11. September 2012

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Rumänienreise der HOG Deutsch-Zepling

Die Rumänienrundreise der HOG Deutsch-Zepling wurde in diesem Jahr wegen der großen Zeitersparnis mit dem Flugzeug begonnen und mit dem Bus weitergeführt. Nach dem Treffen im Herbst 2011 entschieden meine Frau und ich uns sofort mitzumachen. Ich wurde am 14. September 1944, also zwei Tage nach der Flucht aus Zepling, somit „unterwegs“ geboren und war noch nie in Deutsch-Zepling bzw. Rumänien. Jetzt, als Ruheständler, wollte ich das Land meiner Vorfahren endlich kennenlernen. Die Organisation der Reise nahmen Susanne und Helmut Proske in die Hand und stellten uns im Dezember 2011 das Reiseprogramm vor.
Der Tag der Anreise, Montag, 28. Mai 2012, begann für uns mit dem Transfer von Pforzheim nach Frankfurt und schon da spürte ich ein leichtes Kribbeln im Bauch, denn in ein paar Stunden würde ich dort sein, wovon ich seit Jahrzehnten mein ganzes Leben lang immer nur gehört hatte, Rumänien, Siebenbürgen, Deutsch-Zepling. Bei der Landung in Bukarest hatte ich nicht das Gefühl in mir – es ist alles fremd wie in allen anderen Ländern bisher, nein, irgendwie bist du daheim. Über Konstanza und Mamaia kamen wir unter sachkundiger Führung unserer Reiseführerin Gabi nach Tulcea ins Donaudelta. Eine kleine Hafenstadt an einem großen Nebenarm der Donau. Am nächsten Morgen, nach ausgiebigem Frühstück, ging es aufs Boot zur ­Deltabesichtigung. Leider war die berühmte Vogelwelt kaum präsent, aber es war ein sehr schönes Erlebnis. Am nächsten Tag wurde Bukarest besucht. Von allen Sehenswürdigkeiten war natürlich das Parlamentsgebäude am beeindruckensten. Kolossal, wie man sagt, aber auch ein sehr fragwürdiges Gebäude. Der schöne Tag wurde abgeschlossen mit einem ausgezeichneten, typisch rumänischen Essen in einem Folklorerestaurant mit Musik und Tanz.

Am nächsten Tag begann die Reise ins „Siebenbürgerland“. Die Durchquerung der Südkarpaten und der „Vorstoß“ ins Land der Väter. Hermannstadt, Kronstadt, Neumarkt, Schäßburg, alles Städte, die ich aus den Erzählungen meiner Eltern, Onkels, Tanten usw. vom Namen her kannte. Am meisten interessierte ich mich für Neumarkt am Mieresch, weil es die Kreisstadt von Zepling ist. Unser Fahrer Daniel brachte uns sicher und souverän, ohne riskante Überholmanöver nach Hermannstadt. Am sechsten Tag fuhren wir weiter nach Kronstadt und besichtigten zwei sehenswerte Kirchenburgen: Honigberg und Tartlau. In Honigberg nahm der evangelische, siebenbürgische Pfarrer gerade eine Taufe vor; Eltern und Kind waren aber echte Rumänen.

Über Schäßburg kamen wir dann nach Neumarkt und immer mehr in Richtung Deutsch-Zepling. In allen Städten Siebenbürgens war der starke kulturelle Einfluss der Siebenbürger Sachsen immer noch unverkennbar.Ein Teil der Reisenden mit Bürgermeister Dinu ...Ein Teil der Reisenden mit Bürgermeister Dinu Cotoi (1. von links, zweite Reihe) im neu renovierten Saal in Deutsch-Zepling. Am achten Tag der Reise, dem 4. Juni, folgte für mich persönlich der Höhepunkt der Reise: die Fahrt nach Deutsch-Zepling. Über Sächsisch-Regen, eine liebenswerte Kleinstadt, erreichten wir endlich unser Ziel, der Bus hielt auf der Anhöhe an – mit Blick auf Zepling. Wir stiegen alle aus dem Bus und schauten hinab ins Tal auf die Häuser, die Kirche, das Gemeindehaus und die Gassen, die wir alle später durchfahren sollten. Mir standen die Tränen in den Augen. Dieses Dorf war eingebettet in sanfte Hügel, Wiesen, Felder, und die Sonne glänzte. Sie hieß uns herzlich willkommen im Ort, in der Landschaft unserer Vorfahren.

Nach der „inneren Sammlung“ fuhren wir in die Dorfmitte vor das Gemeindehaus und wurden von Dorfbewohnern begrüßt. Auch der Bürgermeister Dinu Cotoi gab sich die Ehre, die „Heimkehrer“ zu begrüßen, der Botscher Bürgermeister, zuständig auch für Zepling, jung, clever und sympathisch. Die anschließende Kutschfahrt durch den Ort war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Was ist schon die Fahrt in einem Mercedes oder Cadillac im Vergleich zu einem Wagen mit Pferden und einem Kutscher oben drauf? Die Fahrt ging durch Gassen wie die Augasse, die Lehmgasse usw., alles Begriffe aus den Erzählungen der Vergangenheit. Die Fragen schwirrten umher, was ist das, wer wohnt dort? Ich stellte fest, dass in diesem Dorf noch viel zu tun ist – Straßen, Kanalisation, Renovierung der Häuser usw. Eine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte.

Am Ende der Augasse auf der Anhöhe eröffnete sich uns ein herrlicher Rundblick über die Gemarkung von Zepling. Nach der Rückfahrt wurden wir im Gemeindesaal mit einer zünftigen siebenbürgischen Vesper bewirtet. Pfarrer Johann Zey und Bürgermeister Dinu Cotoi begrüßten die Gäste, und es entwickelte sich eine heitere Atmosphäre. Nun hatte ich das Gefühl, „jetzt bist du daheim“. Die Familie Krebelder aus Norderstedt hatte für den Kindergarten ein Trampolin gespendet, das ein paar Männer im Garten des Kindergartens aufbauten. Die Zeit in Zepling ging schnell vorüber. In Erinnerung bleiben unvergessliche Eindrücke in jeder Hinsicht.

Heinz Schuller

Schlagwörter: Deutsch-Zepling, Reise, Siebenbürgen

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