18. Juli 2019

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In 120 Jahren um die Welt: Bahnfan ersteigert Ansichtskarte von Schäßburg

Im Zeitalter der neuen Medien scheint die gute alte Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein. Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 70-jährige Erlanger liebt alte Postkarten, genauer solche mit bahnhistorischen Motiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansichtskarte aus Schäßburg. Sie zeigt den Bahnhof um 1900 mit Blick auf die Bergkirche.
„Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karten gestoßen und habe mir gesagt: ,So eine schöne Bahnhofsidylle, die muss ich haben’“, sagt der Rentner, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die Züge und Bahnhöfe Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Die gezeigte Karte war angeboten unter „Train-Station Germany“. Klebes ersteigerte sie und war leicht enttäuscht; denn auf der Rückseite stand gar nichts. Er stellte die Ansicht in ein Eisenbahn-Freunde-Forum und erhielt innerhalb kürzester Zeit den richtigen Hinweis. Nun wunderte er sich, war er doch vor über 50 Jahren in Schäßburg in Siebenbürgen. An die Bergkirche konnte er sich nicht mehr erinnern, und zu seinem Bedauern war er damals auch nicht am Bahnhof. Pech für ihn, hätte er doch da noch die Schmalspurbahn gesehen. Mittlerweile hat er aber ein Buch über die „Wusch“ im Bücherschrank. Die ersteigerte Postkarte aus Schäßburg, vorne ...Die ersteigerte Postkarte aus Schäßburg, vorne der Bahnhof, im Hintergrund die Bergkirche, ca. 1900. Sammlung Günther Klebes „Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Australien hat“, erklärt Klebes. Wie das gute Stück von Siebenbürgen nach Australien gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. „Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht“, sagt Klebes.

Der 70-Jährige sammelt nach eigenem Bekunden begeistert „alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echte Lokomotiven“. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen – die so genannten „Rotkäppchen“– neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll einschlägiger Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission, als Hobby nennt er „Bahn fahren“, und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt in der Schweiz gefahren. Günther Klebes auf einer seiner zahlreichen ...Günther Klebes auf einer seiner zahlreichen Exkursionen. Foto: privat Auch nach Rumänien war er schon mit der Bahn unterwegs – frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. 1967 wurde er gar in Bukarest verhaftet, weil er Lokomotiven im Bahnhof fotografierte.

Schlagwörter: Postkarte, Schäßburg, Eisenbahn

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