7. Januar 2016

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Faszination rumänische Bergbaugeschichte

Bergbau- und Industriegeschichte – selbst für Historiker ist das Thema eine oft vernachlässigte Nische. Umso erfreulicher die Verleihung des „Ludovic Mrazek“-Preises der Rumänischen Akademie, Sektion Geowissenschaften, in Bukarest an die Autoren eines Buches über Grubenkarten aus Siebenbürgen, dem Banat und der Maramuresch aus dem 18. Jahrhundert: den Historiker Dr. Volker Wollmann, ehemaliger Leiter des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim, Verfasser mehrerer Buchreihen zur Industriegeschichte, und den Arzt und Hobbyhistoriker Dr. Traian Popescu. Die Preisverleihung fand am 18. Dezember in der Festaula der Rumänischen Akademie in Bukarest statt. Die Preise aus 14 Sektionen, und zwar aus den Hauptbereichen Literatur, Kunst, Wissenschaft und Technik, wurden vom Präsidenten der Akademie, Ionel-Valentin Vlad, in Beisein des Präsidiumsbüros ausgehändigt. Wie man dazu kommt, sich von der Geschichte des Bergbaus faszinieren zu lassen, verraten die frisch prämierten Autoren Wollmann und Popescu im Gespräch mit Nina May.
Herr Dr. Wollmann, wie kommt man auf die Idee, sich wissenschaftlich ausgerechnet mit Bergbau zu befassen?
Wollmann: Ich habe mein halbes Leben lang Bergbaugeschichte studiert, also geforscht, und viel mit dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum zusammengearbeitet. In diesem Rahmen habe ich ein zwölfbändiges Buch herausgebracht, die Serie „Silber und Salz in Siebenbürgen“. Als Folgeprojekt ist dann die Reihe über die vorindustriellen und industriellen Denkmäler in Rumänien entstanden, „Patrimoniu preindustrial şi industrial în România“. Mein ursprüngliches Fachgebiet ist allerdings römischer Bergbau in Dakien: 1962 bis 1964 habe ich schon in Roşia Montană geforscht und in den 80er Jahren hierzu promoviert.

Was hat Sie in historischen Gruben am meisten beeindruckt?
Wollmann: Die römischen Gangnetze in Roşia Montană, mit Schlägel und Eisen in den Fels getrieben, es gab ja noch kein Schießpulver damals! Und die Wasserhebeanlagen für Drainagen. Phantastisch! So etwas gibt es sonst nur in Spanien, aber nicht in dem Ausmaß wie in Roşia Montană. Die beiden Autoren Volker Wollmann (links) und ...Die beiden Autoren Volker Wollmann (links) und Traian Popescu nach ihrer Prämierung in der Rumänischen Akademie in Bukarest. Foto: Nina May Haben dort auch die Daker Bergbau betrieben?
Wollmann: Wir haben C14-Untersuchungen von Holz in den Stollen gemacht und bewiesen, dass es aus vorrömischer Zeit stammt. Dies bedeutet, auch die Daker haben Tiefbau betrieben und sind den Erzgängen gezielt nachgefolgt. Sie haben nicht nur an der Oberfläche Gold gewaschen.

Was sind aus Ihrer Sicht die spektakulärsten Funde aus historischen Gruben?
Wollmann: Das sind die römischen Wachstäfelchen aus Roşia Montană: 25 sind heute noch übrig, obwohl man seinerzeit mehr gefunden hatte. Ich habe sie im vierten Band der Reihe „Silber und Salz in Siebenbürgen“ ausführlich beschrieben: Es handelt sich um Arbeits- und Kaufverträge, auch zum Sklavenkauf, in Kursiv auf Wachs geschrieben, wobei manche Tafeln mehrmals überschrieben waren, also mehrfach verwendet worden sind. Illyrische Bergleute haben diese wertvollen Werkverträge damals beim Angriff der Markomannen in Dakien 166 in den Stollen versteckt und verbarrikadiert. 1855 haben die Österreicher die Stollen wieder geöffnet und die Wachstäfelchen entdeckt.

Herr Dr. Popescu, Sie sind Arzt – was hat Sie zu diesem seltsamen Hobby veranlasst?
Popescu: Ich wollte eigentlich in Rumänien Archäologie studieren, hatte dann aber das zweifelhafte „Glück“ – nach meiner Exmatrikulation von der Fakultät Geschichte in Bukarest – drei Jahre als Bergmann in der Grube zu arbeiten. 1980 bin ich dann in München gelandet. Dort habe ich aus familiärer Tradition Medizin studiert, doch die Leidenschaft für Geschichte und Frühgeschichte ist mir geblieben. Grubengeschichte ist ein Hobby, vor allem aber mit der Brauereigeschichte in Rumänien habe ich mich sehr gründlich befasst, historische Archive erforscht und selbst eine Datenbank angelegt. In Brünn, im mährischen Nationalarchiv, habe ich dann zufällig diese historischen Grubenkarten entdeckt.

Und so ist das heute hier prämierte Buch zustande gekommen?
Popescu: Ich hatte die Pläne entdeckt, ihre Bedeutung erkannt und dann gleich Kontakt mit Volker aufgenommen.
Wollmann: Wir kannten uns ja schon aus einer früheren Zusammenarbeit, wo Traian mich mit seinen Erkenntnissen zu Bierbrauereien unterstützt hatte. Zwei Jahre haben wir an diesem Buch gearbeitet. Auch buchbinderisch gesehen ist es eine Besonderheit: Alle Karten sind im A3-Format in das A4-Format des Buches eingefaltet – in Handarbeit.

An wen richtet sich dieses Werk?
Wollmann: Es ist in erster Linie ein Buch für Wissenschaftler, Prospektoren und Geologen. Es soll die Wege für weitere Forschungen öffnen.

Gibt es darin auch Orte von touristischem Reiz?
Wollmann: Ja, sicher – die Saline von Thorenburg (Turda) zum Beispiel: phantastisch, muss man unbedingt gesehen haben! Die Karte im Buch zeigt den anfangs glockenförmigen Abbau. Oder Salzburg bei Hermannstadt: Die heute sichtbaren Salzseen sind eingestürzte alte glockenförmige Bauten, kraterförmige Gebilde, in denen sich dann Regenwasser sammelte, den Salzstock auflöste und so sind die heutigen Badeseen entstanden.

Gibt es Museen zum Thema Bergbau?
Wollmann: In Deutschland gibt es das erwähnte Deutsche Bergbau-Museum in Bochum. In Rumänien kann man in Petroschen ein kleines Kohlenbergwerkmuseum besichtigen, oder die für Besucher zugänglichen Stollen in Roşia Montană. In Brad hat man ein Goldmuseum wiedereröffnet, dort sind allerdings nur Schaustücke, also Mineralien, zu sehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Traian Popescu, Volker Wollmann: Localităţi miniere din Transilvania, Banat și Maramureș - într-un atlas din secolul al XVIII-lea [Bergwerke in Siebenbürgen, aus der Maramuresch und aus dem Banat in einem Atlas aus dem 18. Jahrhundert]; Sibiu/Hermannstadt: Honterus-Verlag, 2013; 208 S., ISBN: 978-606-8573-00-7. Das Buch wurde in der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 18 vom 20. November 2014, Seite 10, und in der Siebenbürgischen Zeitung Online vom 20. Dezember 2014 rezensiert.

Bergbaumuseen in Deutschland und Rumänien (Auswahl)

Deutsches Bergbau-Museum Bochum:
Größtes Bergbaumuseum der Welt und Forschungsinstitut für Montangeschichte. Es vermittelt Einblick in den Bergbau weltweit von vorgeschichtlicher Zeit bis heute.

Kohlenbergwerkmuseum Petroschen (Kreis Hunedoara):
Zeigt die Bergbaugeschichte des Schiltals und den Einfluss des Bergbaus auf die Entwicklung des lokalen sozialen Lebens seit der Frühgeschichte.

Goldminenmuseum Roşia Montană (Kreis Alba):
Illustriert Techniken und Technologien von Goldabbau und -bearbeitung vor Ort. Zu besichtigen ist ein Stollennetz aus der Zeit der römischen Besatzung in Dakien.

Goldmuseum Brad (Kreis Hunedoara):
Europaweit einzigartige Mineraliensammlung mit 1 300 Exponaten, teils mit sehr bizarren, natürlichen Formen aus dem Siebenbürgischen Erzgebirge.

Schlagwörter: Geschichte, Bergbau, Industrie, Auszeichnung

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