28. Juni 2006

Leserecho: Erinnerungen an Fußball-Weltmeisterschaften der 80er Jahre

Wenn am 15. Juli die nächste Folge unserer Zeitung erscheint, werden schon einige Tage seit dem Endspiel dieser WM vergangen sein. Der graue Alltag mit seiner Arbeit, mit Problemen und vielen neuen Nachrichten hat uns wieder. Nach vier überzeugenden Spielen hat die deutsche Elf das Viertelfinale erreicht und tritt am 30. Juni gegen Argentinien an. Hoffen wir, dass es auch weiter so gut läuft und wir am 9. Juli vielleicht sogar ein Finale mit unserer Mannschaft gesehen haben werden.
Dass aber ein richtiges Fußballfieber ganz Deutschland gepackt hatte, kann wohl niemand verneinen. Ein Monat lang sahen wir, wie in Stadien, auf Plätzen und in Straßen, hunderttausende Fußballfreunde und Fans, friedlich und fröhlich ihre Mannschaft anfeuerten und feierten. Auch immer wieder erschienen im Fernsehen und in Zeitungen Bilder, die keines Kommentars bedurften. Jugendliche und Fans in landesspezifischer Kleidung und Farben mit Fahnen und Symbolen, die fröhlich und gemeinsam sangen, tanzten und friedlich feierten.

Alles ist vorbereitet. Man wartet auf den Spielbeginn des Finalespiels Deutschland-Argentinien auf den Höhen der Südkarpaten (Fogarascher Berge).
Alles ist vorbereitet. Man wartet auf den Spielbeginn des Finalespiels Deutschland-Argentinien auf den Höhen der Südkarpaten (Fogarascher Berge).

Diese Ereignisse und Feststellungen und ein vor ein paar Tagen entdecktes Foto erwecken bei mir Erinnerungen an zwei Weltmeisterschaften: Spanien 1982 und Mexiko 1986, als wir in Siebenbürgen und die ganze Bevölkerung des Landes kein einziges Spiel dieser Meisterschaften im staatlichen Fernsehen, und wie wir uns erinnern, es gab ja nur dieses, sehen konnten. Unser ehemaliger Diktator Nicolae Ceauşescu und seine Regierung erlaubten und gönnten ihrem 22 Millionen Volk nicht, diese großen internationalen Sportereignisse mitzuerleben.

Glück aber hatten wir in unserem ehemaligen Heimatstädtchen Heltau mit zwei begabten Bastlern. Der Elektriker Gustav Mesch und sein Schwager Dieter Schmidt, leider verstarb er Ende Mai 62-jährig in Nagold, erdachten und konstruierten eine Antenne, besorgten einen kleinen Fernseher und Strom lieferte eine Autobatterie. So ging es dann per Motorrad oder Auto in Richtung Roter-Turm-Pass. Bei Caineni überquerte man den Alt, nach ca. 15-20 km auf schlechter Schotterstraße erreichte man die Ausläufer der Fogarascher Berge, wo man auf 1 000-1 200 m das bulgarische oder jugoslawische Fernsehen empfangen konnte. So drückten wir dann dort oben der deutschen Mannschaft die Daumen und feierten jedes Tor oder gewonnene Spiel. In guter Erinnerung geblieben ist mir das Halbfinale Bundesrepublik Deutschland - Frankreich (5:4) nach Elfmeterschießen in Spanien 1982 sowie ebenfalls das Halbfinale Deutschland - Frankreich (2:0) und das Finale Deutschland-Argentinien (2:3) in Mexiko 1986. Maradona war damals der große Star bei Argentinien.

Erich Simonis, Nufringen

Schlagwörter: Leserecho, Fußball

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