14. Mai 2026

Kirchenraum im Siebenbürgischen Museum eröffnet

Im April dieses Jahres wurde ein weiterer thematischer Raum in der Dauerausstellung des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim am Neckar fertiggestellt. Er widerspiegelt „Kirche und Kirchenraum bei den evangelischen Sachsen“. Die Eröffnung fand am 2. Mai um 14.00 Uhr vor zahlreichem Publikum auf Schloss Horneck statt. Die Neugestaltung des Siebenbürgischen Museums soll in den nächsten Monaten mit der Einrichtung eines Trachtenraumes fortschreiten. Die Kuratorin des neuen Themenabschnittes, Dr. Irmgard Sedler, Vorsitzende des Museumsvereins, hielt am 2. Mai die Eröffnungsrede, aus der im Folgenden ein Ausschnitt widergegeben wird.
Neuer Kirchenraum in der Dauerausstellung des ...
Neuer Kirchenraum in der Dauerausstellung des Siebenbürgischen Museums. Fotos: Werner Sedler
Die Einrichtung hält dem heutigen Betrachter, der hier mitten hineingehen kann, einen in Zeiten und über Generationen hinweg gewachsenen und sich wohl auch verändernden Kirchenraum den Spiegel einer im Glauben gewachsenen Gemeinschaft vor. Die museale Ausstattung dieses Kirchenraumes ist eng angelehnt an die spezifisch siebenbürgisch protestantische Kirchenraumgestaltung bei den Sachsen, der Ort einer im gottesdienstlichen Erlebnis versammelten Gemeinschaft und zugleich der Ort gesellschaftlicher Vergewisserung des Dienens im Glauben. Er widerspiegelt das unverwechselbar protestantisch-lutherische Glaubens- und Weltverständnis, das im Laufe der Jahrhunderte zur wichtigsten Komponente sächsischer Identität geworden ist. Dieses formte, entlang der Dogmen unserer evangelischen Kirche in Siebenbürgen, das kollektive Moralverständnis, die Handlungsmuster der Menschen, die Sicht auf den eigenen Lebensvollzug – all das festgehalten in Riten und Zeremonien.

Im Kirchenraum der evangelischen Kirche in Siebenbürgen kristallisierte sich jene „Schmuckfreude der Protestanten“, die in der ästhetischen Aufwertung der Einrichtungsgegenstände die Würde des Gotteshauses zu unterstreichen vermag. Dieser Kirchenraum vereint bis heute vorreformatorische Ausstattungselemente mit ­späteren, der evangelischen Konfessionsausübung zugehörigen, zu einem allmählich gewachsenen, spezifischen Raumprogramm. Das Kircheninnere ist in der Essenz dem kultischen Zweck untergeordnet, doch gilt es zugleich mit seiner allgemein christich-symbolischen Aussage der Veranschaulichung des Himmlischen Jerusalem. Innerhalb der Kirchenmauern sollen die Gläubigen vom irdischen Dunkel zum göttlichen Licht geführt werden. Beim Durchschreiten des Kirchenraumes vom dunkeln Westportal als Grenze zur „Welt“, hin zum Altar im lichtdurchfluteten Chor im Osten, vollzieht sich zeichenhaft das menschliche Leben im Werden und in der Hoffnung auf dessen gottgefällige Vollendung des Irdischen im Ewigen. Der Weg führt vom Taufbecken des Anfangs hin zum Altar, dem Symbol der Nähe Gottes und des Paradieses. Der Kirchenraum gilt als „Vorhof in das Heilige“.
Besucher des Kirchenraums am 2. Mai auf Schloss ...
Besucher des Kirchenraums am 2. Mai auf Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar
Der Kirchenraum im Siebenbürgischen Museum fügt ausschließlich originale Gegenstände aus Kirchen in Siebenbürgen zusammen. Da steht der Altar aus dem ehemaligen sächsischen Rethersdorf im Harbachtal (18. Jahrhundert) mit einem im Brukenthalmuseum restaurierten Seidenbehang aus Stolzenburg (ebenfalls 18. Jahrhundert) und einem Lesepult aus Draas (17. Jahrhundert); die typische Amtstracht eines siebenbürgisch-evangelischen Pfarrers als Winter- und Sommerornat – letzteres mit einem bei Sakrament-Handlungen angelegten „Kätzel“ aus Langenthal. Taufbecken und Aufstecktafel aus dem nordsiebenbürgischen Oberneudorf haben in unserem Hause wieder eine angemessene Heimat gefunden, wie vieles andere auch. Als kostbares vorreformatorisches Erbe spricht einen die Pietà an und kündet von Kunstgefühl früherer Generationen von Kirchgängern.

Da die Gemeinschaft im evangelisch-christlichen Glauben immer auch die aus dem irdischen Lebensvollzug ins Ewige Hinübergegangenen miteinschließt, ist der Kirchenraum in Siebenbürgen stets auch ein Gedächtnisort. Hier bewahrt sich das Andenken an die Verstorbenen. Die Verstorbenen sollen jedoch nicht durch ein Bild, sondern über das Wort vergegenwärtigt werden. Die Worte – schön gestickt oder aufgemalt, formulieren die Glaubenszuversicht an die Auferstehung und die Freude im paradiesischen Jenseits. Trost im Hinblick auf den Tod spricht aus den gestickten Kanzel- und Altarbehängen, den Erinnerungstafeln, Taufbecken-Abdeckungen. Diese Erinnerungskultur, ablesbar an den vielen Inschriften im Raum, macht das Innere unserer Kirchen unverwechselbar.

Schlagwörter: Siebenbürgisches Museum, Kirche, Irmgard Sedler

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