18. Oktober 2015

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Wiedereinweihung der ­Kirchenburg in Groß-Alisch

„Es ist nicht selbstverständlich, dass nach dem vor Jahren renovierten Pfarrhaus nun auch die Kirche ein frisches und schönes Gewand bekommt und die Orgel wieder lieblich erklingt. Durch das tolle Engagement und die Spenden der HOG, den Einsatz des Betrages vom Verkauf der Schule durch die Kirchengemeinde und den Bezirk habt ihr gemeinsam als Glaubensgemeinschaft nun auch die Wunde der reparaturbedürftigen Kirche geheilt und diesen Festtag erst möglich gemacht“, sagte Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, am 6. September in seiner Predigt (Luk. 17,11-19) am 14. Sonntag nach Trinitatis in der Kirche in Groß-Alisch.
Der Dechant des Schäßburger Kirchenbezirks, Hans Bruno Fröhlich, sagte in seiner Begrüßungsrede, dass er und sein rumänisch-orthodoxer Amtskollege, Ortspfarrer Nico- lae David, in Groß-Alisch eine Einheit der Christen entdeckt haben und auch pflegen. Ein Beweis dafür sei die Tatsache, dass schon zum dritten Mal in diesem Ort, wo alle Ethnien gut zusammenleben, ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert werde.

Dies betonte auch der Vorsitzende der HOG Groß-Alisch, Wilhelm Paul, in seiner deutschen und rumänischen Ansprache in dem gut besuchten Festgottesdienst. Paul sagte voller Freude: „Der lang ersehnte Tag ist nun da, wo unsere Kirche in neuem Glanz erstrahlt und wir stolz darauf sind.“ Im Laufe der letzten 15 Jahre sind wir mit Spenden unserer Landsleute aus Deutschland, Österreich, Kanada und den USA gekommen und haben tatkräftig mitgeholfen, das 539 Jahre alte Gemäuer der Kirchenburg zu „flicken“ und in Stand zu halten. Die Kirchenburg kommt auf keiner Liste für Fördermittel vor und wird von Fachleuten als „uninteressant“ eingestuft. Materielle Hilfe von auswärts gab es nie. Dies sollte aber den rührigen Vorsitzenden der HOG und die engagierte Kuratorin Elfriede Hermann nicht entmutigen.

Unter der Aufsicht von Architekt Michael Meyndt vom Bezirkskonsistorium Schäßburg konnten die Renovierungsarbeiten im Juni 2014 in Angriff genommen und im September 2015 vollendet werden. Nicht eingeplante Mehrkosten tauchten auf, die durch Beisteuerung von der Gemeinde Dunesdorf durch Bürgermeister Nicolae Mosora, von Margarete Schuster von der HOG Groß-Alisch aus Deutschland und der Evangelischen Gemeinde aus Sachsen beglichen werden konnten. Allen an den Renovierungsarbeiten Beteiligten dankte Wilhelm Paul ganz herzlich. Er rief alle Landsleute auf, ihr Heimatdorf immer wieder zu besuchen und dabei auch praktische Hilfe zu leisten. „Wir kommen nicht um hier spazieren zu gehen, sondern anzupacken und nach dem Rechten zu sehen.“Die renovierte Kirchenburg in Groß-Alisch. Foto: ...Die renovierte Kirchenburg in Groß-Alisch. Foto: Ingeborg Paul Zur Feier des Tages waren 114 Groß-Alischer aus Deutschland und Österreich gekommen. In seiner Predigt beglückwünschte sie Bischof Reinhart Guib für ihr „tolles Engagement, das dazu geführt hat, dass die Wunde der reparaturbedürftigen Kirche geheilt und dieser Tag gefeiert werden kann“. Seitens der Orthodoxen Kirche waren der Protopop (Dechant) aus Schäßburg, Ovidiu Dan, und der Ortspfarrer der Orthodoxen Kirche aus Groß-Alisch, Nicolae David, anwesend. Sie lobten die gute Zusammenarbeit mit dem evangelischen Bezirkskonsistorium in Schäßburg und das friedliche Zusammenleben aller Konfessionen in Groß-Alisch. Der ökumenische Gottesdienst und der herzliche Empfang aller Christen in der Kirche seien Zeichen der Verständigung und Toleranz. Den Gottesdienst bereicherte der Groß-Alischer Chor unter der Leitung von Alfred Drotleff. An den Fürbitten beteiligten sich vier Jugendliche in siebenbürgischer Tracht: Doris Hermann, Dominik Jakobi und die Geschwister Michele und Stefan Müller. Der gesamte Gottesdienst wurde begleitet an der nunmehr leicht bespielbaren Orgel von Theo Halmen im Beisein von Orgelbauer Burghard Wenzel.

Das Wiedersehen in der alten Heimat hatte bereits am Dienstag, dem 1. September, begonnen, als sich emsiges Treiben im Dorf bemerkbar machte: Der Posaunenchor und ein auf die Schnelle zusammengestellter Chor probten im Gästehaus; die Kirche und der Gemeindesaal wurden hergerichtet.

Am Samstagvormittag fand bei gutem spätsommerlichem Wetter eine ergreifende Andacht auf dem Friedhof statt. Zusammen mit Pfarrer Hans Bruno Fröhlich gedachte man im Gebet und einem stillen Moment seiner verstorbenen Familienangehörigen, Freunde und Bekannten. Der Posaunenchor unter Georg Zakel sorgte mit seiner musikalischen Untermalung für emotionale Momente. Wie schon lange nicht mehr waren die meisten Grabstätten mit Blumen geschmückt. Die HOG legte einen Kranz am Grab von Lehrerin und Organistin Marie Seiwerth nieder. Wilhelm Paul bedankte sich bei Pfarrer Fröhlich, dem Posaunenchor und bei den vielen Anwesenden. In diesem Augenblick schlug die seit Neuestem elektrisch betriebene Turmuhr 12.00 Uhr. Darauf läutete, wie jeden Samstagmittag, die große Glocke, die auch elektrisch betrieben wird. Wir waren alle sehr gerührt und verließen schweren Herzens den Friedhof. Die teils nachdenklichen Gemüter konnten durch das anstehende Grillfest im Pfarrhof- und garten, veranstaltet von der Familie Mirel und Mirela Hermann, wieder erheitert werden.

Am Sonntag nach dem Festgottesdienst, an dem Journalisten und ein Fernsehteam von der deutschen Abteilung des rumänischen Fernsehens teilnahmen, spielte die Alischer Blaskapelle unter der Leitung von Georg Zakel auf dem Tanzplatz, wo sich viele Dorfbewohner versammelt hatten. Es wurde wie früher bei Hochzeiten auch getanzt. Auf den Stufen des Gemeindesaales empfing Bürgermeister Nicolae Mosora die Gäste mit einer kurzen, herzlichen Begrüßung. Über dem Eingang prangte ein großer Spruch: „Bine aţi venit acasă 2015“. Die Blaskapelle begleitete dann die Gäste in den Saal.

Das Festessen, von einem Party-Service aus Schäßburg bestellt, war schmackhaft und auch die Getränketheke vielfältig. Die vier Musiker Georg Zakel, Alfred Drotleff, Alfred Weber und Friedrich Zakel haben das ganze Geschehen musikalisch angenehm untermalt.

Nach dem Kaffetrinken erfreute eine Tanzgruppe des „Joseph-Haltrich Gymnasiums“ aus Schäßburg mit flotten Tänzen das Publikum. Die beiden Schwestern Ilse und Rosemarie Müller führten unter viel Applaus und Jubel zigeunerische Tänze auf. Bei guter Stimmung, zu der Hans Jakobi durch die Bildung eines Singkreises mit Akkordeonbegleitung beitrug, wurde bis spät in die Nacht fröhlich getanzt und gefeiert.

Wilhelm Paul

Schlagwörter: Groß-Alisch, Kirche, Einweihung, deutsch-rumänische Beziehungen

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