7. November 2010

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Bischof Klein erfährt bei seiner Verabschiedung hohe Anerkennung

Am 16. Oktober fand die Verabschiedung von Bischof D. Dr. Christoph Klein im Rahmen eines festlich gestalteten Abendmahlsgottesdienstes in der Hermannstädter Stadtpfarrkirche, mit anschließendem Empfang im Festsaal des Bischofshauses, statt (siehe Folge 17 vom 31. Oktober 2010, Seite 1).
Es waren viele gekommen, aus der ganzen Landeskirche, Kuratoren und Presbyter, alle Pfarrer und Pfarrerinnen, der Hermannstädter Oberbürgermeister Klaus Johannis und andere Würdenträger aus Gesellschaft und Politik sowie eine ganze Reihe von Vertretern aus dem Bereich der Evangelischen Kirche Deutschlands und Österreichs. Die geladenen Gäste und die Pfarrerschaft, hatten sich vor dem Gottesdienst im Bischofshaus, zum festlichen Einzug in die Kirche versammelt. Der Festzug über den Großen Ring, voran die Pfarrer im Ornat, war für die Zuschauer sicher beeindruckend, für die Beteiligten mit geschichtsbedingten Erinnerungen verbunden, aber auch mit einer gewissen Wehmut behaftet, die sich aus dem Vorhaben einer bevorstehenden Verabschiedung ergab.

Der Einzug in die altehrwürdige Stadtpfarrkirche geschah unter den Klängen des Orgelpräludiums in h-Moll von J.S. Bach, vorgetragen von Ursula Philippi, womit der Einstieg in die erhebende Festlichkeit des Gottesdienstes mit der lutherisch geprägten Liturgie, gehalten von Stadtpfarrer Kilian Dörr, sowie den alten und doch immer neuen Gesangbuchliedern gegeben war. Musikalisch gestaltete der Bachchor unter Leitung von Kurt Philippi mit.Der Festzug mit Bischof Klein an der Spitze auf ...Der Festzug mit Bischof Klein an der Spitze auf dem Weg zur Kirche. Foto: Hannelore Baier Die Predigt hielt Bischof Klein, sichtlich innerlich bewegt, über Epheser 3,14-21. Rückblickend nahm er die zuhörende Gemeinde in die großen Dimensionen hinein, die der Predigttext aufzeichnet. Beeindruckend verband er sie mit den 20 Jahren im Bischofsamt und den 50 Jahren im Dienst der Siebenbürgischen Kirche. „So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist...“. - Die Berufung in das Bischofsamt unserer Siebenbürgischen Volkskirche vor 20 Jahren erfolgte in einer noch nie dagewesenen Situation. Die daraus erwachsenen Aufgaben und Belastungen, die es zu schultern galt, in ihrer ganzen „Breite und Länge“ bleiben unvergleichbar. Der Bischof staunte über all das, was dennoch möglich geworden ist, und führte aus: „In dieser Zeit sind Dinge wahr geworden, die wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht hätten vorstellen können.“ Dabei kamen in seinen Ausführungen die vielseitigen Erfahrungen im Verkündigungsdienst, seine umfassenden theologischen Einsichten und sein tiefer und gefestigter Glaube zum Ausdruck, die er in drei Schritten als sein von Dankbarkeit erfülltes Bekenntnis entfaltete: „Das ist ein großer Hymnus, ein Lobpreis Gottes, in dem drei entscheidende Aussagen enthalten sind. Da ist zunächst von der Kraft des Gebetes durch das Vertrauen zu Gott, dem Vater die Rede. Sodann vom Begreifen des Geheimnisses Gottes in seiner ‚Breite und Länge’ und in seiner ‚Höhe und Tiefe’, genauer, in der Erkenntnis der Liebe Christi. Und schließlich hören wir hier von einem eindrücklichen Bekenntnis zu diesem Gott, der überschwänglich gibt über alles hinaus, was wir bitten und verstehen, nach der Kraft der Gnade, die in uns wirkt. Das Vertrauen (im Gebet), die Erkenntnis (in unserem Denken) und das Bekenntnis (in unserem Leben und Handeln). Es wird mir bewusst, dass diese drei Grundpfeiler des Glaubens auch in der Amtsführung eines Bischofs entscheidend sind und auch bei mir entscheidend waren. Dieses gilt es, in dieser Stunde zu bezeugen.“

Nach der Predigt folgte in hergebrachter, sehr beeindruckender Form, die Feier des Heiligen Abendmahles, an der alle geladenen Gäste und die ganze Gemeinde teilnahmen. Den Schlusssegen sprach Bischof Klein über die Gemeinde.

Die Reihe der Grußworte eröffnete Landeskirchenkurator Friedrich Philippi mit einem herzlichen Dankeswort, indem er auf die „einmalige Situation in unserer Siebenbürgischen Kirche“ hinwies. Zumindest die beiden Vorgänger waren zum Zeitpunkt ihres Ablebens noch im Amt. Vor 20 Jahren zählte die Evangelische Kirche 100 000 Mitglieder, die von 140 Pfarrern betreut wurden, heute sind es noch 13 000 Mitglieder, die von 40 Pfarrern betreut werden. Dennoch, „wir haben gelernt, dass es weiter geht und dass Gott uns immer lehren wird, wie es weiter geht.“

Bischofsvikar Reinhard Guib dankte im Namen der Pfarrerschaft mit einem Segenswort aus 1. Mose 12,2: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Superintendentin Luise Müller grüßte aus Österreich: „Sie haben Ihre Kirche in einer schweren Zeit als Bischof mit Klugheit, mit Weitsicht und mit viel Liebe geführt. Sie haben sie nach außen in hervorragender Weise vertreten. Sie waren ein exzellenter Sympathieträger für Ihre kleiner werdende, gebeutelte evangelische Kirche. Uns, in Österreich, verbindet viel mit Ihrer Kirche. Eine nicht geringe Anzahl unserer Pfarrer ist aus Siebenbürgen gekommen. Wir haben auch noch Siebenbürger Kuratoren, die schon nach dem Zweiten Weltkrieg in unser Land gekommen sind und in unseren evangelischen Kirchen so umsichtig und selbstbewusst tätig sind, wie sie es daheim gelernt hatten. Sie wissen es, wir hatten sogar einen Bischof aus Siebenbürgen, Dieter Knall.“

Die Grüße der Evangelischen Kirchen Deutschlands überbrachte Bischof a.D. Rolf Koppe, indem er auf das herzliche Miteinander hinwies. Grußworte mit hoher Wertschätzung und Dank für eine gute Zusammenarbeit wurden vom Lutherischen Weltbund, dem Martin-Luther-Bund und vom Gustav-Adolf-Werk von Dr. Eva-Sybille Vogel-Mfato, Oberkirchenrat Norbert Denecke und Präsident Sebastian Geisler überbracht.

Dr. Hans Klein, der Leiter der „Ausbildungsstätte“ der evangelischen Pfarrer und ehemaliger Bischofsvikar, würdigte die akademische Arbeit von Bischof Klein und wies auf die zahlreichen Promotionen der theologischen Fakultät hin, die sich in der kirchlichen Arbeit segensreich ausgewirkt haben.

Oberbürgermeister Klaus Johannis sprach als Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) und würdigte Bischof Klein für die Wahrung der Identität der Rumäniendeutschen in den Nachwendejahren, die er mit Ausgeglichenheit und Weitsicht geleistet habe. In seinem Wunsch für die Zukunft sprach Johannis aus, „dass der liebe Gott den Würden- und Entscheidungsträgern so gute Entscheidungen eingibt, dass der Nachfolger auch noch einen Nachfolger im Amt habe.“ Kreisratspräsident Martin Bottesch würdigte Bischof Klein „nicht bloß als geistliches Oberhaupt unserer evangelischen Kirche, sondern auch, wie viele seiner Vorgänger, als Geistesschaffender.“

Dr. Bernd Fabritius, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Präsident der Föderation der Siebenbürger Sachsen, dankte Bischof Klein für sein Gemeinschaftsverständnis über die Grenzen hinweg: „Sie haben erkannt, dass eine Veränderung des Wohnsitzes für die meisten von uns nicht ein Verlassen der Gemeinschaft bedeutet und Sie haben niemanden aufgegeben.“

Auf der Kanzel: Bischof Klein. Foto: Hannelore ...Auf der Kanzel: Bischof Klein. Foto: Hannelore Baier Der Vorsitzende des Hilfskomitees der Siebenbürger Sachsen überbrachte herzliche Grüße vom Badischen Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, von der Präsidentin der Badischen Landessynode, Margit Fleckenstein, und vom Altlandesbischof Dr. Klaus Engelhard. Gleichzeitig sprach er seine bis in die gemeinsame Studienzeit zurückreichende Verbundenheit aus. Sein besonderer Dank galt für die theologische Aufarbeitung einer in unserer Geschichte unvergleichbaren Zeitspanne, mit dem Schwerpunkt Versöhnung und der daraus sich ergebenden ekklesiologischen Umsetzungen.

Im letzten Grußwort wünschte Dr. Raimar Kremer „im Namen des Evangelischen Freundeskreises und im Namen der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau etwas, was man sich in Israel am Vorabend des Sabbats wünscht. Möge Ihr Ruhestand voller Segen, Frieden und Gesundheit sein. Schabat Schalom!“

Bischof Klein dankte herzlich mit umsichtigen Worten: „Heute ist mir bewusst, dass mein beherrschendes Lebensgefühl die Dankbarkeit war und ist.“ Dazu gehört die gewonnene Einsicht, dass der Mensch nicht aus eigener Kraft besteht, sondern dass alles, was er besitzt, was er erreicht hat, ein Geschenk ist. Er dankte für die Würdigung als Mensch. Dabei erwähnt er alle, die zu seinem So-Sein beigetragen haben. Es ist eine lange Reihe, beginnend mit den Eltern, seiner Familie, seinen Lehrern, bis hin zu allen, mit denen er verantwortungsvoll zusammengearbeitet hat.

Klein dankte überdies für die Würdigung seiner Amtsführung. Er habe sein Bischofsamt als Einheit, als Versöhnungswerk verstanden. Dies innerhalb der Gemeinschaft zwischen den Pfarrern der siebenbürgischen Kirche und den „ausgewanderten Brüdern“, zwischen Landsleuten hier und dort. „Es hat mir geholfen, den gestörten Kontakt zu dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und weltweit schon in den ersten Jahren meiner Amtszeit wiederherzustellen.“ Auch in diesem Zusammenhang konnte er viele Frauen und Männer im In- und Ausland dankend erwähnen.

Und schließlich dankte er für die Würdigung seiner theologischen Arbeit, die im Wandel der letzten Jahre für die Kirche von besonderer Bedeutung geworden ist. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass angesichts der vielen Würdigungen nicht übersehen werden dürfe, „was in der Zeit nicht getan wurde, was nicht gelungen oder was er schuldig geblieben“ sei und bat all diejenigen, die er persönlich enttäuscht oder gekränkt habe, um Vergebung, was auch in der Feier des Heiligen Abendmahles deutlich werden sollte. Mit der Fuge in h-Moll von J. S. Bach ging die Feier in der Kirche zu Ende.

Anschließend folgte ein Empfang im Festsaal des Bischofshauses. Hauptanwalt Friedrich Gunesch dankte im Auftrag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landeskonsistorium und insgesamt in der Landeskirche und brachte dabei deren überaus herzliche Verbundenheit zu Bischof Klein mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Darum sind wir hier nicht nur Angestellte oder Mitarbeitende, Kolleginnen und Kollegen, sondern Familie und Hausgemeinde, Schwestern und Brüder, ja Gottes Hausgenossen.“

Nach der Überreichung der goldenen Ehrennadel durch den Vorsitzenden des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, Michael Konnerth, dankte Bischof Klein auch in diesem Rahmen nochmals und würdigte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne jegliche Einschränkungen. Sodann verabschiedete er sich vom Bischofsamt, indem er das Amtskreuz dem Hauptanwalt zur Aufbewahrung bis zur Einführung des neuen Bischofs am 12. Dezember 2010 übergab. (Ein einmaliger emotionsgeladener historischer Augenblick.) Zu der bevorstehenden Wahl und Einführung seines Nachfolgers wünschte er Gottes Segen.

Bei einem mit sichtbar viel Hingabe erstellten Buffet durch das Elim-Heim in Michelsberg ergaben sich noch viele gute Gespräche und Begegnungen. Es war eine würdige Feier, die dem Anlass in jeder Hinsicht entsprach und deutliche Zeichen der Hoffnung setzen konnte. Bischof D. Dr. Christoph Klein wünschen wir von dieser Stelle aus nochmals viele gute Jahre im Kreise seiner Familie und Freunde und unseres Gottes Geleit und Segen.

Hermann Schuller, Vorsitzender des Hilfskomitees

Schlagwörter: Siebenbürgen, Kirche, Bischof, Verabschiedung

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