20. März 2005

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Götz Teutsch

Ein musikalisch-literarisches Faszinosum in Berlin gestaltet zurzeit der aus Hermannstadt stammende Götz Teutsch (Jahrgang 1941). Der Filmemacher Günter Czernetzky hat den "Philharmonischen Salon" besucht und schildert im Folgenden seine Eindrücke.
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Freunde aus Berlin sagten mir: „Wir kennen einen Siebenbürger!“ und nahmen mich am 13. Februar prompt mit in den ausverkauften Kammermusiksaal (1 000 Plätze) der Berliner Philharmonie. „Zu Gast bei Albert Einstein in Caputh“ - Programmgestaltung: Götz Teutsch heißt es im Programmheft, und weiter: „Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt in Siebenbürgen (Rumänien). Den Berliner Philharmonikern gehört er seit 1970 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado. Götz Teutsch zählt zu den Gründungsmitgliedern der zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker; als Kammermusiker und Solist tritt er weltweit auf. Außerdem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Bereits seit mehreren Jahren gestaltet Götz Teutsch regelmäßig mit großem Erfolg musikalisch-literarische Veranstaltungen wie den Philharmonischen Salon.“

Von dem großen Erfolg und der herausragenden Qualität der musikalischen Darbietungen, aber auch von den sehr kenntnisreich und wirkungsvoll ausgewählten Texten von und über Albert Einstein konnte ich mich nun live überzeugen. Eine diskrete Ausstattung mit entsprechenden Möbeln und Dekorationsgegenständen (Firma Nowak/Berlin) vermittelt die gediegene Landhausatmosphäre der 30er Jahre. Das Alltagsleben Albert Einsteins in seinem einsamen Ferienhaus in Caputh bei Potsdam leuchtet auf. Die beiden Schauspieler Monika Hansen und Otto Sander sprechen die Texte, die uns den Menschen Einstein und seine Freunde gegenwärtig erscheinen lassen. Von den sehr vielfältigen musikalischen Stücken von Bach bis Jazz hinterließ vor allem Tschaikowskys Sérénade mélancolique op. 26 für Violone (Thomas Timm) und Klavier (Cordelia Höfer) sowie das Cello-Solo von J.S. Bach: Suite Nr.5 c-Moll, gespielt von Götz Teutsch, einen nachhaltigen Eindruck.

Im Anschluss an diesen faszinierenden musikalisch-literarischen Nachmittag erfuhr ich, dass dies bereits der siebte von Götz Teutsch gestaltete (auch als Hörfunksendung ausgestrahlte) „Philharmonische Salon“ war. In den letzten fünf Jahren führte der stets ausverkaufte Salon sein Publikum u.a. ins Berlin des 19. Jahrhunderts („Die Sonntagsmusiken im Hause Mendelsohn/Hensel“), nach Paris anno 1890 („Mit Marcel Proust bei Madeleine Lemaire“), nach St. Petersburg 1890 („Freitag abends bei Beljajew“), nach Wien um 1900 („Leben, Traum und Tod - Bei Alma und Gustav Mahler“).

Angesichts dieses 13. Februar 2005 ist es besonders bedauerlich, die vorangegangen „Salon“-Erlebnisse nicht auch miterlebt zu haben. Nicht nur das musikalische Talent dieses Siebenbürger Sachsen erregen Bewunderung und Erstaunen, sondern vor allem die wundervoll leichte Art seiner zugleich vielschichtigen und tiefsinnigen Präsentation.

Günter Czernetzky

Link: www.die12cellisten.com

Schlagwörter: Porträt, Kultur

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