, war regelmäßig Gast und Redner beim Heimattag in Dinkelsbühl und trug dazu bei, dass das Elternhaus seines Vaters in Hetzeldorf Teil des dortigen Altenheims wurde. Als Landtagsabgeordneter setzte er sich intensiv für die Erinnerung, Bewahrung und Pflege der Kultur der Aussiedler und Vertriebenen ein und war maßgeblich am Zustandekommen der rumänisch-hessischen Regierungskommission beteiligt. Abgeordneter im Landtag blieb Kartmann bis 2022, als ein Schlaganfall ihn zum Rückzug aus der Politik zwang.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein zeigte sich tief betroffen vom Tod Kartmanns und nannte ihn einen „homo politicus durch und durch“. Er sei nicht nur ein herausragender Politiker gewesen, sondern auch ein Mensch, der sich mit Leidenschaft, Weitsicht und Verve für unser Land und seine Bürger eingesetzt habe. „Sein Engagement für die Demokratie und sein unerschütterlicher Glaube an den Dialog sind Vorbild für uns alle“, so Rhein. Hessens Landtagspräsidentin Astrid Wallmann erinnerte sich an Kartmann als überzeugten Demokraten, dem politische Bildung stets ein Herzensanliegen gewesen sei. „Er setzte sich mit großem Engagement für den respektvollen parlamentarischen Dialog, für Europa und für die Verständigung mit unseren östlichen Nachbarn ein“, so Wallmann.

Für sein Engagement wurde Norbert Kartmann vielfach ausgezeichnet. 2012 erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, 2019 den Hessischen Verdienstorden und 2020 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. 2017 wählte ihn der Vorstand des Landesverbands Hessen im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. zum Ehrenvorsitzenden der Siebenbürger Sachsen in Hessen. In Rumänien wurde er für die Völkerverständigung zwischen Hessen und Siebenbürgen geehrt: mit dem „Großkreuz des Rumänischen Nationalordens für treue Dienste“ (2017) und dem „Stern von Rumänien“ im Rang eines Kommandeurs (2018), der höchsten Auszeichnung der Republik Rumänien. Die Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt verlieh ihm 2024 die Ehrendoktorwürde. Damit schließe sich für ihn nach dem Ende seiner politischen Laufbahn ein Kreis, der die persönliche Erfahrung mit einem Teil seines politischen Engagements verbinde, sagte Kartmann damals in seiner Dankesrede. Nun hat sich auch sein Lebenskreis geschlossen. (Ein Nachruf folgt in der nächsten Ausgabe der Siebenbürgischen Zeitung.)

dr

Schlagwörter: Nachruf, Politiker, Hessen

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