3. Januar 2026
Nürnberg (fast) Global: Zur Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum
„Globalisierung“ ist heutzutage in aller Munde. Das Germanische Nationalmuseum belegt in der Ausstellung „Nürnberg Global 1300-1600“ anhand einzigartiger Exponate, dass Nürnberg bereits im Mittelalter weltweit vernetzt gewesen ist, wirtschaftlich und politisch ebenso wie kulturell. Qualitätsvolle Erzeugnisse der Nürnberger Handwerker waren überall begehrt, die Handelsverbindungen führten in alle Ecken der damals bekannten und ab 1492 neu entdeckten Welt. Die Patrizier der Stadt investierten in den Bergbau der Region, aber auch des Ostens und Südostens Europas, Waffen- und Sklavenhandel war ihnen nicht fremd.

In der Ausstellung wird all das mit einzigartigen Exponaten dokumentiert: Wertvolle Gemälde, Stiche, Karten oder Bücher sind ebenso zu bewundern wie herausragende Gold- und Silberschmiedearbeiten oder eine in Gold gefasste Kokosnuss.
Kurze, informative Texte und ein ausführlicher Katalog bieten wichtige Erläuterungen, weisen aber auch darauf hin, auf wessen Kosten der Nürnberger Reichtum ging, so der Juden in dieser Stadt, der Minenarbeiter und der Sklaven, mit denen gehandelt wurde. Globalisierung bedeutete einerseits Wissensaustausch und lukrativen Handel, andererseits Ausbeutung, Krieg und Tod. Gelegentlich wird auch übertrieben, etwa wenn Dürers „Vertreibung der Händler aus dem Tempel“ aus dem 37 Holzschnitte umfassenden Passionszyklus mit dem Hinweis verbunden wird, der Künstler kritisiere hier das Finanzgebaren seiner reichen Mitbürger.
„Nürnberg Global“? Leider ignoriert die Ausstellung weitestgehend die Beziehungen Nürnbergs zum Südosten Europas. Dass Mitglieder der Patrizierfamilien Haller und Stromer in Hermannstadt und Klausenburg ansässig wurden, zu Bürgermeistern aufstiegen, die Reformationsgeschichte Siebenbürgens mit geprägt und beeindruckende Architektur- und Kunstwerke hinterlassen haben, erfährt man nicht. Auch nicht, dass Veit Stoß den berühmten Krakauer Altar geschaffen hat oder dass seine Nachkommen in Siebenbürgen gelebt und als Künstler gearbeitet haben. Ebenso wenig wird auf die ungarländische Herkunft der Familie Dürer hingewiesen. In der Bibliographie des Ausstellungskatalogs vermisst man nicht nur die Monographie von Ute Monika Schwob über die kulturellen Beziehungen zwischen Nürnberg und den Deutschen im Südosten im 14. bis 16. Jahrhundert (1969) oder Christoph Machats Buch „Veit Stoss. Ein deutscher Künstler zwischen Nürnberg und Krakau“ (1984), sondern auch aktuellere Arbeiten über diese wichtige Beziehungsgeschichte von Nürnberg zu Siebenbürgen. Nur mit Mühe entdeckt der Lokalpatriot den Namen Siebenbürgen auf einigen Landkarten, auch auf dem berühmten Schöner-Globus (Abbildung) und stellt befriedigt fest, dass den Zeitgenossen die Bedeutung dieser Region für die Nürnberger bekannt gewesen ist.
Konrad Gündisch
Nürnberg Global, 1300-1600. Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Kartäusergasse 1, geöffnet bis zum 22. März 2026. Eintrittspreis: 10 Euro. Der gleichnamige Katalog ist zurzeit vergriffen, kann aber ab Januar für 48 Euro wieder erworben werden (hier geht's zur Webseite).Kostenloser Download: Das Buch kann über Open Access als pdf-Datei (19 MB) kostenlos heruntergeladen werden.
Schlagwörter: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Siebenbürgen
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