12. Juni 2004

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Gemeinsame Projekte angepeilt

Bundesvorsitzender Volker Dürr und Rumäniens Minister für europäische Integration, Alexandru Farcas, bekräftigten bei einem Gespräch am 29. Mai in Dinkelsbühl die Absicht, die guten Kontakte auszubauen und in europäische Projekte einfließen zu lassen.
Rumäniens Minister für europäische Integration, Alexandru Fărcaş (44), sprach als Festredner bei der Eröffnung des Heimattages am 29. Mai in Dinkelsbühl (siehe separater Bericht). Der Minister nahm das vielseitige kulturelle Angebot des siebenbürgisch-sächsischen Pfingsttreffens mit großem Interesse wahr und kam am selben Tag zu einem Gespräch mit dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dipl.-Ing. Arch. Volker Dürr, zusammen. An der Unterredung beteiligten sich der rumänische Botschafter in Berlin, Adrian Vierita, und der rumänische Generalkonsul in München, Mihai Botorog.

Farcas wurde am 30. Juni 1959 in Klausenburg geboren und absolvierte 1983 die dortige Fakultät für Rechtwissenschaften. Bis 1990 war er als Richter und nach der Wende als Hochschullehrer, als wissenschaftlicher Direktor von ADIRI, als Menschrechtsexperte des Außenministeriums (1993-1996) und als diplomatischer Berater der Ständigen Vertretung Rumäniens in Genf tätig. Seit Januar 2001 war Fărcaş als Staatssekretär im Innenministerium unter anderem für Fragen der europäischen Integration und internationale Beziehungen zuständig, bevor er im Dezember 2003 als Nachfolger von Hildegard Puwak zum Europaminister berufen wurde.



Berieten in Dinkelsbühl über gemeinsame Projekte, von links nach rechts: Generalkonsul Mihai Botorog, Bundesvorsitzender Volker Dürr, Alexandru Farcaş, Rumäniens Minister für Europäische Integration, und Rumäniens Boschafter in Berlin, Adrian Vierita. Foto: Petra Reiner
Berieten in Dinkelsbühl über gemeinsame Projekte, von links nach rechts: Generalkonsul Mihai Botorog, Bundesvorsitzender Volker Dürr, Alexandru Farcaş, Rumäniens Minister für Europäische Integration, und Rumäniens Boschafter in Berlin, Adrian Vierita. Foto: Petra Reiner


Bundesvorsitzender Volker Dürr berichtete über das vielseitige Kulturleben der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und die grenzüberschreitenden Kontakte im Rahmen der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen. Das soziale Engagement der Landsmannschaft für die Landsleute in Siebenbürgen werde oft als „europäisches Modell“ gelobt. Dürr betonte, dass die Rückgabe des Eigentums an die deutsche Minderheit in Rumänien auch für deren Stabilisierung besonders wichtig sei.

Der Europaminister bekräftigte den Willen der rumänischen Regierung, „die Rückgabe des Eigentums“ zu Ende zu führen. Farcas räumte Schwierigkeiten in der lokalen Verwaltung ein, wies aber auf den politischen Willen der Regierung hin, die Fälle positiv zu lösen. Die Rückgabe des Eigentums an die Kirchen stehe noch aus. Die rumänische Bevölkerung habe ihre „Verkrampfung“ von Anfang der neunziger Jahre aufgegeben und stehe nun den Investitionen positiv gegenüber.

Der Minister belegte die „positive Dynamik“ seines Landes anhand statistischer Daten. Die Inflation sei von 40 Prozent im Jahr 2000 auf 14 Prozent im Vorjahr gesunken, 2004 wolle Rumänien die Teuerungsrate auf einen einstelligen Bereich begrenzen. Die ausländischen Investitionen seien gestiegen, 80 Prozent des rumänischen Außenhandels werden zurzeit mit EU-Ländern abgewickelt. Diese Entwicklung zeige, dass die wirtschaftliche Integration Rumäniens fortschreite, sagte Farcas. Der am 1. April 2004 erfolgte NATO-Beitritt habe diesen europäischen Kurs gefestigt. Deutsche Erfahrung und Technologie würden in Rumänien eingesetzt, um Justiz, Verwaltung und andere Bereiche zu modernisieren. Auch die Politik sei offener geworden: Die Führung in Bukarest habe sich mit Ex-König Michael versöhnt und messe der rumänischen Diaspora eine höhere Bedeutung bei als bisher.

Die Siebenbürger Sachsen seien eine wahre „Schatztruhe“ für Rumänien, betonte Farcas. „Sie sind für uns ein Modell hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung, des Gemeinschaftslebens, der Freundschaften, der kulturellen und religiösen Beziehungen.“ Viele rumänische Kinder besuchten deutschsprachige Schulen und eigneten sich somit deutsche Kulturwerte an. Farcas dankte für den sozialen Einsatz der siebenbürgischen Landsmannschaft. Hermannstadt habe unter seinem deutschen Bürgermeister Klaus Johannis einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren, das Stadtbild habe sich positiv verändert.

Des Weiteren wies der Minister auf neue Gewerbegebiete hin, die in mehreren rumänischen Städten im Grünen erschlossen werden, um kleine- und mittelständische Unternehmen und Investitionen zu fördern. Farcas lud die Siebenbürger Sachsen ein, sich als Investoren in ihrem Herkunftsland zu engagieren.

Bundesvorsitzender Volker Dürr regte an, die kommunalen und wirtschaftlichen informellen Kontakte mit dem Oberbergischen Kreis auszubauen. Hier seien heute mehr als 15 000 Siebenbürger Sachsen beheimatet. Dank einer Initiative des Bundesvorsitzenden konnte eine Delegation des Hermannstädter Stadtrates kommunale Erfahrung in dieser Region sammeln.

„Für uns ist der kulturelle Austausch sehr wichtig“, betonte der Bundesvorsitzende. Er verwies auf das Kulturabkommen, das der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat und das rumänische Kulturministerium zu Pfingsten 2003 in Dinkelsbühl unterzeichnet hatten. Das Abkommen sei bereits durch mehrere gemeinsame Veranstaltungen mit Leben erfüllt worden, beispielsweise durch die außerordentlich erfolgreiche Ausstellung rumänischer Ikonen in Kornwestheim. Die Werke des siebenbürgischen Künstlers Henri Nouveau seien in Pontoise und mehreren deutschen Städten ausgestellt worden. Eine siebenbürgisch-sächsische Straße werde im Freilichtmuseum ASTRA in Hermannstadt angestrebt. Beide Seiten wollen die siebenbürgisch-sächsische Kultur durch gemeinsame Anstrengungen besser in Europa bekannt machen.

Generalkonsul Mihai Botorog lud die Siebenbürger Sachsen abermals ein, das neue Rumänienhaus in München für Kulturveranstaltungen zu nutzen. „Wir betrachten die siebenbürgisch-sächsische Kultur als Teil unserer rumänischen Kultur“, betonte Botorog.

Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und die rumänische Regierung vereinbarten, die guten Kontakte auszubauen und in gemeinsame europäische Projekte einfließen zu lassen. Dieser Absicht könnte eine neue Einrichtung in Hermannstadt zugute kommen. Europaminister Farcas kündigte an, dass in der Stadt am Zibin ein Lehrgang eingerichtet werden soll, der jungen Leute das nötige Wissen vermittelt, um europäische Projekte zu beantragen und abzuwickeln.

Siegbert Bruss

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