8. Februar 2026

Das neue Jahr(buch) ist da

Auf 288 Seiten entführt uns das buntbebilderte Deutsche Jahrbuch 2026 auf eine spannende Reise durch das ganze Land. „Was wird uns 2026 bringen?“ – Weiterkämpfen! Diese Frage stellt, wie jedes neue Jahr, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Dr. Paul-Jürgen Porr. „Ein finanziell und wirtschaftlich schwieriges Jahr, weil den Spaßmaßnahmen (der Regierung) kaum Reformen gefolgt sind“, kündigt er an.
Was das Forum betrifft, „werden auch wir den Gürtel enger schnallen müssen.“ Denn ein „sehr großes Problem für uns ist ein Gesetzesentwurf, der seit Monaten aufliegt, betreffend die Reduzierung der Anzahl der Parlamentarier auf 300. Das heißt, dass die Fraktion der Minderheiten mit ihren 18 Stimmen praktisch verschwinden wird, was ein klarer Rückschritt der Demokratie wäre. Rumänien hat sich mit gutem Recht immer mit seiner hervorragenden Minderheitenpolitik gelobt – und jetzt?“ Andererseits ist das Forum „gut organisiert wie nie“, genießt ein hohes Ansehen, „bei politischen Besuchen in das oder aus dem deutschsprachigen Mitteleuropa sind Forumsvertreter stets mit dabei. Das Forum ist ein gefragter Partner bei der rumänischen Mehrheit und anderen Minderheitenverbänden – ein doppelter Brückenbauer“, versichert Porr im Interview zum 35. Forumsjubiläum. Man wird weiterkämpfen, denn „das Forum ist letztendlich ein politischer Verband und nicht nur ein ‚Sing- und Springverein‘ und will es auch weiter bleiben!“, so Porr.

Die neue deutsche Botschafterin in Bukarest, Angela Ganninger, findet trotz angespannter Weltlage Worte der Zuversicht. „Präsident Dan ist sehr früh in seiner Amtszeit nach Deutschland gereist und hat den Austausch mit Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzler Merz gesucht.“ Anlässlich seines Besuchs wurde ein Aktionsplan unterzeichnet, der die deutsch-rumänische Zusammenarbeit „in zahlreichen Feldern ganz konkret fördern und vertiefen soll“.

„Es muss sich einiges ändern in diesem Land“, sagt der parlamentarische Abgeordnete der deutschen Minderheit, Ovidiu Ganţ, im Interview mit Hannelore Baier über Rumänien. Ganţ ist inzwischen im sechsten Mandat und hat Staatspräsident Dan auf seinem Deutschlandbesuch begleitet. Auch er sieht diesen Aktionsplan, der „vor allem auf den Ausbau der Rüstungskooperation, der Förderung von Investitionen“ abzielt, als „von Bedeutung“. Zum 35-jährigen Bestehen des Forums zeigte er sich „immer wieder erstaunt, dass diese großartige Arbeit eine Handvoll Menschen, sehr viele davon ehrenamtlich, leisten. Ohne sie und ihren Enthusiasmus würde das Deutsche Forum in dieser Form nicht bestehen und so viel leisten können.“

Eine gewichtige Stimme für die deutsche Minderheit auf europäischem Niveau erhielt der Geschäftsführer des DFDR, Benjamin Józsa, im November 2025: Er wurde zum Sprecher der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (AGDM) in der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) gewählt. Auch er äußert sich im Interview mit Hannelore Baier zum 35. Forumsjubiläum: „Mir sind noch einige Jahreszahlen präsent, zu denen spätestens und pünktlich das Licht ausgehen sollte. Und siehe da, wir sind noch da und aktiv wie eh und je.“ Also: Weiterkämpfen!

Mit einem anderen Jubiläum geht es im ersten Kapitel, „Im Dienst der Gemeinschaft“, weiter: 70 Jahre Germanistik in Temeswar. Ștefana Ciortea-Neamţiu lässt Univ.-Lekt. Dr. Mihaela Șandor, Leiterin des Fachbereichs Germanistik an der West-Universität Temeswar, die Sternstunden Revue passieren. Eines der jüngsten Produkte: Die Studentenzeitung „UVTLIT Kompass“, finanziert vom DFDB, erscheint seit 2021 in Zusammenarbeit mit der Banater Zeitung.

Besonders spannend liest sich das Gespräch, das Raluca Nelepcu mit ihrem Doktorvater, dem Historiker Prof. Dr. Rudolf Gräf, Leiter des Forschungsinstitutes für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie in Hermannstadt, führte.

Weiter geht es mit einem 80. Geburtstag: dieselbe Autorin stellt Prof. Dr.-Ing. Radu Băncilă, Professor an der TU Politehnica in Temeswar vor.

„Der Hungerengel ist nicht vergessen“, versichert Aurelia Brecht, auch nicht nach 80 Jahren seit Beginn der Russlanddeportationen der Deutschen aus Rumänien. „Der 13. Januar 1945 hat sich bis heute in das Gedächtnis der Rumäniendeutschen eingebrannt. An dem Tag begannen die Deportationen“, heißt es in den Hermannstädter Gesprächen zwischen Hannelore Baier, Stadtpfarrer Kilian Dörr und der 94-jährigen Helga Pitters, die 14 Jahre alt war, als ihr Vater deportiert wurde.

Zara Chișevescu, eine junge Stimme mit Weitblick, stellt Andreea Oance vor. Die Schülerin des Temeswarer Nikolaus-Lenau-Lyzeums hat als vielfach preisgekrönte Rednerin und Debattiererin Europas Bühnen erobert. Außerdem ist sie Chefredakteurin der Schülerzeitung und macht Freiwilligenarbeit für den Robotics Club. Verbindendes Element in allen ihren Aktivitäten ist ihre Schule und die deutsche Sprache.

„Europa ohne Rumänien wäre viel ärmer“, meint der deutsche Journalist Thomas Wagner im Gespräch mit Andreea Oance in zweiten Kapitel „Aus Stadt und Land“. Er berichtet seit drei Jahrzehnten im Deutschlandfunk über Rumänien.

Mit einem Familienmythos aus Hermannstadt um 1849 befasst sich Joachim Wittstock in „Der Feldherr in Bedrängnis“. Und stellt am Ende klar: General Josef Bem gehörte nicht zu den in Arad erschossenen Generälen der Revolutionsarmee. Nach vergeblichen Versuchen, eine Niederlage seiner Truppe zu vermeiden, ist ihm die Flucht gelungen, und er trat – nach seiner Konversion zum Islam – in den Heeresdienst des Osmanischen Reiches ein ...

Historisch geht es weiter: mit einer Episode aus dem Leben von Stephan Ludwig Roth, erzählt von Udo W. Acker. Auf seiner Reise aus Siebenbürgen 1817 an seinen Studienort Tübingen wohnte er in Salzach einer öffentlichen Hinrichtung bei. In „Reschitza, wo sonst?“ will Anton Sterbling mit Kultur und Kunst die Schatten der Ideologie des Kommunismus besiegen. Dabei helfen Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Rolf Bossert, einen langfristigen Erinnerungskreis zu schließen.

Zurück in die Gegenwart holt uns Aurelia Brecht mit einem Festival für Jugendliche, das Gemeinschaft formt: dem „Holzstock“ in der Kirchenburg von Holzmengen/Hosman. Wie das geschieht, erzählen begeistert die Organisatoren Winfried Ziegler und Paul Dărășteanu. Auf eine zum Hinknien schöne Fototour durch Reichesdorf/ Richiș, die besondere Momente für die Nachwelt bewahrt, lädt der Fürther Fotograf Robert Söllner ein, der sich dort ein Ferienhäuschen gekauft hat. Hier gehört es zum Dorfbild, dass auch mal ein Schwein durch die Straßen läuft oder eine Ziege an der Leine spazierengeführt wird, erzählt er Krisztina Molnár – und liefert den Beweis.

An seine spannende und komplizierte Aussiedlung nach Deutschland erinnert sich Horst Peter Hann – mit geschmuggeltem Meerschweinchen Erich und 88-jähriger Mutter, die am Dresdner Bahnhof um drei Uhr morgens aus überlebenstechnischen Gründen öffentlich aus der Schnapspulle trinken musste.

Was einen Japaner und eine Ungarin, inzwischen ein Ehepaar, dazu bewegt, rumänischen Schülern an einer Schule in Neumarkt/Târgu Mureș deutsche Volkstänze beizubringen, verrät ebenfalls Krisztina Molnár. Das Kapitel schließt mit einem Tabuthema: „Bitteres Wasser“ musste Ursula Philippi schmecken und will nicht mehr schweigen.

Weiter geht es mit 110 Jahren Luftfahrtgeschichte im Banat, dokumentiert von Raluca Nelepcu. Bildgewaltig berichten Ștefana Ciortea-Neamţiu über die Restaurierung der Lutherbibel im Nationalmuseum im Banat und Astrid Weisz von einer Ausstellung über tausend Jahre Glaubensgeschichte im katholischen Bistum Tschanad. Den Spuren rumänischer Theatergeschichte folgt Wolfgang Wittstock, 210 Jahre ist es her, seit die Schäferidylle „Myrtil und Chloe“ in Jassy uraufgeführt wurde. Eine originale Stimme aus der Vergangenheit stellte uns der Direktor des Bukarester Stadtmuseums, Dr. Adrian Majuru, zur Verfügung: die humorvollen biografischen Aufzeichnungen des Bukarester Landschaftsarchitekten Friedrich Rebhuhn (1883-1957). Das dritte Kapitel schließt Klaus Fabritius mit einem fast 300 Jahre alten Reiseführer durch Europa ab, der auch „Bucherest“, „Jas“, „Medwisch“, Schäßburg, „Clausenburg“, „Hermanstadt“ und „Cronstadt“ erwähnt.

Einige Highlights aus den weiteren Kapiteln: „Das Herrenhaus hinter den Wäldern“ stellt den historischen Hintergrund der Bukowina um das Czernowitz von 1882 in einem spannenden Familienroman von Emanuel Michael Freiherr von Kapri vor. Mit dem kulinarischen Kulturerbe der Sathmarer Schwaben macht uns Arthur Glaser gewaltig Appetit. Andreea Oance setzt fort mit einem Interview und zauberhaften Bildern aus der Banater Küche der kulinarischen Diplomatin Claudia-Ramona Rista. Freuen Sie sich auch auf literarische Erzählungen, Gedichte, Glossen, Karikaturen und natürlich den banatschwäbischen Mundartteil.

Nina May (ADZ)

Das „Deutsche Jahrbuch für Rumänien“ 2026, ISSN 2559-4869, wird in Rumänien gratis vertrieben, die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien sendet es gegen Erstattung der Versandkosten in Höhe von zehn Euro auch nach Deutschland. Bestellung bei aboservice[ät]adz.news oder Telefon: (00 40-21) 3 17 89 16.

Schlagwörter: ADZ, Jahrbuch, deutsch-rumänische Beziehungen

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