22. Juli 2007

DAV-Jahrbuch 2005/2006 dokumentiert 20-jährige Vereinstätigkeit

Das Warten auf das Doppel-Jahrbuch 2005/2006 der Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins, das seit einigen Monaten vorliegt, hat sich gelohnt. Es bietet – wie die bisherigen Ausgaben – eine kurzweilige und interessante Lektüre für alle Wander- und Bergfreunde. Diesmal ist das Jahrbuch jedoch weit mehr: eine Dokumentation von 20 Jahren erfolgreicher Tätigkeit der im November 1986 als „Siebenbürgischer Alpenverein“ gegründeten heutigen Sektion des Deutschen Alpenvereins.
Die ersten Beiträge des hier vorzustellenden Jahrbuchs dokumentieren die Festversammlung im März 1986 in Geretsried aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums: die Ansprachen des Vorsitzenden Manfred Kravatzky und des Ehrenvorsitzenden Hans Bergel. Letzterer geht auch auf die Kontroverse über die Einbeziehung Siebenbürgens in die Konvention zum Schutz der Karpaten ein und würdigt Leben und Wirken des im Jubiläumsjahr verstorbenen Bergpioniers Heinrich Harrer. Daran schließen sich Grußworte von Dr. Paul Jürgen Porr, dem Vorsitzenden des „Schwesterverbandes“ Siebenbürgischer Karpatenverein, und Dr. Bernd Fabritius namens der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen an. Aufgelistet werden die aus Anlass dieses Jubiläums gewürdigten Mitglieder. Das Grußwort an die Alpingruppe Adonis wird leider ohne Namensnennung abgedruckt. Die Gruppe wurde ebenfalls vor 20 Jahren in Mediasch gegründet und ist inzwischen als Teil der Sektion Karpaten in Deutschland aktiv.

Es folgen mehrere beeindruckende Berichte von Bergbesteigungen, Wandertouren und Reisen. Erich Bonfert berichtet über die Besteigung des Ama Dablam (6 812 m) im Himalaya; Inge Bonfert über Trekking im Himalaya. Reinhold Kraus hat die zwei höchsten Berge Afrikas und den höchsten Gipfel Südamerikas (Aconcagua, 6 962 m) bestiegen. Rüdiger Galtz schreibt unter dem Titel „Auf zum Kilimandjaro!“. Anschließend kommt erneut Reinhold Kraus zu Wort: gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Alpingruppe Adonis hat er das Matterhorn und die Dufourspitze erklommen. Über eine Wanderwoche im Val d’Anniveires im Wallis berichtet Erich Simonis. Karin Scheiner hat einen Beitrag über ihre Reise um den Globus verfasst, Anja Slowinski berichtet über einen Wanderaufenthalt im Karpatenbogen und Uwe Konst über Spurensuche an der polnischen Ostseeküste. Annemarie Schiel erinnert sich an ihre Mont-Blanc-Besteigung vor 40 Jahren. Stellvertretend für die eindrücklichen Schilderungen sei ein Satz aus dem Himalaya-Bericht von Erich Bonfert zitiert: „Die Route von L2 nach L3 ist durch ihre abwechslungsreiche Gestaltung ein Cocktail von physischer Herausforderung, intellektueller Konzentration und Phantasie und einem emotionalen Erdbeben.“ (S. 43) Hervorzuheben sind auch die inhaltsreichen Hintergrundinformationen in der Beschreibung von Reinhold Kraus (S. 60 ff.). Es folgen mehrere literarische Beiträge.

Wissenschaftlichen Ansprüchen genügen die nun folgenden Beiträge: Heinz Heltmann beschreibt den Hohenstein bei Kronstadt und die Geschichte seiner botanischen Erschließung. Gustav Servatius thematisiert die vulkanischen Gebirge der Ostkarpaten, Gerhardt Hochstrasser geht auf die ausgestorbenen Lokalpopulationen des Alpenschneehasen und des Alpenmurmeltieres im Retezat-Gebirge als neue Unterarten gemäß zoologischer Nomenklatur ein. Sehr beeindruckend sind die Berichte und Aufstellungen im letzten Teil des Jahrbuchs, da sie das umfangreiche Touren- und Veranstaltungsprogramm der Sektion belegen: Jugend informiert – Bericht über die Aktivitäten 2005, Gardaseewoche vom 13.-21. August 2005, Cluburlaub im Berghotel Rudolfshütte, Internationaler Jugendtreff in Bad Hindelang, Vorstellung der Tourenleiter, Tätigkeiten und Ereignisse 2004 und 2005 (10 Seiten!), Veranstaltungsprogramm 2006.

Gewürdigt wird Alfred Prox als „unermüdlicher Forscher und Förderer“; erinnert wird an Hans Mantsch, den durch einen Autounfall verstorbenen Vorsitzenden des Siebenbürgischen Karpatenvereins. Dass viele Mitglieder das Sektionsleben aktiv mitgestalten, zeigt auch die lange Liste von mehr als 20 Autoren am Ende des Jahrbuches. Das Vereinsorganigramm mit Anschriften, die Liste der Ehrenmitglieder, Geburtstagsjubilare und neue Mitglieder sind Informationen eher für den internen Gebrauch der Mitglieder, zeigen aber auch, dass alle Altersklassen vertreten sind und immer wieder neue Mitglieder gewonnen werden können. Der guten Ordnung halber sei auf eine kleine Unstimmigkeit hingewiesen: Im Bericht von Manfred Kravatzky ist einmal von Hans Zerelles und wenige Zeilen später von Klaus Zerelles als Sektionsvorsitzendem die Rede (S. 12). Es handelt sich dabei vermutlich um dieselbe Person.

Das Jahrbuch kann zum Preis von 12 Euro (einschließlich Versand) bestellt werden bei: Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins e.V., Tuchinger Straße 23, 85356 Freising.

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Schlagwörter: DAV, Karpaten, Jahrbuch

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