22. Februar 2012

Wandelndes (Bild-)Lexikon: Konrad Klein zum 60.

Der Name ist den Lesern dieser Zeitung ebenso bekannt wie den Lesern vieler anderer siebenbürgisch-sächsischer Publikationen, desgleichen vielen an Siebenbürgen Interessierten aus aller Welt, aber nicht zuletzt seinen ungezählten Schülern aus Siebenbürgen und Bayern: Konrad Klein aus Gauting bei München. Bekannt wegen seiner schönen Fotografien, die man als Siebenbürger und als Bayer gerne und mit Gewinn betrachtet, ist er doch sozusagen ein Fotochronist seiner alten wie seiner neuen Heimat; bekannt wegen seiner Sammlungen, die er großzügig für Illustrationen zur Verfügung stellt; bekannt als anregender Lehrer, dem Humor und Selbstironie nicht fremd sind; bekannt als wandelndes Lexikon, das über (fast) alles Bescheid weiß und bereitwillig Auskunft gibt.
Zu den Lebensdaten findet man wenig, nicht viel mehr als das, was im „Lexikon der Siebenbürger Sachsen“ steht: Konrad Klein wurde am 6. Februar 1952 in Hermannstadt geboren; mütterlicherseits stammt er von der bekannten Zeidner Lehrerfamilie Reimesch aus Zeiden ab, zu der auch der Publizist Fritz-Heinz Reimesch, ein Mitbegründer der Siebenbürgischen Zeitung, gehört. An der Hermannstädter Universität studierte er Germanistik und wurde Gymnasiallehrer in Zillenmarkt/Zalău. Nach seiner Aussiedlung (1979) ergänzte er in München seine Ausbildung durch das Studium der Religionswissenschaften und wurde wieder Lehrer, erst in Herrsching, seit 1987 in Gauting.
Dem Drachentöter auf der Spur: Konrad Klein vor ...
Dem Drachentöter auf der Spur: Konrad Klein vor dem von Martin und Georg aus Klausenburg gegossenen Reiterstandbild des heiligen Georg auf dem Hradschin in Prag, 1990. Foto: Petra Dilthey
Über sein Hobby, das Fotografieren, wissen wir mehr, denn er fotografiert (mit Erfolg!) seit seiner Schülerzeit. In Siebenbürgen unternahm er mit seinen Freunden zahlreiche Bergwanderungen, bereiste von Zillenmarkt aus die nordsiebenbürgischen Dörfer, stieg aber auch mit dem Speläologen-Kreis um den Höhlenforscher und Jazzfreund Josef Viehmann in die Höhlen der Siebenbürgischen Westgebirge, mit offenem Auge für die Landschaft, für die Ethnographie und die Architektur. Früh veröffentlichte er die Früchte seiner Exkursionen in den deutschen Zeitungen Rumäniens (die ihn auch mit Preisen bedachten), im Reisebuch „Komm mit“, im Siebenbürgen-Führer des Wort und Welt Verlages, für den er ein Kapitel über die Roma verfasste. Über den nordsiebenbürgischen Umweg und eigentlich noch mehr nach seiner Aussiedlung begann er, die Siebenbürger Sachsen zu entdecken, nachhaltig angeregt von der Bekanntschaft mit der Mühlenforscherin Ulrike Ruşdea-Weindel, deren Leben und Wirken er in einem sehr persönlichen Nachruf in dieser Zeitung gewürdigt hat. 1974 stellte Klein – noch als Student – erstmals aus, 1993 folgte seine Fotoausstellung „Menschen, Augenblicke, Landschaften“ in Dinkelsbühl, die auch an anderen Orten gezeigt wurde. Sie erlaubte Hans Bergel das Urteil, Klein gelte „längst […] unter den fotografierenden Siebenbürgern als ein Könner der Extraklasse“.

Konrad Kleins Wirken wurde nachhaltig durch seine Freundschaft mit dem Fotojournalisten Edmund Höfer vom Bukarester Neuer Weg beeinflusst, der in den Jahren vor seiner Auswanderung begonnen hatte, alte Fotografien zu sammeln. Beim Sichten und Ordnen dieser Sammlung fand Klein sein Lebensthema: Die Erforschung der siebenbürgischen Bildkultur, speziell der Fotogeschichte, natürlich mit einer Ausweitung in die Kunst- und Kulturgeschichte.

Diese Kenntnisse konnte er beim Erstellen von Biographien und Werkvorstellungen im „Lexikon der Siebenbürger Sachsen“ (1993) einbringen, für das er auch weitgehend die Bilddokumentation bestritt und dank seines Engagements von Walter Myß zum Mitherausgeber berufen wurde. Auch an dessen „Kunst in Siebenbürgen“ (1991) hat er als Fotograf mitgewirkt. Besonders gerne erinnert sich Klein an seinen väterlichen Freund Hans Meschendörfer, von dem er so manches über das alte Siebenbürgen erfuhr und dem er sein bekanntes Ansichtskarten-Buch „Grüße aus dem Bärenland“ (1998) gewidmet hat. Auch mit dem bekannten Verlegersohn und Architekten Helmut Zeidner stand er in regem Austausch.
Melancholia transsylvanica Anno Domini 2009 ...
Melancholia transsylvanica Anno Domini 2009 (Hommage an Albrecht Dürers Melencolia I). Foto: Konrad Klein
Es folgten zahlreiche Aufsätze in der Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde, oft echte Kabinettstücke, die mir als deren Redakteur nur Freude bereitet haben. Unter ihnen ­seien hier stellvertretend jene über die ersten siebenbürgischen Ansichtskarten, über siebenbürgische Kunst- und Künstlerkarten, über die Kunst der Reformationszeit am Beispiel von Gregor Moler (dem er die Porträts von Johannes Honterus und Apollonia Hirscher zugeschrieben hat), über Georg Bleibtreus Bild von der Einwanderung der Siebenbürger Sachsen, über Fritz Schullerus als Altarmaler oder über den Kronstädter Maler Anton Fiala, der – das weiß man nun von Konrad Klein – das Historienbild „Die Schlacht bei Marienburg“ gemalt hat. Sein ikonographisch bedeutsamer Artikel für die „Siebenbürgische Zeitung“, in dem er drei Altarbilder mit Bildnissen von Vlad Ţepeş vorstellte, ist geradezu weltbekannt: Mit gut 100000 Aufrufen ist er einer der im Internet meistgelesenen Artikel der Siebenbürgischen Zeitung und – wichtiger – er führte zwei bis dahin unbekannte „Dracula“-Bilder in die Bildgeschichte dieses walachischen Fürsten ein, heute ein Allgemeingut jeder Publikation, die sich diesem seit Bram Stokers Roman so beliebten Sujet widmen.

Als freier Mitarbeiter der Siebenbürgischen Zeitung (SbZ) schrieb er zahlreiche Artikel über Fotografen und Künstler wie Oskar Netoliczka, Oskar Pastior sen., Lilli Fuchs-Schiel, Peter Jacobi, Johann Untch und Helmut von Arz, tummelt sich aber mit seinem breitgestreuten Interesse auch gern „grenzüberschreitend“ in anderen journalistischen Gefilden, etwa wenn er über den Erfinder der Eisernen Lunge Dr. Rudolf Eisenmenger (in Verbindung mit einem Bild von Salvador Dalì!), über Paul Schuster, Ricarda Terschak, Helene Platz, die Altarrestauratorin Gisela Richter, den Kabarettisten Hagen Rether oder siebenbürgisch-sächsische Gedächtnisfahnen schreibt.

Einer langjährigen Beschäftigung entsprang ein umfangreicher Beitrag über Theodor Glatz und die Anfänge der ethnographischen Fotografie in Siebenbürgen. Er erschien in der renommierten Zeitschrift „Fotogeschichte“ des Jonasverlages (2007). Fast druckfertig ist ein Lexikon der in Siebenbürgen tätigen Fotografen mit einer ausführlichen Chronik der siebenbürgischen Foto- und Bildgeschichte von den Anfängen bis 1990. Es konnte nicht ausbleiben, dass diese Themenstellung zu einer Besinnung auf das siebenbürgische Bildgedächtnis führte. Besonders stolz ist er, dass er vor einigen Jahren Dr. Hans­otto Drotloff dazu anregte, das Mediascher Bildarchiv anzulegen. Die Frucht dieser Sammel­tätigkeit mündete in der Herausgabe des opulenten Mediasch-Bildbandes von 2009, an dem Klein auch selbst mitarbeitete.

Sein jüngst in der SbZ veröffentlichter Artikel über den Architekten Josef Bedeus von Scharberg resultiert aus seiner „Nebenbeschäftigung“ mit siebenbürgischen und speziell mit Hermannstädter Architekten. In einem dieses Jahr erscheinenden Band über Hermannstädter Architekturzeichnungen (Herausgeber: Frank Thomas Ziegler und Timo Hagen) hat er eine Reihe von Kurzbiographien mit entsprechendem Werkverzeichnis präsentiert. Siebenbürgische Bildgeschichte und Bildkultur sind es, die Konrad Klein wie kein anderer kennt; da ist auch noch einiges zu erhoffen, was unsere Vorstellung vom Gewesenen verbessern und illustrieren wird.

Wer mit ihm zusammenarbeitet – wie in meinem Fall bei der Illustration des Buches „Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen“, bei der Redaktion der Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde und des Hermannstädter Heimat-Boten – erfährt bald, dass für ihn Bild und Text eine Einheit bilden, dass dem Perfektionisten eine informative Bildunterschrift wichtig ist, weil sie erst die wissenschaftliche Genauigkeit gewährleistet, neben dem Auge auch den Intellekt anspricht. Wer Hilfe braucht, der muss ihn „nur“ ansprechen. Meist setzt er sich nach dem anstrengenden Schultag zu seinen Sammlungen und findet oft nach einigem Suchen und Überlegen fast immer das passende Foto, die richtige Ansichtskarte, eben das beste Bild. Dazu liefert er eine ganze Geschichte über Entstehung, Fotografen, Laufzeit der Karte, Menschen, Landschaften, Bauten, die darauf zu sehen sind. Es sprudelt aus Konrad Klein ein Wissen, das weitaus mehr umfasst, als Bilder und Bildgeschichten, ein Wissen, das die siebenbürgische Kultur als Ganzes umfasst und so weitergibt, als ein wandelndes Lexikon in romanhafter Prosa, stets faszinierend – wie der Mensch, der alles so bilderreich „erzählt“.

Konrad Gündisch

Schlagwörter: Kultur, Fotografie, Hermannstadt, Fotogeschichte, Konrad Klein, Bildkultur

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  • 31.01.2013, 09:44 Uhr von emo schuschnig: KK ist ein LIEBENSWERTER Mensch. -"- KULTURELLER -"- -"- LEHRENDER -" ... [weiter]
  • 14.03.2012, 11:46 Uhr von SBS aus BW: Lieber Herr Klein,zunächst alles Gute zum Geburtstag! Solche "ausserordentliche Menschen" brauchen ... [weiter]
  • 22.02.2012, 13:00 Uhr von siebenschläfer: "Wer Hilfe braucht, der muss ihn „nur“ ansprechen. Meist setzt er sich nach dem anstrengenden ... [weiter]

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