29. Dezember 2007

Im Lotru- und Zibinsgebirge

Nachdem Michael Kapp im letzten Jahr eine Wan­derung durch das Lotru-(Lauterbach-)Ge­birge vorzeitig abbrechen musste, nahm er sich vor, die Tour in diesem Jahr komplett durchzuziehen. Mit von der Partie waren auch seine Tochter Doris mit ihrem Mann Erhard sowie seine drei Enkel­töchter. Für die Packtiere war Viorel zuständig, ein Bergbauer aus Tălmăcel. Zwei Pferde und ein Esel beförderten das Gepäck.
Am 18. August ging es los: Wir marschierten aus Fundul Râului im oberen Zoodttal auf dem alten Fahrweg bis zum Hirschbrunnen hoch. Dieser Fahrweg bis zum Bucegi ist bereits vor dem Ersten Weltkrieg gebaut worden. Eine Ab­kürzung ist der Steg, den ich 1981 mit Heltauer Schülern markiert habe. Weder Steg noch Weg sind heute noch markiert oder begangen. So wanderten wir teils durch schöne Wälder, aber auch durch Abholzungen und Windbrüche fünf Stunden, bis wir beim Hirschbrunnen unsere Zelte aufschlagen konnten. Nach der ersten Nacht im Zelt ging es über schöne Bergwiesen nach Süden zur alten Landesgrenze vom Dudu­ruc bis Voineag in Richtung Sterpu. Wir befanden uns in dem so genannten „Sieben-Richter-Gebiet“, das sich aus dem oberen Zoodttal über den Stefleşti bis hinunter nach Voineasa erstreckt. Dieses Gebiet war einst eine Schenkung König Ladislaus’ aus dem Jahre 1472 an die Hermannstädter Pro­vinz, die aber im Zuge der Agrarreform 1921 enteignet worden war. Ent­lang der alten rumänisch-ungarischen Grenze über die Groapa Sasului, Poiana Ţiganului gelangten wir zum Bucegi. Dort zelteten wir in 1 610 Metern Höhe, wo sich früher die Draht­seilbahnstation befand und in den Jahren 1912 bis 1918 eine SKV-Schutzhütte. Ab da hatten wir nur noch gutes Wanderwetter. Weiter ging es über den Clă­bucet und Negovanul Mare (2 105 m) bis zum Contul Mare, wo wir unsere dritte Nacht verbrachten. Auf dem Bergrücken des Contul Mare sahen wir viele Schürfstellen, die Überbleibsel der in den 70er Jahren vorgenommenen geologischen Grabungen.

Den schwersten Aufstieg hatten wir am dritten Tag zu bewältigen. Über den Balindru stiegen auf den Stefleşti-Gipfel (2 242 m), den höchsten Gipfel des Lotru-Ge­birges, nur zwei Meter niedriger als der Cindrel-Gipfel. Am östlichen Bergrücken des Stefleşti konnte man unter der Grasnarbe einen in kurzen Serpentinen verlaufenden Steg erkennen, der aus der Anfangszeit des SKV stammt. Die Sektion Hermannstadt hatte zu der Zeit eine Hütte auf dem Negovan und eine auf dem Bucegi unterhalten.

Von da ging es 500 Meter bergab durch den Latschengürtel bis in die Fichtenstufe. Bei der Wasserscheide zwischen dem Mühlbach und dem Zoodttal stiegen wir wieder bergauf zum Cindrel-Gipfel. Früher freute ich mich im Früh­jahr den Gemsen auf den Schneefeldern des östlichen Cindrels zusehen zu können. Diesmal war dafür aber keine Zeit, ein Hirte erzählte jedoch, dass seine Hunde ein Rudel mit sieben Gemsen in den Stefleşti-Kessel vertrieben hätten.

In halber Höhe verfolgten wir den Steg, der uns durch das Jujbea-Tal zur Cânaia-Hütte brachte. Am nächsten Tag ging es Richtung Hohe Rinne. Über den Rozdeşti, Beşineu bis zur Bătrâna begegneten uns mehrere Schafherden, von vielen Hirtenhunden begleitet.

Von der Bătrâna ging es weiter zur Muncel-Hütte, wo wir auf einer nahe gelegenen Lich­tung einen schönen Zeltplatz fanden. In den Tagen zuvor hatten wir viele Preiselbeeren am Weg­rand gefunden, in den tieferen Lagen auch Heidelbeeren und Himbeeren. Früher wurden de Zirbelkiefern im Quellgebiet des Zibins gezählt und gehegt. So war ich angenehm überrascht, als ich vor der Muncel-Hütte eine groß angelegte Zirbelkieferpflanzung sah.

Am letzten Tag folgten wir der Kamm­markie­rung über die Poiana Onceşti unter der Konrad­warte ostwärts bis zu den Forsthäusern vom Tomnatic, wo wir in die Valea Pinului hinunterstiegen. Die letzten eineinhalb Stunden folgten wir dem Forstweg bis zu unserem Ausgangs­punkt. Für mich war es ein freudiges Wiederse­hen mit der heimatlichen Bergwelt, für meine Enkeltöchter ein Erlebnis.

Michael Kapp

Schlagwörter: Wanderung, Reise

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