29. Januar 2021

Reizende Aquarelle mit Farbenpracht sondergleichen: Maler Friedrich Eberle friedlich entschlafen

„Ich kann nur malen, was ich sehe, und das muss ich genau malen“, sagte Friedrich Eberle und malte und malte und malte. Reizende Aquarelle mit einer Farbenpracht sondergleichen. Und nun malt er nicht mehr. Er ist friedlich im Kreise seiner Familienangehörigen im 94. Lebensjahr am 9. Januar 2021 in Nürnberg entschlafen. Ihm, der in seinem langen Leben nie im Krankenhaus weilte, war das Glück zuteil, auch seine letzten Stunden hier auf Erden zu Hause mit seinen Lieben zu sein.
Friedrich Eberle, 2019. Foto: Walther Konschitzky ...
Friedrich Eberle, 2019. Foto: Walther Konschitzky
Am 12. Februar 2020 hatte Friedrich Eberle noch zusammen mit seiner Ehefrau Waltraud Edith nach 65 Ehejahren die Eiserne Hochzeit gefeiert. Walther Sinn, Pfarrer seiner Heimatgemeinde Liebling, in der er am 25. August 1927 geboren wurde, ließ am Tag des Todes ausrichten: „Seien Sie dankbar, dass Gott ihm 93 Jahre geschenkt hat.“ Hinzufügen möchte ich: Auch wir als große banat-schwäbische und siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft sind dankbar, Friedrich Eberle als einen treuen Landsmann und großen Künstler erleben zu dürfen, der uns die Heimat Banat, die Heimat Siebenbürgen, die Heimat Franken in seinen vielfältigen, die Betrachter in klug komponierten und stimmungshaften Bildern reich beschenkt hat. Er bleibt unvergessen und lebt spürbar weiter durch sein Lebenswerk.

Seine Ehefrau war stets an seiner Seite und hat ihn in seinem Schaffen stets bestärkt. Sie bewunderte ihn sehr ob seiner künstlerischen Fähigkeiten und war stolz auf ihn, dass er seine Malkunst den Kirchen und Kirchenburgen aus Siebenbürgen, ihrer Heimat, widmete. Zwei Töchter und drei Enkelkinder bereicherten sein erfülltes Familienleben.

Schon als Kind hatte Friedrich Eberle gerne gezeichnet. Papier und Stifte waren im Elternhause eher selten. Deshalb zeichnete er auf leeren Buchdeckeln mit Kohlebrocken, die er dem Bügeleisen entnommen hatte. Auch das Bücherlesen mochte er sehr.

Friedrich Eberle bleibt als großer Künstler in Erinnerung. Jahrelang hat er bereut, dass er keine Hochschule besuchen konnte, sondern nur auf der Schule für Bildende Künste in Temeschburg (Temeswar) war. Ein Fernstudium mit Diplom „Werbegrafiker“ hat er dann aber in seiner neuen Heimat, in die er 1977 übersiedelt ist, mit „ausgezeichnet“ nachgeholt. Der berühmte Banater Maler Franz Ferch, bekannt durch seine wunderschönen Distelbilder aus der Banater Heide, war sein Lehrer, von ihm hatte er das genaue Zeichnen und Malen gelernt. Nach Abschluss der Grundschule in Liebling half er in der elterlichen Bauernwirtschaft mit. Allein mit seiner Mutter geblieben, war an eine weitergehende Schule nicht zu denken.

Wie viele seiner Altersgenossen wurde auch er am 15. Januar 1945 zur Zwangsarbeit in den Donbass deportiert. Achthundertdreiundneunzig Tage war er von zu Hause weg. Nach einem Fußmarsch von sechsundsiebzig Tagen – er war in Ostdeutschland, wo man ihn ausgesetzt hatte, losgegangen – kam er am 26. Juni 1947 wieder zu Hause in Liebling an. Dort musste er sich zunächst wieder zurechtfinden, denn nach Kriegsende hatte es große Umwälzungen im Land gegeben. Als Bauer gab es auch für ihn keine Zukunft mehr. Er durfte nur dank einer Sondergenehmigung des Bukarester Unterrichtsministeriums aufgrund seiner außergewöhnlichen zeichnerischen Begabung die Schule der Bildenden Künste in Temeschburg besuchen.
Friedrich Eberle: Baaßen, Aquarell, 40 x 30 cm, ...
Friedrich Eberle: Baaßen, Aquarell, 40 x 30 cm, 1998. „Mächtig ist die Baaßener Burg mit ihrem wehrhaften Glockenturm. Es war eine reiche Gemeinde. Bereits 1727 wurde dort Erdgas erwähnt, 1842 wurde es zum Kurort.“ (Anselm Roth)
Nach dem Abschluss der Schule 1953 bestand er die Aufnahmeprüfung an der Medizinischen Universität in Temeschburg, jedoch gab es für ihn keinen Studienplatz. 1955 heiratete er die Siebenbürger Sächsin aus Reußdorf Waltraud Edith, die als Lehrerin nach Liebling zugeteilt worden war, und arbeitete als Porträtmaler in der Technik Kohle und Pastell. Vor rund vierzig Jahren begann er mit der Aquarellmalerei und formte seinen erfolgreichen Malstil. Er beherrschte die altmeisterliche Arbeitstechnik bis zur Vollkommenheit. Tief beeindruckt von den malerischen siebenbürgischen Straßendörfern mit ihren mächtigen Kirchenburgen, wurden diese zunächst die geeigneten Motive schlechthin für seine Malerei. Hinzu kamen dann auch weitere wie die Altstadt Nürnberg, Landschaftsbilder aus Bayern und aus Urlaubsorten, aus seiner Heimatgemeinde Liebling, Blumensträuße. Einige dieser Bilder hat er auch in Öl gemalt.

Sein umfangreiches Werk konnte in zahlreichen Ausstellungen bewundert werden (Legelshurst, München, Mitterfels, Dinkelsbühl, Fürth, Scheinfeld, Nürnberg, USA, Königsbrunn, Heilbronn, Rottenburg-Stuttgart, Schwabach, Herzogenaurach, Airport München, Hermannstadt …) Zuletzt auch in seinem Bildband „Siebenbürgen in Aquarellen“. Der große Meister der gemalten Illusion (Trompe-l´oeil), der Siebenbürger Sachse Michael Lassel, hebt ausdrücklich die große Breite der „zeichnerischen Begabung“ und die herausragende Qualität im vielgestaltigen Werk des „Vollblutkünstlers“ Friedrich Eberle hervor. Lassel betont mit hoher Achtung die Bandbreite seiner Kunst, dessen „Klang der Farben“, das Beherrschen der altmeisterlichen Arbeitstechnik. Die hohe Wertschätzung des renommierten Künstlers zeigt sich auch in den hunderten Bildern, die Besucher der Heimattage in Dinkelsbühl oder bei großen schwäbischen Veranstaltungen erworben haben. Die hohe Qualität Friedrich Eberles, besser gesagt, seiner Werke, liegt vorwiegend in deren emotionalen Annahme durch seine Betrachter, durch seine, modern gesagt, große Fan-Gemeinde. Sein Werk wirkt weit über seinen Tod hinaus als eine lebensbejahende, Sinnhaftigkeit und farbenfreudige Lebenslust vermittelnde Botschaft. Danke, Friedrich Eberle!

Horst Göbbel

Schlagwörter: Porträt, Nachruf, Kultur, Maler, Aquarelle, Eberle

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