8. Januar 2026
So deutsch ist Dracula: Neue Erkenntnisse zu Bram Stokers Gruselroman
Im April 2025 veröffentlichte die deutsche Tageszeitung DIE WELT einen Artikel, der die Literaturwissenschaft ordentlich durchrüttelte. Der Berliner Medien- und Sprachexperte Björn Akstinat befasste sich darin erstmals ausführlich mit den deutschsprachigen bzw. deutschen Elementen von Bram Stokers Gruselroman „Dracula“.

Aber nicht nur das: Im Zeitungsartikel wird gezeigt, welch große Rolle die deutsche Sprache insgesamt in dem weltberühmten Werk des irisch-britischen Autors spielt. Dies hängt vor allem mit dem für den Vampir ausgewählten Wohnort zusammen. Stoker lässt den Grafen Dracula in seinem 1897 veröffentlichten Roman auf einem Schloss im deutsch geprägten Siebenbürgen residieren. Siebenbürgen alias Transsilvanien lag damals nicht in Rumänien, sondern im Herrschaftsgebiet von Österreich-Ungarn. Die heute wichtigsten Städte der Region wie Hermannstadt (Sibiu), Klausenburg (Cluj-Napoca), Mediasch (Mediaș), Kronstadt (Brașov) oder Bistritz (Bistriţa) wurden allesamt von Deutschen gegründet.
Am Anfang des Romans reist der Londoner Anwalt Jonathan Harker über München nach Transsilvanien zu Graf Dracula. Für die im englischsprachigen Original-Text genannten siebenbürgischen Städte in der Nähe von Draculas Schloss wählte Bram Stoker ausschließlich die deutschen Bezeichnungen wie Bistritz oder Klausenburg statt der damals schon oft gebräuchlichen rumänischen Namen Bistriţa bzw. Cluj-Napoca.
Neben der Wahl der deutschen Städtenamen lässt Stoker Jonathan Harker auch in einem Hotel mit deutschsprachigem Namen und Personal übernachten: „It was on the dark side of twilight when we got to Bistritz, which is a very interesting old place. ... Count Dracula had directed me to go to the Golden Krone Hotel ... I was evidently expected, for when I got near the door I faced a cheery-looking elderly woman ... When I came close she bowed and said, «The Herr Englishman?» – «Yes», I said, «Jonathan Harker»“ (Es dämmerte bereits, als wir in Bistritz ankamen, einem sehr interessanten alten Ort. ... Graf Dracula hatte mich angewiesen, zum Hotel Goldene Krone zu gehen ... Offensichtlich wurde ich erwartet, denn als ich mich der Tür näherte, stand ich einer fröhlich aussehenden älteren Frau gegenüber ... Als ich näher kam, verbeugte sie sich und sagte: «Der Herr Engländer?» – «Ja», sagte ich, «Jonathan Harker»).

Mit allen Einheimischen Siebenbürgens kann er sich im weiteren Verlauf der Geschichte auf Deutsch unterhalten.
Der Kutscher von Graf Dracula, der Jonathan Harker am Borgo-Pass in den Karpaten östlich von Bistritz abholt, soll ebenfalls perfekt Deutsch parlieren: „the driver said in excellent German: «The night is chill, mein Herr, and my master the Count bade me take all care of you».“ (der Kutscher sagte in exzellentem Deutsch: «Die Nacht ist kühl, mein Herr, und mein Gebieter, der Graf, bat mich, auf Sie besonders Acht zu geben»). Akstinat weist erstmals darauf hin, dass sich der Kutscher wenig später im Roman als Graf Dracula höchstselbst entpuppt. Das heißt: Der Vampir aller Vampire beherrscht die Sprache Goethes ausgezeichnet. Es ist noch kein anderer literaturwissenschaftlicher Text bekannt, der diese sensationellen Details so deutlich herausarbeitet.
Bram Stoker kannte Deutschland durch Reisen und verehrte das Musikgenie Richard Wagner. Wahrscheinlich ist seine Liebe zur deutschen Kultur der Grund dafür, dass er mehrere Romanfiguren Deutsch sprechen lässt, ein deutsches Original-Zitat eingebaut hat und ursprünglich den Romananfang wohl komplett in Bayern und Österreich spielen lassen wollte.
Dank Björn Akstinat, der bereits mehrere Fachbücher zur internationalen Relevanz der deutschen Sprache veröffentlichte, wissen wir nun von den zahlreichen deutschen Elementen in diesem Stück Weltliteratur.
Susann Niros
Alle fettgedruckten Wörter und Passagen sind Zitate aus dem englischen Original-Roman von Bram Stoker.
Schlagwörter: Dracula, Stoker, Film, Roman, Karpaten
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