20. Juli 2026
Deutschsprachig Wirtschaft studieren in Klausenburg/Prof. Dr. Mihaela Drăgan und Student Maximilian Oprean im Gespräch
In einem Interview für Radio Siebenbürgen spricht Christian Mantsch mit Prof. Dr. Mihaela Drăgan und dem Studenten Maximilian Oprean über deutschsprachige Wirtschaftsstudiengänge an der Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg. Das hier in gekürzter Fassung erscheinende Gespräch zeigt, wie eng akademische Qualität, Praxisnähe und internationale Kooperationen dort miteinander verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen Chancen für junge Menschen, die ein Studium auf Deutsch mit europäischen Perspektiven und guten Berufsaussichten verbinden möchten. Zugleich wird deutlich, warum Klausenburg als Studienort im südosteuropäischen Raum zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Prof. Dr. Mihaela Drăgan: Meine persönliche Motivation zur Gründung und Entwicklung der deutschsprachigen Studienrichtung an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Unternehmensführung der Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg wurde maßgeblich von dem Ziel geprägt, eine Brücke zwischen der rumänischen Hochschulbildung und dem deutschsprachigen Wirtschaftsraum aufzubauen. Als Leiterin des Departements für Wirtschaftswissenschaften und Unternehmensführung in deutscher Sprache an unserer Fakultät möchte ich einige Gründe und Ziele nennen wie zum Beispiel: Ein sehr wichtiger Grund ist, Fachkräfte für den lokalen Markt vorzubereiten beziehungsweise auszubilden. Das heißt: Wir bilden Fachkräfte aus, die sowohl über fundiertes wirtschaftliches Fachwissen als auch über exzellente deutsche Sprachkenntnisse verfügen, um den Bedarf deutschsprachiger Unternehmen in Rumänien zu decken. Hier möchte ich auch die exzellente Zusammenarbeit unseres Departements mit dem Deutschen Wirtschaftsclub Nordtransilvanien Klausenburg erwähnen.
Ein nächster Grund bezieht sich auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Das bedeutet, dass den Studierenden aufgrund der Kooperationen mit bis zu zehn Partneruniversitäten, insbesondere aber mit der Hochschule Nürtingen-Geislingen, mit der eine langjährige Partnerschaft entstanden ist, durch die Integration der modernen Lehrmethoden eine Ausbildung auf europäischem Niveau ermöglicht wird.
Weiterhin ist die Praxisorientierung durch die enge Zusammenarbeit mit deutschsprachigen Unternehmen ein wichtiger Grund. Das heißt, dass der Fokus auf der engen Vernetzung mit der Wirtschaft liegt. Den Studierenden werden durch Praktika und Gastvorträge von Vertretern der Praxis im Studium tolle Karriereperspektiven in einem internationalen Umfeld eröffnet. Nicht zuletzt möchte ich die akademische Exzellenz hervorheben, das heißt das Anbieten von hochaktuellen Studienprogrammen, und zwar die Unternehmensführung in deutscher Sprache auf Bachelor-Niveau. Das kann man sowohl im Tagesunterricht besuchen, aber ab der Aufnahmeprüfung 2026, also ab diesem Jahr, auch im Fernstudium. Anschließend gibt es die Möglichkeit, dass sich Absolventen des Bachelorstudiums auf das Masterprogramm Internationales Management in deutscher Sprache bewerben können. Damit wird Klausenburg, Cluj-Napoca, als bedeutender Standort für deutschsprachige Studien in Osteuropa gefestigt und tief verankert.
Christian Mantsch: Viele Studieninteressierte möchten zuerst wissen, was sie konkret erwartet. Ein klarer Überblick hilft nämlich bei der Planung: Welche Inhalte werden auf Deutsch angeboten? Und genauso wichtig ist die Frage: Wo wird gemischt unterrichtet?
Prof. Dr. Mihaela Drăgan: Wir haben das Ziel, die Studienprogramme, die ich eben erwähnt habe, komplett auf Deutsch anzubieten. Es gibt keinen Mix aus Deutsch und Englisch. Wir fokussieren uns auf das Anbieten der Lehrfächer in deutscher Sprache.
Und noch kurz, wenn ich erwähnen darf, auf Bachelor-Ebene, das bedeutet, das erste Niveau anschließend an die Abiturprüfung, ist das Studienprogramm Unternehmensführung in deutscher Sprache im Tagesunterricht und sicher ab der Aufnahmeprüfung im Juli 2026 auch im Fernstudium.
Dieses Studienprogramm, Unternehmensführung in deutscher Sprache, vermittelt ein breites Spektrum an Fähigkeiten und Kenntnissen, die für verschiedene Bereiche und Branchen relevant sind. Die Deutschkenntnisse bilden einen Grundstein für den Aufbau einer Karriere, wie eigentlich auch in vielen Diskussionen mit der Wirtschaft deutlich erwähnt wurde. Also, mit anderen Worten, das Beherrschen der deutschen Sprache ist immer ein Pluspunkt im Wirtschaftsraum in Transsilvanien und nicht nur. Ich möchte sagen, es ist auch auf nationaler Ebene ein Pluspunkt.
Neben dieser Grundausbildung bietet das Studienprogramm die neuesten Aspekte des Wissens in den Bereichen Management, Buchführung, Statistik und Controlling im Unternehmen an. Der Lehrplan des Studienprogramms ist innovativ aufgebaut, indem die Studenten eine echte professionelle Beurteilung bezüglich der Anwendung der Kenntnisse in verschiedenen spezifischen Situationen erwerben. Die Lehrveranstaltungen, die in unserem Curriculum beinhaltet sind, tragen dazu bei, das Wissensspektrum der Absolventen zu erhöhen, zu vertiefen und immer zu erweitern.
Auf Master-Ebene, also auf dem zweiten Niveau im Bologna-System, bieten wir über vier Semester das Studienprogramm Internationales Management in deutscher Sprache an. Das Masterprogramm bietet einen hohen Anwendungsbezug durch die Arbeit an realen Business Cases in den meisten Fächern. Die Masterstudenten profitieren von einem deutschsprachigen Expertennetzwerk im Rahmen von Workshops und Vorträgen und nicht zuletzt von der sehr guten Kooperation mit Top-Universitäten. Hier würde ich ganz gezielt im Masterprogramm die Universität Wien, die Universität Trier, Bern und sicher unsere Partnerhochschule Nürtingen-Geislingen nennen, weil eigentlich im Masterprogramm die Möglichkeit besteht, sich für ein DAAD-Stipendium zu bewerben und ein Semester an unserer Partnerhochschule zu verbringen, und sicher viel Wissen und viel Erfahrung über ein Semester zu sammeln.
Christian Mantsch: Wirtschaft studieren kann man an vielen Orten. Trotzdem unterscheiden sich Studium und Alltag je nach Universität ganz deutlich. Spannend ist deshalb der Vergleich mit Deutschland und Österreich. Was unterscheidet ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Babeș-Bolyai-Universität von ähnlichen Studienangeboten in Deutschland oder in Österreich?
Prof. Dr. Mihaela Drăgan: Als Erstes möchte ich die sprachliche Vielfalt und Multikulturalität erwähnen. Die Babeș-Bolyai-Universität Cluj-Napoca hat eine multikulturelle Tradition und europäische Werte. Der Anfang der didaktischen Tätigkeit der Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg geht auf das Jahr 1581 zurück. Heutzutage werden hier Studiengänge an 23 Fakultäten angeboten und in fünf Sprachen ermöglicht: Rumänisch, Ungarisch, Deutsch, Englisch und Französisch.
Ein weiterer Unterschied bezieht sich auf den Praxisbezug und die lokale Dynamik, die wir erleben dürfen. Es wird gesagt, dass Cluj-Napoca als das Silicon Valley Rumäniens gilt. Die Verbindung zur IT-Branche und zu internationalen Shared Service Centers – als Beispiel sei das Unternehmen E.ON erwähnt – ist extrem eng und führt oft zu einer sehr frühen Verzahnung mit dem Arbeitsmarkt.
Meiner Meinung nach zeichnet sich das Studienprogramm Unternehmensführung in deutscher Sprache durch eine gelungene Praxisorientierung aus. Besonders bemerkenswert finde ich, dass die Studierenden schon früh im Studium mit realitätsnahen Aufgabenstellungen konfrontiert werden, die ihnen helfen, die Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Viele Lehrveranstaltungen enthalten zum Beispiel projektbasierte Arbeiten, bei denen die Studenten eigenständig Lösungen entwickeln und die Ergebnisse präsentieren. Das bedeutet, dass sie eine Fähigkeit, die im späteren Berufsleben unerlässlich ist, erwerben.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Studienstruktur. Das bedeutet, im Vergleich zu Universitäten in Deutschland und Österreich, ist das rumänische Hochschulsystem häufig durch eine etwas verschulte Struktur mit engerer und exzellenter Betreuung in kleinen Gruppen geprägt, besonders in den fremdsprachigen Linien. Das bedeutet sicher, auch am deutschsprachigen Studiengang und konkret lässt sich das verstehen, dass eigentlich in einer Gruppe etwa bis zu 20 Studierende sind. Das bedeutet eine sehr, sehr aufmerksame Betreuung seitens der Lehrkräfte und einen engen Kontakt der Lehrkräfte mit den Studenten.
Christian Mantsch: Viele junge Menschen mit Wurzeln in Siebenbürgen überlegen: Soll ich im deutschsprachigen Raum studieren oder bewusst ins Ausland gehen? Ein Studium in Klausenburg kann fachlich und kulturell sehr viel bringen. Welche Vorteile bietet ein Studium in Klausenburg speziell im internationalen und interkulturellen Kontext?
Prof. Dr. Mihaela Drăgan: Ein Studium in Klausenburg bietet durch die einzigartige Struktur der Babeș-Bolyai-Universität und die Atmosphäre der Stadt massive Vorteile im internationalen Vergleich. Hier möchte ich die gelebte Mehrsprachigkeit auf dem Campus erwähnen: Die Babeș-Bolyai-Universität ist die einzige Universität in Osteuropa mit drei offiziellen Studienlinien: Rumänisch, Ungarisch und Deutsch.
Weiter möchte ich erwähnen, dass die Brücke zwischen Westeuropa und Osteuropa sehr wichtig ist; das bedeutet, der Student kann interkulturelle Kompetenzen erwerben, die besonders für Unternehmen wertvoll sind, die an der Schnittstelle zwischen den europäischen Märkten und dem osteuropäischen IT- und Servicesektor agieren. Ein weiterer Vorteil ist die kulturelle Vielfalt. Die Stadt Klausenburg ist bekannt für internationale Events, und hier möchte ich das Transilvania International Film Festival oder das Untold Festival erwähnen, die Klausenburg eigentlich zu einem kosmopolitischen Treffpunkt machen.
Und nicht zuletzt möchte ich die Möglichkeit von Doppeldiplom-Programmen erwähnen, hier ganz konkret: am deutschsprachigen Studiengang haben wir ein sehr interessantes Doppeldiplom mit Nürtingen-Geislingen. Es ermöglicht. Abschlüsse aus zwei Ländern gleichzeitig zu erwerben und sicher, in diesem Sinne, die internationale Mobilität der Studenten zu maximieren. Es geht um die Studienprogramme Internationales Finanzmanagement oder Unternehmertum und Innovation.
Christian Mantsch: Viele möchten schon im Studium Praxis erleben: Kontakte zu Unternehmen, Praktika und echte Einblicke in den Beruf. Dafür sind Kooperationen und Partner wichtig. Welche Rolle spielen Praxisbezug, Unternehmen und internationale Partnerschaften im deutschsprachigen Studienprogramm Ihrer Fakultät?
Prof. Dr. Mihaela Drăgan: Unsere Fakultät hat intensive Kooperationen mit namhaften Unternehmen, vor allem im deutschsprachigen Raum, und das bietet konkrete Vorteile für unsere Studenten, und zwar hier möchte ich direkte Kontakte erwähnen. Als Partner würde ich Kaufland Rumänien, Miske Hoffmann und Partner, Porsche, NTT DATA, E.ON, msg systems, Porsche Engineering und Bosch nennen. Diese direkten Kontakte sind fest in den Studienalltag integriert, wie gesagt, durch sehr interessante Vorträge oder Workshops, die man anbietet.
Die Karrierechancen würde ich hier hervorheben. Viele Unternehmen bieten spezielle Stipendien, Praktika und Einstiegsprogramme für Studierende des deutschsprachigen Studiengangs. Und nicht zuletzt sind die Netzwerke, und hier ist nennenswert unsere wunderbare Kooperation mit dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Nordtransilvanien. Dieser Club fungiert als eine wichtige Brücke zwischen der Universität und der lokalen Wirtschaft aus dem deutschsprachigen Raum.
Christian Mantsch: Wenn man sich bewerben möchte, zählt am Ende auch die Praxis. Welche sprachlichen und formalen Voraussetzungen müssen Studieninteressierte aus Deutschland erfüllen, um ein Studium bei Ihnen aufnehmen zu können?
Prof. Dr. Mihaela Drăgan: Für Studieninteressierte aus Deutschland gelten an der Babeș-Bolyai-Universität aufgrund der EU-Zugehörigkeit Rumäniens dieselben Bedingungen wie für einheimische Bewerber, ergänzt durch formale Anerkennungsschritte für ausländische Zeugnisse. In erster Linie, wenn wir über die sprachlichen Voraussetzungen sprechen, müssen die Bewerber über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Der wichtigste formale Schritt ist die Anerkennung des Abiturs durch das rumänische Bildungsministerium. Dazu sind verschiedene Dokumente erforderlich, insbesondere das Abiturzeugnis.
Christian Mantsch: Bisher haben wir über Aufbau und Angebot gesprochen, jetzt geht es um den Studienalltag in Klausenburg. Dazu haben wir einen jungen Studenten eingeladen, der selbst dort studiert. Wir begrüßen Herrn Maximilian Oprean. Können Sie sich kurz vorstellen?
Maximilian Oprean: Mein Name ist Maximilian Oprean und ich bin zurzeit Student hier in Klausenburg bei der Universität Babeș-Bolyai in einem Masterprogramm, und zwar im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Zuvor habe ich in Deutschland an der Universität Tübingen Informatik studiert. Mein Studienalltag ist geprägt von Vorlesungen, Projekten und Prüfungen, wodurch ich gelernt habe, sehr strukturiert und selbstbewusst an die Arbeit heranzugehen. Besonders spannend finde ich allgemein die Verbindung, welche ich jetzt aufbauen kann: zwischen dem technischen Denken aus der ersten Universität mit den wirtschaftlichen Zusammenhängen jetzt miteinander zu verknüpfen. Neben dem Studium lege ich sehr viel Wert auf persönliche Weiterentwicklung, den Austausch mit meinen Freunden und mit den anderen Studierenden und ebenfalls neue Erfahrungen zu erleben.
Christian Mantsch: Wie wurden Sie beim Ankommen in Klausenburg unterstützt?
Maximilian Oprean: Der Start hier in Klausenburg war sehr gut meiner Meinung nach und auch sehr übersichtlich gestaltet. Damit meine ich, dass ich zu Beginn meines Studiums sehr viel Unterstützung von den Führungskräften und Professoren vor allem, aber natürlich auch von meinen Mitstudierenden bekommen habe. Hier ist es so, dass die Universität eine klare Orientierung zu den organisatorischen Abläufen, zu den Studieninhalten gibt, aber auch Informationen zu den Ansprechpartnern; alles ist ganz leicht online zu finden. Besonders hilfreich war auch die Offenheit der Kollegen im Studiengang, die mich bei verschiedenen Fragen zum Studienalltag oder allgemein zum Leben hier in der Uni sehr unterstützt haben.
Christian Mantsch: Wenn man neu in eine Stadt kommt, ist es zumindest bei uns in Deutschland immer eine Frage der Wohnungssuche, die ganz vorne steht. Herr Oprean, was haben Sie denn für Erfahrungen in diesem Bereich gemacht?
Maximilian Oprean: Meine Erfahrungen sind sehr positiv, da ich mithilfe der Universität und ihrer Unterstützung sehr schnell eine Wohnung finden konnte. Hier ist es aber auch so, dass die Universität sehr viele Programme unterstützt, wo man in einem Wohnheim wohnen kann, aufgrund der Tatsache, dass hier die Wohnheime mit der Universität sehr stark zusammenarbeiten, miteinander verbunden sind, also es gibt auch gezielte Wohnheime, die der Fakultät Babeș-Bolyai gehören.
Meine Empfehlung wäre jedoch, im ersten Semester oder in den ersten zwei Semestern in das Wohnheim zu ziehen aufgrund der Tatsache, dass man hier sehr schnell Freundschaften knüpfen kann und verschiedene Verbindungen aufbauen kann, welche dann im Verlauf des Universitätslebens sehr viel unterstützen würden.
Christian Mantsch: Vielen Dank für das offene und auskunftsreiche Gespräch und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.
Das Interview zum Anhören auf Radio Siebenbürgen
Schlagwörter: Interview, Klausenburg, Studium, deutsch-rumänische Beziehungen
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