6. Januar 2026

Sektion Karpaten des DAV: Mein Abenteuer in den Karpaten

Die Karpaten haben mich schon lange fasziniert – so wild und unberührt, ein Traum für jeden Bergsteiger. Mein Bergkamerad Alex, der in Rumänien aufgewachsen ist, teilt diese Leidenschaft. Er schlug vor, die Karpaten als Alternative zu den Allgäuer Alpen zu erklimmen. Bei unserer Recherche stießen wir auf die Sektion Karpaten des DAV mit Sitz in München. Meine karpatischen Träume schienen Wirklichkeit zu werden.
Kurz darauf meldete ich mich zu dieser Veranstaltung an. Die Freude war riesig, als die Bestätigung für die Reise kam. Ich zählte die Tage bis Anfang August. Elf Bergsteiger hatten sich angemeldet. Der Leiter der Sektion Karpaten, Hans Werner, hatte alles perfekt organisiert. Unsere Unterkunft in Hermannstadt/Sibiu lag in der Nähe des Fußballstadions, aber die beeindruckende Altstadt war gut zu Fuß zu erreichen. Der erste Eindruck war überwältigend.

Elf Teilnehmer trafen sich am ersten Morgen zum gemeinsamen Frühstück. Es gab Omelett, Spiegelei, Gurken, Tomaten, Brot, Marmelade und Honig – eine stärkende und für mich etwas ungewohnte Mahlzeit. Am Vormittag erkundeten wir die bezaubernde Altstadt von Hermannstadt. Der Obstmarkt in der Unterstadt war ein echtes Erlebnis für die Sinne. In der schlichteren Johanneskirche entdeckten wir ein deutschsprachiges Büchercafé, in dem ich mich sofort wie zu Hause fühlte. Später erfuhren wir, dass traditionelle Handwerker wie Schmiede und Zimmerleute hier Station machten, um ihr Handwerk zu demonstrieren. Unser Abendessen im Restaurant „Hermania“ rundete den Tag ab. An den Wänden hingen sieben Wappen-Gemälde, welche die sieben mittelalterlichen Burgstädte symbolisieren und der Region den Namen Siebenbürgen gaben. Am darauffolgenden Tag machten wir uns auf den Weg nach Schäßburg (Sighișoara), das 82 Kilometer entfernt liegt und als Heimat des legendären Grafen Dracula gilt. Unterwegs machten wir eine kurze Rast im sächsischen Birthälm, einer historischen Siedlung, wie man sie oft in Siebenbürgen findet. In Schäßburg beeindruckte uns die mittelalterliche Altstadt, die wie eine Burg auf einem Hügel liegt. Unsere Stadtführung mit Peter Suciu war lehrreich und spannend. Er erzählte uns von der bewegten Geschichte der Stadt, die von vielen verschiedenen Herrschern geprägt wurde.
Am Negoiu-Gipfel in den Fogarascher Bergen.	Foto: ...
Am Negoiu-Gipfel in den Fogarascher Bergen. Foto: Detlev Antosch
Nun folgte der Aufbruch in die Fogarascher Berge, der mit einer Rundtour begann: die Besteigung des Gipfels Negoiu (2535 m) und der Übergang über den Ostgrat (Kirchendach) zum Gipfel Serbota (2306 m). Das trockene Wetter war ideal. Schon nach einer Stunde entdeckten unsere „Bärensucher“ einen Braunbären am gegenüberliegenden Hang. Ich war anfangs skeptisch, aber es war tatsächlich einer.

Nach einem steilen Aufstieg über Blockschutt erreichten wir um 12:00 Uhr den Sattel auf 2320 m. Nach einer leichten Kletterei standen wir auf dem Gipfel des Negoiu. Der schmale, felsige Grat zum Serbota war mit Ketten gesichert und bot immer wieder Klettereinlagen. Um 15.30 Uhr standen wir glücklich auf unserem zweiten Gipfel und bewunderten die rumänische Bergwelt. Auf dem Rückweg zur Hütte kamen wir an Heidelbeersträuchern vorbei. Die meisten Beeren waren schon von Bären gefressen worden, was uns beruhigte, denn wo die Bären satt sind, ist der Weg sicher. Nach einer neunstündigen Tour freuten wir uns auf den nächsten Tag, der noch besseres Wetter versprach.

Nach einem zeitigen Start erreichten wir nach einer Stunde die Rinne „Strunga Ciobanului“, die mit Ketten gesichert ist. Dank meiner Klettererfahrung war diese Passage kein Problem. Auf unserer Tour umrundeten wir den Negoiu-Gipfel und sahen ihn von einer ganz neuen Seite. Wir kamen an einem Karsee, dem „Lac Caltun“ (2135 m), vorbei, wo eine Biwakschachtel, das „Rifugio Caltun“, Schutz vor Wind und Wetter bietet. Kurze Zeit später standen wir auf dem ersten Höhepunkt des Tages, dem Gipfel Laitel (2390 m). Es folgten weitere Gipfel wie der Vf. Laita (2397 m) und der Vf. Faltinul (2399 m). Nach über acht Stunden sahen wir endlich unser Ziel: den Balea Lac (See) mit all den Touristen. Der Anblick von oben war so beeindruckend, dass wir verstanden, warum dieser Ort so viele Menschen anzieht, auch wenn wir die Stille unserer bisherigen Route genossen haben.

Am nächsten Tag führte uns der Aufstieg zu einem wunderschön gelegenen See, dem „Lac Capra“ (2249 m). Dort steht ein Denkmal für fünf Bergsteiger, die bei ihrer Himalaya-Vorbereitung von einer Lawine überrascht wurden. Der wolkenlose Himmel versprach einen herrlichen Wandertag. Die abwechslungsreiche Route mit ausgesetzten Kletterstellen bereicherte unsere Etappe zum nächsten Gipfel, dem Vf. Arpasu (2468 m). Nach einer kurzen Pause näherten wir uns unserem Tagesziel. Die Cabana Podragul liegt idyllisch in einem geschützten Talkessel. Nach einem Abstieg von 171 Höhenmetern und einer siebenstündigen Wanderung war das wohl einer der schönsten Abschnitte der Tour.

Tags darauf gaben uns das perfekte Wetter und die Vorfreude auf den höchsten Gipfel Rumäniens die nötige Energie. Obwohl wir uns auf 2136 Metern Höhe befanden, lagen noch etwa zehn Stunden Wanderung vor uns. Wir stiegen zum Gipfel Vistea Mare auf, um dann in einer leichten Kletterpassage den Moldoveanu (2544 m) zu erreichen. Wir hatten Glück: Der Gipfel war nicht überlaufen, und die atemberaubende Weitsicht entschädigte für alle Mühen. Der Abschied fiel schwer. Nach einer wohlverdienten Pause am Pass „Fereastra Mare a Sambatei“ (2188 m) sahen wir unser letztes Quartier. Nach zehn Stunden und 1150 Höhenmetern war dies für mich die längste und schönste Etappe. Einen Tag später, nach anderthalb Stunden Marsch auf einem Forstweg erreichten wir die kleine Siedlung „Floarea Reginei“, wo wir abgeholt wurden, um nach Hermannstadt zurückzukehren. Fazit: Diese viertägige, anstrengende und beeindruckende Tour in den Fogarascher Bergen hat sich absolut gelohnt. Unsere Gruppe, in der wir uns zunächst fremd vorkamen, wuchs zu einem harmonischen und verständnisvollen Team zusammen. Hans Werner war ein hervorragender Leiter, mit dem ich mich jederzeit wieder auf eine Tour begeben würde. Die insgesamt 39 Stunden Gehzeit und 5 896 bewältigten Höhenmeter waren ein unvergessliches Abenteuer. Die Krönung war es, den höchsten Punkt des Landes zu erklimmen.

Arthur Häusle

Schlagwörter: DAV, Sektion Karpaten des DAV, Karpaten

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